• Sport 4 Life UK ist in Birmingham ansässig
  • Sport dient als Hilfsmittel zur Verbesserung der beruflichen Chancen junger Menschen
  • Die Organisation wird vom Football-for-Hope-Programm der FIFA unterstützt

"Als wir herkamen, hatten wir nicht viele Freunde, aber jetzt wohl. Wir genießen es, hier Fussball zu spielen."

Das Grinsen, das sich während dieser Worte auf den Gesichtern der beiden Zwillinge breit macht, strahlt auf den ganzen Raum aus. Während ein heftiger Regenschauer auf den Sportkomplex im englischen Birmingham niederprasselt, haben Mohammed und Hussain und FIFA.com Zuflucht in einem Umkleideraum gesucht. Das Lächeln auf den Gesichtern der beiden 17-Jährigen lässt nicht erahnen, was sie durchgemacht haben.

Sie wurden aus ihrem Heimatort in Afghanistan vertrieben, nachdem dort viele Familienmitglieder und Nachbarn durch den andauernden Konflikt ums Leben gekommen waren. Auf der Suche nach Sicherheit mussten sie ihre Mutter und viele andere ihnen nahestehende Menschen zurücklassen. Nachdem sie sich durch Europa durchgeschlagen hatten, landeten sie mit 14 Jahren im berüchtigten "Dschungel" von Calais.

"Es war eine sehr schwere Zeit dort", so Mohammed. "Aber auch in Calais haben wir mit unseren Freunden Fussball gespielt. Es hat uns geholfen, in dieser schweren Zeit Fussball zu spielen."

Nach mehr als zwei Jahren in Calais gelangten die beiden unabhängig voneinander nach Großbritannien.

"Wir waren nicht die ganze Zeit zusammen", so Mohammed mit einem breiten Lächeln in Richtung Hussain, wobei man ihm die Freude über die Anwesenheit seines Bruders ansieht. "Nach Calais waren wir zwei, drei Monate getrennt. Kontakt hatten wir nur ab und zu per Telefon. Ich war sehr besorgt, denn ich war schon in Großbritannien und er steckte immer noch in Calais fest."

Schließlich kamen die beiden wieder zusammen und leben nun bei einer Pflegefamilie in Birmingham. Seit sie nach Birmingham kamen, besuchen die beiden regelmäßig diese Sportanlage und nehmen an Fussballeinheiten von Sport 4 Life UK teil, einer Hilfsorganisation, die unter Einbeziehung des Fussballs die Lebenskompetenz und die berufliche Vermittelbarkeit junger Menschen verbessert. Trotz des strömenden Regens spielen draußen mehr als 70 Flüchtlinge und Asylbewerber verschiedener Religionen aus aller Herren Länder mit unterschiedlichster Herkunft gemeinsam Fussball.

Mark Aaron, Koordinator für Beschäftigung und Schulung bei Sport 4 Life, arbeitet seit der ersten Fussballeinheit mit den Zwillingen zusammen.

"Die beiden haben in ihrem kurzen Leben schon viel Schlimmes gesehen", so Aaron. "Sie strandeten im "Dschungel", diesem berüchtigten Schmelztiegel voller Hass. Das war ganz bestimmt nicht der schönste oder sicherste Ort. Die Jungs haben große Hoffnungen und Ambitionen. und ich traue ihnen zu, dass sie ihre Ziele erreichen. Sie wollen ihre Familie stolz machen.

"Die Jungs kommen wortwörtlich von der Straße weg, das ist eine der Auswirkungen dieser Fussball-Trainingseinheiten", so Aaron weiter. "Hier werden alle einbezogen und außerdem ist es sicher. Das ist wichtig, nicht nur für diese beiden jungen Männer hier, sondern auch für die gesamte Umgebung."

Auch Stuart Bates ist Koordinator für Beschäftigung und Schulung. Genau wie Aaron führt er nicht nur Fussball-Trainingseinheiten durch, sondern motiviert die Teilnehmer, sich in die Gesellschaft zu integrieren und dabei Führungsfähigkeiten zu entwickeln und möglicherweise auch ein Aus- oder Weiterbildung anzustreben.

"Der freie Zugang zu dieser Anlage eröffnet ihnen die Möglichkeit, Freunde zu finden und Beziehungen aufzubauen", so Bates. "Sport 4 Life nutzt Anlagen vor Ort, um Flüchtlinge und Asylbewerber zu integrieren und ihnen eine positive Einstellung zum Umfeld vor Ort zu vermitteln. Fussball ist eine universelle Sprache und macht die Kommunikation leichter."

Tom Clarke-Forrest gründete Sport 4 Life UK im Jahr 2006 mit dem Ziel, jungen Menschen im Alter von 12 bis 25 mit Hilfe von Sport und Fussball eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

"Wir bieten ein breites Spektrum an Aktivitäten an", erläutert Clarke-Forrest. "Dazu gehören strukturierte Sporteinheiten, anerkannte Qualifikationsmaßnahmen und individuelle Fördergespräche. Damit wollen wir jungen Menschen etwas Unterstützung bieten, damit sie in Zukunft nicht arbeitslos werden.

"Die FIFA stellt uns über das Programm Football For Hope finanzielle Mittel zur Verfügung, damit wir die bestehenden Programme weiterführen und in neue Bereiche expandieren können."

Wie wirkt sich dies alles für Mohammed und Hussain aus? Sie haben jetzt eine über Sport 4 Life UK erworbene "Leadership"-Qualifikation und wollen ihre Situation weiter verbessern.

"Ich möchte meine Ausbildung fortsetzen und auf die Universität gehen", so Mohammed. "Ich will Politik studieren."

"Wenn ich kein Fussballer werden kann?" Hussain grinst erneut, antwortet dann aber ernsthaft und konzentriert: "Ich würde gern Arzt werden."

Mit etwas Glück stehen die beiden also vor einer positiven Zukunft – unendlich weit entfernt vom Konflikt in Afghanistan. Von ihrer Mutter haben sie seit dem vergangenen Jahr nichts mehr gehört. Ganz sicher wäre sie stolz auf die Botschaft, die beide bei den Fussball-Einheiten an die Mitspieler weitergeben:

"Ich sage, gib niemals die Hoffnung auf", so Hussain auf die Frage, welche Botschaft er für die Welt hat.

"Versuche, deinen Traum wahr zu machen."

Sport 4 Life UK: Einige Kennzahlen aus dem vergangenen Jahr

721 junge Menschen nahmen an den Programmen teil

226 Qualifikationsmaßnahmen wurden abgeschlossen

88 Prozent der Teilnehmer am TEENS-Programm (für 12-16-Jährige aus gesellschaftlichen Randgruppen) zeigen Verbesserungen im Verhalten

66 Prozent der Teilnehmer am NEETS-Programm (ohne Beschäftigung, Schulung oder Weiterbildung) gelang der (Wieder-)Einstieg in Beschäftigung, Schulung oder Weiterbildung.

Dieser Artikel gehört zu einer Reihe, in der FIFA.com fortlaufend über Nichtregierungsorganisationen berichtet, die im Rahmen von Football for Hope aktiv sind, der globalen FIFA-Initiative zur Verbesserung der Lebensumstände junger Menschen durch Fussball.