Gastgeber Italien trauert – Deutschland feiert

Ein enttäuschendes Turnier mit zu viel Defensivfussball und zu vielen Spielen, die erst durch Elfmeterschießen entschieden wurden. Das Finale zwischen Deutschland und Argentinien war das wohl uninteressanteste Endspiel in der gesamten Geschichte der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft ™. Auch dieses Spiel wurde erst durch einen späten Elfmeter entschieden, den Andreas Brehme für Deutschland verwandelte. Die Argentinier waren die erste Mannschaft, die im Endspiel kein Tor erzielte - und außerdem war es auch das erste Mal, das eine Mannschaft gleich zwei Spieler durch Rote Karten verlor. Gastgeber Italien startete vielversprechend, unterlag dann jedoch im Halbfinale gegen Argentinien. Deutschland setzte sich im zweiten Halbfinale im Elfmeterschießen gegen England durch.

Die Weltmeisterschaft 1990 war der Höhepunkt der Karriere von Roger Milla. Mit 38 hatte er eigentlich seine Karriere bereits hinter sich und spielte für den Verein JS Saint-Pierroise, eine kleine Mannschaft auf der Insel Reunion. Für die WM kehrte er jedoch in die Nationalmannschaft Kameruns zurück und er hinterließ einen denkwürdigen Eindruck bei dem Turnier in Italien. Milla schaffte es mit den Kameruner Löwen bis ins Viertelfinale.

Dritter Titelgewinn für Deutschland

Nach der WM in Mexiko 1986 fand die 14. FIFA Fussball-Weltmeisterschaft wieder in Europa statt: Italien, selbst eine Fussball-Großmacht, scheute keine Kosten, um das Turnier zu einem großen Erfolg zu machen. Zehn der zwölf WM-Stadien wurden vollständig umgebaut und modernisiert, während die restlichen zwei (in Turin und Bari) sogar für die WM vollständig neu errichtet wurden.

Die WM in Italien bleibt vor allem wegen Milla, Schillaci und Goycochea im Gedächtnis. Am Ende allerdings gelang Deutschland der dritte Titelgewinn. Damit stieg Deutschland in den erlauchten Kreis von Italien und Brasilien auf, der zwei anderem Mannschaften, die bereits drei Mal Weltmeister waren.

An der Qualifikation für das Turnier in Italien hatten zwar weniger Mannschaften teilgenommen, als 1986 (112 nach 121), aber das Erreichen der Endrunde wurde dadurch nicht leichter. Dänemark, Portugal und selbst Frankreich, immerhin Halbfinalist in Mexiko 1986, konnten sich nicht für die Endrunde qualifizieren. Es half den Franzosen auch nicht, dass sie den legendären Michel Platini als Ersatz für den früheren Trainer Henri Michel geholt hatten.

In der ersten Finalrunde lief nahezu alles wie erwartet, eine Ausnahme bildete lediglich die Mannschaft von Costa Rica, die bei ihrer ersten Teilnahme an einer WM-Endrunde gleich bis in die Runde der letzten 16 vorstieß. Es waren vielmehr drei Einzelspieler, die die Herzen der Fans höher schlagen ließen: Roger Milla, Salvatore Schillaci und der argentinische Schlussmann Sergio Goycochea.

Milla, der für das Turnier aus der "Pensionierung" in die Kameruner Nationalmannschaft zurück gekehrt war, wurde durch seinen Treffer gegen Rumänien mit 38 Jahren und 20 Tagen der älteste Spieler, der je bei einer WM ein Tor erzielt hat. Er selbst erhöhte diesen Rekord vier Jahre später bei der WM in den USA noch. Im Viertelfinale wenige Tage später allerdings war der Weg für den alten Löwen und seine Mannschaftskameraden zu Ende: nachdem die Afrikaner noch 10 Minuten vor Spielende mit 2:1 gegen England geführt hatten, unterlagen sie am Ende doch noch mit 2:3. Die starke Leistung Kameruns und die ebenfalls bemerkenswerten Auftritte der Ägypter blieben nicht ohne Wirkung: zur nächsten Weltmeisterschaft durfte der Afrikanische Verband drei Mannschaften entsenden, statt wie bislang zwei.

Zu Beginn des Turniers war ein Mann aus der Elf der Azzurri nahezu völlig unbekannt: Salvatore "Toto" Schillaci. Die Italiener zeigten zwar unterhaltsamen Fußball, konnten wegen der latenten Sturmschwäche jedoch selten Nutzen daraus ziehen. Der 25-jährige Schillaci von Juventus Turin präsentierte sich in der Form seines Lebens, und nur ihm und seinen sechs Toren (Torschützenkönig des Turniers) war es zu verdanken, dass Italien bis ins Halbfinale kam. Hier schied die Squadra Azzurra gegen Argentinien aus, nachdem die Mannschaft insgesamt nur zwei Gegentore in sieben Spielen zugelassen hatte.

Dabei war es der argentinische Torhüter, der den Italienern mehr als ein Mal den Erfolg verwehrte: Sergio Goycochea war als Ersatzmann für den Stammtorhüter Nery Pumpido in die Mannschaft gerutscht, nachdem Pumpido einen doppelten Schienbeinbruch erlitten hatte. Der Schlussmann einer wenig begeisternden aber höchst effektiven argentinischen Mannschaft war mit seinen überragenden Leistungen der entscheidende Faktor im Achtelfinalspiel gegen Brasilien, ebenso wie beim Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Jugoslawien und schließlich im Halbfinale gegen Italien.

Allerdings war auch Goycochea machtlos gegen den sehr umstrittenen Elfmeter, den der mexikanische Schiedsrichter im Endspiel den Deutschen zusprach. Dennoch war Deutschland nach Siegen über Jugoslawien (4:1), die Niederlande (2:1), die Tschechoslowakei (1:0) und England (1:1, dann 4:3 im Elfmeterschießen) ein würdiger Titelträger. Unter der Leitung von Franz Beckenbauer, der Deutschland 1974 als Kapitän zum Titelgewinn im eigenen Land geführt hatte, fanden sich in der deutschen Mannschaft Spieler mit so klangvollen Namen wie Matthäus, Brehme, Völler, Klinsmann, Kohler und Hässler. Somit gehörte nun auch Deutschland, ebenso wie Italien und Brasilien, zu den Teams, die bereits drei Mal Weltmeister waren.