• Neuer wäre bei seinem Jugendverein Schalke 04 fast aussortiert worden
  • Er wurde aus der Auswahl des Landesverbandes ausgemustert
  • Es folgte "ein mutiger Schritt unseres damaligen A-Jugend-Trainers"

Manuel Neuer gilt seit Jahren als einer der besten Torhüter der Welt und wurde nun für die erstmals vergebene Auszeichnung als The Best – FIFA-Welttorhüter 2017 nominiert. Und doch hätte seine Laufbahn in der Jugend fast einen mächtigen Knick hinnehmen müssen.

Neuer ist in Gelsenkirchen-Buer geboren, einem Stadtteil, der direkt angrenzt an die Arena des FC Schalke 04. Die Legende besagt, dass der 1986 geborene Torhüter vom Dachfenster seines Elternhauses das alte Parkstadion, das direkt neben der aktuellen Schalker Arena liegt, sehen konnte. "Mir ging es am Anfang nur darum, bei Schalke zu sein. Wenn du in Gelsenkirchen lebst, willst du für Schalke spielen. Dafür nimmt man einiges hin", erinnerte er sich einst.

Zum Beispiel, dass man ins Tor gestellt wird. Er war gerade einmal vier Jahre jung, als er 1991 bei den Königsblauen in die Bambini-Truppe aufgenommen wurde. Weil er neu war (und der Kleinste), landete er erst einmal im zwischen den Pfosten. Das hatte sich Klein-Manuel eigentlich anders vorgestellt, zumal man damals noch auf Asche trainierte. 

Manuel blieb im Tor, denn die Trainer hatten Gefallen daran gefunden, was er dort so ablieferte. Und auch dem Schalker Jungen sagte die Position ganz hinten immer mehr zu.

Eine Zäsur stand an, als Manuel Neuer vor dem Wechsel von der C- in die B-Jugend stand. Es ist eine Geschichte, die auch heutzutage die Jungs in den Nachwuchsabteilungen der Profivereine jedes Jahr im Frühling durchmachen müssen. Trainer, Verantwortliche und sportliche Leitung stecken die Köpfe zusammen und beraten: Welche Spieler behalten wir? Welchen Spielern trauen wir eine große Weiterentwicklung zu? Wen ersetzen wir durch einen neuen Spieler aus einem kleineren Verein, den wir für talentierter halten? Bei Neuer ging der Daumen eher nach unten.

"Es war so, dass ich in der Mannschaft eine Durchschnittsgröße hatte und nicht der allergrößte Torwart war. Von den Grundtechniken hat alles gestimmt, technisch war ich besser als die anderen Torleute, aber ich hatte nicht die Reichweite wie die anderen durch ihre Körpergröße", erinnert sich Neuer gegenüber FIFA.com. "Ich bin aufgrund der Größendefizite bei der Westfalenauswahl ausgemustert worden, trotzdem hat der Verein an mir festgehalten."

Es handelt sich hierbei für die betroffenen Jungs oft um einschneidende Entscheidungen. Einige, wie etwa Marco Reus, der beim BVB in der B-Jugend als zu schmächtig aussortiert wurde und bei Borussia Mönchengladbach zum Bundesligaspieler reifte, finden über einen anderen Profi-Verein den Weg nach ganz oben. Andere rufen ihr Potenzial danach vielleicht nie wieder richtig ab, manch einer hört gar frustriert ganz mit dem Fussball auf.

"Ich hatte Vertrauen, dass ich später wachsen werde, meine Mutter ist 1,74 Meter, mein Vater 1,89 Meter, von daher hatte ich da keine Sorgen. Ich habe einfach versucht, so gut wie möglich zu trainieren und Leistung zu zeigen. Ich wollte immer spielen und habe mir gedacht, das andere kommt von alleine", so der heute 31-Jährige weiter. 

Viel hat nicht gefehlt, und Neuer wäre in jenem schicksalshaften Sommer in Gelsenkirchen also beschieden worden, dass man bei ihm keine große Perspektive sieht. Beim Tennis galt er auch als talentiert. Hätte es statt eines Fussball-Weltmeisters Neuer also fast einen Tennisprofi Neuer gegeben? "Da war es glaube ich noch schwerer zu schaffen als im Fussball. Ich habe einfach das Ziel gehabt, weiterzukommen. Und wenn es mit Schalke nicht geklappt hätte, dann hätte ich einen anderen Weg gehen müssen. Zum Glück ist es aber so gelaufen, dass ich doch auf Schalke bleiben und meinen Weg machen konnte."

Und sein Weg ging, nachdem diese Hürde überwunden wurde, steil nach oben. "Ich musste mich immer behaupten, auch gegen andere und größere Torleute. Ich war ein Torwart, der sich seine Position erarbeiten musste. Ich habe in einer Mannschaft gespielt, in der ein Nationaltorhüter war. Der war ein Jahr älter als ich in der A-Jugend und hat sich in der Nationalmannschaft mit Rene Adler abgewechselt. Ich habe mich aber gegen ihn durchgesetzt im Verein, das war ein großer Schritt für mich. Das war ein mutiger Schritt von unserem damaligen A-Jugend-Trainer", so Neuer, der daraus auch einen wichtigen Lerneffekt gezogen hat: "Dass ich immer kämpfen musste."