• Gianluigi Buffon wurde als erster FIFA-Welttorhüter ausgezeichnet
  • In der letzten UCL-Saison blieb er 600 Spielminuten ohne Gegentor
  • "Ich will mich immer großen, fast unmöglichen Herausforderungen stellen"

Gianluigi Buffon ist es gewöhnt, Rekorde aufzustellen und Meilensteine zu setzen. Die Auszeichnung als FIFA-Welttorhüter bei den The Best FIFA Football Awards™ 2017 hat er sich somit redlich verdient. Der italienische Nationaltorhüter von Juventus Turin steht zwar kurz vor seinem 40. Geburtstag, doch in einem Exklusiv-Interview mit FIFA.com erklärte er, sein Ehrgeiz sei größer denn je und er wolle weiterhin Geschichte schreiben.

FIFA.com: Wie wichtig ist eine Auszeichnung für Torhüter, die oft als einsamste Spieler auf dem Feld bezeichnet werden?
Gianluigi Buffon
: Eine solche Auszeichnung ist großartig. Die Torhüterposition ist absolut entscheidend. Torhüter entscheiden über Sieg oder Niederlage. Wir sind im Prinzip genau so wichtig wie die Stürmer, die die Tore schießen. Wir übernehmen die Verantwortung, diese wichtige Position auf dem Spielfeld zu besetzen und unser Beitrag zum Spiel kann sehr positiv aber auch sehr negativ sein. Wer ein Fussballspiel verfolgt, erkennt sofort, wie sehr die Leistung eines Torhüters das Ergebnis beeinflusst.

Haben Sie schon als junger Spieler die enorme Verantwortung erfasst, die diese Position mit sich bringt?
Schon seit meiner Kindheit sind es die schwierigen Aufgaben, die mich anziehen. Wann immer ich eine Entscheidung treffen musste, bin ich meiner Natur gefolgt. Ich will mich immer großen, fast unmöglichen Herausforderungen stellen. Dass ich als Torhüter spiele, entspricht somit meinem Charakter und meiner Natur.

Sind Ihnen die vielen persönlichen Rekorde wichtig, oder blicken Sie nicht oft darauf zurück?
Wenn man sich dem Ende der Karriere nähert, denkt man natürlich an all die Erfolge und Rekorde und man erkennt, was für ein Spieler man ist. Ich bin stolz auf meine 20 Jahre in der italienischen Nationalmannschaft und hoffe, dass auch noch ein 21. Jahr folgt. Es ist schon außergewöhnlich, 21 Jahre in einer der wichtigsten Nationalmannschaften zu spielen, die hohe Leistungsbereitschaft zu bewahren und eine so lange Zeit geistig und körperlich stark zu bleiben. Das ist alles andere als alltäglich.

Ist Ihnen klar, wie sehr Sie mit all ihren Erfolgen Teil der Fussballgeschichte sind?
Ich schaue nur selten auf meine Vergangenheit zurück, und das war für meine Entwicklung wahrscheinlich sehr wichtig. Ich weiß, was ich geleistet habe und ich habe großen Respekt davor. All diese Erfolge sind in meinem Herzen präsent, aber ich lebe dennoch für die Gegenwart und die Zukunft. Ich ziehe es vor, mich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Wenn ich zu sehr an die Vergangenheit denke, stimmt mich das ein wenig traurig, weil ich zählen kann, wie viele Jahre vergangen sind und mich an Gefühle erinnern kann, die ich nie wieder erleben werde. Viele Dinge haben sich verändert, das Alter, die Teamkameraden usw. Ich möchte nicht in all diesen Erinnerungen leben, auch wenn sie für immer ein Teil meiner selbst sind. Aber ich lebe in der Gegenwart und denke vor allem an die Zukunft.

Ist die Qualifikation für Russland 2018 jetzt die wichtigste Priorität für Sie?
Ja, natürlich. Das ist das wichtigste Ziel für mich und für den italienischen Fussball. Wir müssen uns für die nächste Weltmeisterschaft qualifizieren. Das sind wir unserer Fussballgeschichte und Tradition schuldig. Das Playoff-Duell wird hart, aber wir müssen den richtigen Ansatz finden und uns qualifizieren.

Was sagen Sie zur Playoff-Auslosung: Sind alle Teams in dieser Phase gleich stark, oder sehen Sie Schweden als besonders große Herausforderung?
Schweden ist ein schwerer Gegner, ganz sicher. Die Schweden spielen Fussball auf hohem Niveau. Sie schenken dem Gegner auf dem Platz nichts. Man muss sich einen Sieg hart erarbeiten, man muss leiden und sich nach Kräften bemühen, denn wenn man nicht alles gibt, kann man leicht verlieren. Ich habe großen Respekt vor Schweden und bin gespannt, wie sich die Spiele entwickeln werden.

Manche sagen, dass Sie der beste Torhüter aller Zeiten sind. Was sagen Sie dazu?
Natürlich gefällt mir diese Vorstellung, aber bin nicht derjenige, der das unterschreiben und mich selbst feiern kann. Jeder kann für sich selbst den Besten wählen. Für manche mag ich es sein, für andere wiederum nicht. In meinem Fall sagen die Karriere und die Zahlen natürlich viel aus, aber auf diesem Niveau zählen nur die Zahlen und die Fakten, und Worte sind nichts wert.