• Allegri, Conte und Zidane die Finalisten für die Auszeichnung FIFA-Welttrainer - Männer
  • FIFA.com macht eine Zeitreise zu ihren ersten Erfahrungen auf der Bank
  • Ein ruhiges Debüt für Allegri, ein misslungenes für Conte und ein wechselhaftes für Zidane

Die Scheinwerfer, die eleganten Anzüge, Preisverleihungen und volle Stadien gehören heute zum Alltag von Massimiliano Allegri, Antonio Conte und Zinedine Zidane. Sie werden durchaus in ihrem Element sein, wenn am kommenden 23. Oktober die Zeremonie der The Best FIFA Football Awards™ über die Bühne geht. Dort werden sie als Finalisten für die Auszeichnung The Best - FIFA-Welttrainer - Männer zugegen sein.

Aber bevor sie laut der Stimmen der Kapitäne und Trainer der Nationalmannschaften, der Medien und der Fans zu den besten Trainern des Planeten wurden, mussten auch sie sich bewähren, um schließlich die Leitung von Traditionsteams wie Juventus, Chelsea oder Real Madrid anvertraut zu bekommen. FIFA.com reist in die Zeit zurück zu den Spielfeldern, wo sie ihre ersten Gehversuche als Trainer machten.

Conte: Das Schlimmste gleich zu Beginn
Die erste Erfahrung von Conte auf der Trainerbank war zugleich die schlimmste. Als er 2006 beim Serie-B-Team Arezzo das Traineramt antrat, übernahm er eine Mannschaft, die in der Sommerpause die besten Spieler verloren hatte und aufgrund seiner Verwicklung in die Calciopoli-Affäre mit sechs Punkten Abzug in die Saison startete. Der unerfahrene Coach hielt sich nur drei Monate und acht Spiele. Die Geschichte hätte da enden können, aber Conte stellte sich selbst infrage, hospitierte bei Louis van Gaal in Amsterdam und wurde am Ende der Saison wieder von Arezzo zurückgeholt.

Erste Bilanz: "Als er zum ersten Mal kam, dachte er wie ein Ex-Spieler. Als er wiederkam, dachte er wie ein Trainer", sagte Giovanni Sarrini, der Intendant des Klubs, zu The Telegraph. In den letzten zehn Spielen holte Arezzo acht Siege und ein Unentschieden und verpasste den Klassenerhalt nur um einen einzigen Punkt. Arezzo ist der einzige Verein, der Conte je entlassen hat, aber dennoch der erste, bei dem seine Qualitäten zutage traten.

Erfahrungsbericht: "Ich habe meine Karriere als Spieler zu der Zeit begonnen, als er seine Trainerkarriere startete. In der Liste aller Trainer, mit denen ich zusammengearbeitet habe, steht er ganz oben. Er ist ein großartiger Trainer und ein versessener Arbeiter. Die Trainingseinheiten sind intensiv und die Spieler, die nicht hart arbeiten, spielen nicht. So einfach ist das. Das ist der Charakter von Conte." - Andrea Ranocchia spielte in Arezzo, Bari und in der Nationalelf unter Antonio Conte

In eigenen Worten: "Unsere einzige Option war, zu gewinnen. In dieser Saisonphase war ein Unentschieden wie eine Niederlage. In diesem Moment führte ich mein 4-2-4 ein: Sehr hoch stehende Flügel, zwei Mittelfeldspieler und ein solides Defensiv-Quartett." - Antonio Conte in seiner Autobiografie "Kopf, Herz und Beine"

Allegri: Lieber erklären als durchsetzen
Am 14. Mai 2003 sagte der Mittelfeldspieler Massimiliano Allegri stopp. Er beendete seine 19-jährige aktive Karriere, in der er vier Ligen und elf Vereine erlebt hatte. Bei seinem letzten Klub, Aglianese Calcio, tauchte er auf der Trainerbank wieder auf, kaum dass er seine Fussballschuhe an den Nagel gehängt hatte. Das Team spielte damals in der Serie C2, der vierten Liga. Er blieb nur ein Jahr und leitete in der Folge SPAL, Grosseto und Sassuolo, stets in den unteren Ligen. 2008 ging er in Cagliari sein erstes Engagement in der Serie A ein.

Erste Bilanz: Allegri leitete die Spieler, die in der Saison zuvor seine Teamkameraden waren, nur ein Jahr lang. Aglianese absolvierte eine respektable Saison, ohne zu brillieren und ohne zu zittern. Dies eröffnete Allegri schon in der folgenden Spielzeit eine Chance in der nächsthöheren Liga bei SPAL.

Erfahrungsbericht: "Massimiliano ist eine entspannte und ruhige Person, man kann jederzeit mit ihm reden. Er ist ein guter Kommunikator und versteht die Anderen. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass er so flexibel ist und seine Arbeit den Umständen entsprechend verändert. Er hat immer mit den Spielern geredet und nie wie ein Diktator gehandelt. Er erklärte seine Vorstellungen, anstatt sie durchzusetzen. Das hat ihm viel Respekt eingebracht." - Fabrizio Giusti, der Präsident, der ihn 2003 zum Trainer von Aglianese Calcio machte, zu ESPN

In eigenen Worten: "Jene Zeit in der Provinz war von unschätzbarem Wert. Man erwirbt die grundlegende Erfahrung, die man braucht, um ein erfolgreicher Trainer zu werden. Während andere von einem großen Klub träumen, musste ich zuerst die Grundlagen des Handwerks lernen." - Massimiliano Allegri über seine ersten Erfahrungen

Castilla: Die Erfahrung wichtiger als das Ergebnis
Die Kommentare waren skeptisch, wenn nicht pessimistisch, als Zinedine Zidane ankündigte, eine Trainerlaufbahn einzuschlagen. Einer der besten Spieler der Geschichte hatte nicht viel zu gewinnen, wenn er sich auf die Trainerbank setzte. Also nahm er zunächst auf der Schulbank Platz und büffelte die Grundlagen, bevor er an der Seite von José Mourinho und Carlo Ancelotti die Kniffe und Tricks des Metiers erlernte. Doch er konnte nicht ewig im Schatten bleiben: So beschloss Zizou, als Trainer des Reserve-Teams der Königlichen, Real Madrid Castilla, auf eigenen Füßen zu stehen.

Erste Bilanz: Zidane scheiterte am Ziel, sein Team von der dritten in die zweite Liga zu führen. Diese erste Aufgabe sollte er, die Ergebnisse betreffend, als misslungen ansehen. Doch bezüglich der gesammelten Erfahrungen fiel die Bilanz positiv aus. Seinen Präsidenten Florentino Perez interessierte nur der zweite Teil. Im Januar 2016 vertraute er ihm die erste Mannschaft an.

Erfahrungsbericht: "Es war eine unglaubliche Gelegenheit, direkt von einer Legende des Fussballs zu lernen. Viele Leute sagen, dass er keine Erfahrung hat, aber für einen Spieler ist ein Trainer, der so viele Dinge erlebt hat und das Spiel so gut versteht, sehr wichtig." - Diego Llorente, Verteidiger von Real Sociedad und ehemaliger Spieler von Real Madrid Castilla, im Gespräch mit FIFA.com.

In eigenen Worten: "Ich habe den Fussball nicht erfunden und will einfach nur mein Können einbringen." - Zinedine Zidane bei seiner Amtsübernahme bei Real Madrid Castilla