In Manchester, einer Stadt mit Kultstatus im Weltfussball, wurde anlässlich der Veranstaltung Soccerex Global Convention die erste FIFA-Auszeichnung für Vielfalt verliehen. Dabei erhielt die indische Organisation Slum Soccer die Auszeichnung für herausragende Arbeit zur Förderung von Vielfalt und gegen Diskriminierung im Fussball.

Slum Soccer wurde von einer Jury aus elf ausgewiesenen und international anerkannten Antidiskriminierungsexperten ausgewählt, zu der unter anderem Abby Wambach, Moya Dodd, Piara Powar und Tokyo Sexwale gehörten. Dabei setzte sich die indische Organisation gegen andere herausragende Initiativen wie Kick It Out und die International Gay and Lesbian Football Association (IGLFA) durch.

Bei dem Festakt, der von der aus Manchester stammenden CNN-Moderatorin Amanda Davies moderiert wurde, überreichte FIFA-Generalsekretärin Fatma Samoura persönlich die Trophäe, begleitet von zwei Mitgliedern der Jury "11 für Vielfalt", nämlich Thomas Hitzlsperger, ehemaliger Spielführer der deutschen Nationalelf, sowie FIFA-Legende und viermaliger UEFA-Champions-League-Gewinner Clarence Seedorf.

Nach einem Tag, an dem der Fussball im Manchester Central Convention Complex im Mittelpunkt stand, wurde im Rahmen der Zeremonie auch nachdenklich über die Vielfalt im Sport diskutiert. Dabei verwies man besonders auf die besondere Fähigkeit dieser wunderbaren Sportart, Diskriminierung in allen ihren Facetten zu bekämpfen.

"Ich war begeistert, als ich von der FIFA hörte, was man geplant hatte und dass ich Teil der Jury '11 für Vielfalt' sein sollte", sagte Hitzlsperger, 52-maliger deutscher Nationalspieler. "Alle drei Finalisten haben fantastische Arbeit geleistet. Sie zeigen großes Engagement und benutzen den Fussball als Mittel, um Menschen zusammenzubringen und Barrieren zu überwinden.

"Was mich bei den Finalisten am stärksten beeindruckt hat, war der Wille, immer weiter zu machen, Hindernisse zu überwinden und niemals aufzugeben."

"Fussball besitzt die Macht, Menschen zu vereinigen und der Welt zu zeigen, wie uns der Fussball verbindet", sagte Clarence Seedorf, niederländische Legende und ebenfalls Jury-Mitglied. "Wir müssen mit gutem Beispiel vorangehen, und genau das tut die FIFA. So stehen wir vereint im Kampf für eine bessere und vielfältigere Zukunft.

Zu den Finalisten sagte der ehemalige Star von Real Madrid und dem AC Mailand: "Beeindruckend ist die Auswirkung ihrer Arbeit auf die Gemeinschaft und auch auf die nächsten Generationen, die so viel davon lernen. Ich möchte den Organisationen zu der tollen Arbeit, die sie leisten, gratulieren."

"Es ist wichtig, anzuerkennen, dass diese Leute tagtäglich Großartiges leisten und dazu beitragen, die Welt noch vielfältiger zu machen."

Leben verändern
Slum Soccer, das den Fussball als Instrument der sozialen Selbstbestimmung verwendet, um rassen-, religions-, sprach- und geschlechtsspezifische Barrieren zu überwinden, fördert die Entwicklung der am stärksten ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen in Indien und widmet sich der Bekämpfung der Obdachlosigkeit und der Verbesserung der Lebensbedingungen in benachteiligten Gebieten. Die Organisation konzentriert sich dabei auf den Aufbau autarker Gemeinden, und so haben in den vergangenen zehn Jahren nicht weniger als 70.000 Männer, Frauen und Kinder von den Schulungen zu Lebensgrundlagen, Gesundheits-Workshops und anderen Angeboten profitiert.

Slum Soccer wurde, ebenso wie IGLFA und Kick It Out, aus einer engeren Auswahlliste von 100 Organisationen aus aller Welt ausgewählt und erhielt erstmals die Auszeichnung für das unermüdliche Engagement zur Förderung der Vielfalt.

"In den vergangenen 14 Jahren hat Slum Soccer in erster Linie mit sozial ausgegrenzten Jugendlichen gearbeitet. Dabei verwenden wir den Fussball, um wieder in Kontakt mit ihnen zu treten", erzählt Abhijeet Barse, der die Auszeichnung für die Organisation entgegennahm. "Die meisten Teilnehmer stammen aus äußerst marginalisierten Gebieten und wir wollen dafür sorgen, dass sie wieder in die Gesellschaft integriert werden."

"Über den Fussball bieten wir ihnen eine Plattform und treten mit ihnen in Kontakt, um sie langsam wieder in die Gesellschaft zurückzuführen. Sobald man ihre Aufmerksamkeit über den Fussball gewonnen hat, ist es leichter, zu ihnen durchzudringen. Die Auszeichnung vermittelt uns das Gefühl, dass wir diese Menschen mit unserer Arbeit auch erreicht haben."

Die inspirierende Arbeit der anderen Finalisten IGLFA und Kick It Out wurde ebenfalls mit Auszeichnungen gewürdigt, die auf der Bühne von Seedorf und Hitzlsperger als Mitglieder der Jury "11 für Vielfalt" übergeben wurden.

"Kick It Out hat etwas mit Erziehung und der Arbeit mit jedem einzelnen Aspekt des Spiels zu tun – von der Basis bis zu den Profivereinen", erklärt Roisin Wood. "Wir konzentrieren uns auf jede Facette des Spiels und versuchen zu zeigen, was Vielfalt wirklich bedeutet. Fussball hat Macht und ist ein wichtiges Instrument, das wir einsetzen, um mit Menschen in Kontakt zu treten."

"Ich glaube, das haben wir heute deutlich zeigen können. Ich habe mit dem FIFA-Team für Nachhaltigkeit und Vielfalt gesprochen und fühle mich in dem bestätigt, was ich über Integration und Vielfalt denke." 

"Die IGLFA widmet sich zwei Aufgaben", erklärt Ben Briggs. "Zum einen organisieren wir seit über 25 Jahren Turniere auf der ganzen Welt und arbeiten mit über 100 Teams zusammen, um LGBT-Sportlern, die gemeinsam unter dem Grundsatz der Gleichheit für alle Fussball spielen möchten, einen sicheren Raum zu bieten.

"Zum anderen konzentrieren wir uns auf Spieler und Mannschaften in den Teilen der Welt, in denen es nicht akzeptiert wird, dass man so ist wie man ist, in denen die persönliche Sicherheit bedroht und Verfolgung an der Tagesordnung ist."

"Fussball ist ein Massenphänomen, das auch Spiegelbild der Gesellschaft ist. Es gibt also auch hier Probleme mit Homophobie und Diskriminierung. Aber wir machen Fortschritte bei unserem Kampf für die Ausrottung der Homophobie."

Jury-Mitglied Hitzlsperger merkte noch an: "Es ist das erste Mal, dass diese Auszeichnung vergeben wird, und ich hoffe, dass noch viele weitere nachfolgen werden. Die FIFA ist das leitende Organ des Weltfussballs. Menschen blicken zu ihr auf und wenn sie erfahren, dass wir Menschen für ihre Vielfalt auszeichnen, dann ist das eine klare Aussage, und ich bin glücklich, Teil davon zu sein."