Der 14. Juli 2007 war ein schwarzer Tag in der Geschichte der argentinischen Nationalmannschaft. Man verlor nicht nur das Finale der Copa América klar gegen Brasilien, sondern musste auch den Abschied von Roberto Ayala hinnehmen. Der Spielführer, der über zehn Jahre lang eine Schlüsselrolle gespielt hatte, verabschiedete sich mit einem Eigentor.
Seitdem ist in Argentinien viel über den Mangel an Optionen für die Nachfolge des gegenwärtig bei Saragossa unter Vertrag stehenden Ayala spekuliert worden. Es gab Umfragen, Diskussionen und Zeitungsartikel zu diesem Thema, das ganz offensichtlich die Medien und die Fans sehr beschäftigte. Dabei war die Lösung für das Problem so einfach: Martín Demichelis, Ex-Spieler von River Plate und gegenwärtig zentraler Defensivmann beim FC Bayern München. Er wurde von Alfio Basile dazu auserkoren, die von Ayala hinterlassene Lücke zu schließen.
Der aus Cordoba stammende Spieler wurde seiner Aufgabe mehr als gerecht. Bei seinem Debüt unter Basile im Freundschaftsspiel vom 11. September gegen Australien erzielte er das einzige Tor. Wenige Wochen später zeigte er erneut eine starke Leistung und trug mit dazu bei, dass die Argentinier in ihren ersten beiden Spielen der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ keinen Gegentreffer kassierten. All das nur etwas mehr als ein Jahr, nachdem José Pekerman verkündet hatte, dass er nicht im Kader für Deutschland 2006 stehen würde.
"Ich schaue nach vorne"
Spricht man von der erfolgreichen Gegenwart in der
Nationalmannschaft, ist ein Blick zurück auf die große
Enttäuschung, die es für ihn bedeutet hat, nicht im Kader für die
Weltmeisterschaft des vergangenen Jahres zu stehen, unvermeidlich.
Doch Demichelis, von
FIFA.com dazu befragt, blickt lieber nach vorne:
"Das ist ein Thema, über das ich nicht gerne spreche. Das ist
Vergangenheit. Ich habe schon viel darüber gesagt. Natürlich war es
sehr schmerzhaft. Aber jetzt möchte ich von Tag zu Tag denken und
mich darüber freuen, wie gut es im Augenblick läuft. Es bringt doch
nur etwas, wenn man nach vorne schaut", erklärt er.
Die heimischen Medien in seinem Land haben ihn nach den ersten Qualifikationsspielen als die große Entdeckung seines Trainers gepriesen. Micho war sich der Problematik durchaus bewusst: "Für mich waren diese Spiele so eine Art Feuerprobe und nicht nur, weil ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder dabei war. Man hatte mich lange nicht mehr als zentralen Innenverteidiger spielen sehen und mir war klar, dass man meine Auftritte genau beobachten würde. Zum Glück konnte ich eine gute Leistung abliefern. Das habe ich auch dem Vertrauen zu verdanken, das der Trainerstab und auch die Spieler in mich gesetzt haben. Gegen Chile wäre wohl noch etwas mehr drin gewesen."
Die Bestätigung
Beim Sieg gegen Chile schaltete Demichelis nicht nur Spieler
wie Humberto Suazo und Marcelo Salas aus, sondern feierte auch ein
Wiedersehen mit dem Stadion, in dem er seine ersten Schritte als
Fussballspieler gemacht hatte. "Es war etwas ganz Besonderes,
in das
Monumental zurückzukehren. Das hat mir Basile auch vor der
ganzen Mannschaft zu verstehen gegeben. Er sagte, dass ich das
Stadion kenne, gewohnt sei, vor so vielen Leuten zu spielen und
dass ich die Unterstützung aller habe. Diese Vertrauensbekundungen
vor der gesamten Mannschaft haben mir viel Selbstbewusstsein
gegeben. Ich werde ihm und auch meinen Mitspielern immer dankbar
dafür sein."
Nach der erfolgreichen Feuertaufe beim Sieg gegen Chile etablierte sich Demichelis mit dem 2:0 in Venezuela am zweiten Spieltag endgültig in der Mannschaft. Er zeigte gute Flanken, die gewohnte Kopfballstärke, leitete gekonnt Angriffe ein und war der beste Spieler auf dem Platz. "Ich glaube, ich war noch lockerer. Aber das ist doch normal, wenn man eine Zeit lang mit der Mannschaft trainiert hat und sich besser versteht. Ich möchte jetzt erst einmal eine ganze Weile dazu gehören, ohne jedoch abzuheben und den Boden unter den Füßen zu verlieren. Was das Spiel am Wochenende gegen Bolivien angeht, so möchten die Leute natürlich einen Kantersieg sehen. Wir müssen aber gelassen bleiben. Wichtig ist es, zu gewinnen, gut zu spielen und sich als Mannschaft weiter zu festigen", erklärt der Spieler, der erneut auf der Position von Roberto Ayala zum Einsatz kommen wird.
Was es für ihn bedeutet, Nachfolger dieses großen Spielers zu sein? "Ich werde nicht in seine Fußstapfen treten. Um so viele Länderspiele wie Roberto zu bestreiten, müsste man schon sehr lange dabei sein. Wie bereits erwähnt, möchte ich das alles Spiel für Spiel genießen und dieser Mannschaft und denjenigen, die ihr Vertrauen in mich gesetzt haben, so viel wie möglich zurückgeben."
