Blatter: "Fussball soll die Menschen zusammenbringen"

Lionel Messi, Abby Wambach, Vicente del Bosque, Pia Sundhage, Miroslav Stoch und Franz Beckenbauer waren die Gewinner der individuellen Auszeichnungen bei der Gala FIFA Ballon d’Or. Sie waren indes nicht die einzigen Menschen, die von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter mit Lob bedacht wurden, als er sich während der Gala an das Publikum wandte.

Kevin-Prince Boateng verließ kürzlich mit seinen Teamkameraden vom AC Mailand das Spielfeld, als er bei einem Testspiel bei Pro Patria zur Zielscheibe rassistischer Schmähungen wurde. Blatter begrüßte den Mut des Mittelfeldspielers, obwohl er warnend ergänzte, dass eine Lösung gefunden werden müsse, um vergleichbare Zwischenfälle in Zukunft zu vermeiden.

Der FIFA-Präsident sagte: "Wenn ein Spieler vom Feld geht, weil er rassistisch beleidigt wurde wie Kevin-Prince Boateng, ist dies ein starkes und mutiges Signal. Es ist eine Art zu sagen: 'Bis hierhin und nicht weiter.' Das ist lobenswert."

"Doch es kann nicht die Lösung für die Zukunft sein. Wir müssen andere, nachhaltige Lösungen finden, um das Problem an der Wurzel zu packen. Andernfalls werden solche Stellungnahmen isoliert geschehen und sich in der Hitze der allgemeinen Kontroverse verlieren. Der Fussball darf die Menschen nicht trennen. Der Fussball soll die Menschen zusammenbringen."

Er ist auch eine Quelle der Freude und der Hoffnung für Menschen, die von Konflikten betroffen sind. Tatsächlich haben Regierungen, in deren Ländern es Kriegsgebiete gibt oder gab, den Sport als Mittel benutzt, um ihre Menschen zu einen und zu inspirieren.

Blatter erklärte: "Unser Sport wird selbst an Orten weiter gespielt, in denen das Leben auf schauerliche Weise zum Erliegen gekommen ist, erstickt durch Kriegshandlungen – in Syrien beispielsweise, dessen Nationalmannschaft die westasiatische Meisterschaft im Dezember gewonnen hat und wo der Fussball immer noch praktiziert wird. So war es auch in Bagdad während des Irak-Krieges, wie auch in Libyen und wie auch in Afghanistan. Der Fussball ist die letzte Brücke, wenn die Gesellschaft zusammengebrochen ist, aber er ist auch die erste Brücke, wenn das Leben wieder zu blühen beginnt."

"Dank der Männer und Frauen, die an diesem Abend hier auf der Bühne stehen werden. Ein sehenswerter Pass, ein erstaunlicher Schuss in den Winkel, und die Prüfungen und der Kummer des Alltags sind vergessen, so hart sie auch sein mögen. Fussball ist Hoffnung. Fussball ist Leben."

Viele der Fussballer, auf die sich Blatter bezog, sollten das Zürcher Kongresshaus mit leeren Händen verlassen. Aber der FIFA-Präsident ist dennoch der Meinung, dass sie alle Champions sind.

"Es kann nur einen Sieger geben – man muss akzeptieren, dass manche Menschen gewinnen und andere verlieren müssen", erklärte er. "Ich habe viele Stars kommen und gehen sehen, doch nur diejenigen, die über das Sieger-Gen verfügten, haben wirklich ihre Spur hinterlassen. Wenn ich 'Sieger-Gen' sage, meine ich nicht die Siege, welche diese außergewöhnlichen Talente gefeiert haben. Stattdessen spreche ich über die Qualität, die aus ihnen wahre Champions machte: Und zwar die Fähigkeit, auch eine Niederlage zu akzeptieren."

"Es kommt auf den Respekt, auf Disziplin und Fairplay an. Letztlich ist es einfach, einen Sieg zu feiern, doch viel härter, eine Niederlage mit Würde zu akzeptieren. Dies ist genau der Punkt, in dem sich viele vermeintliche Stars von den wahren Champions unterscheiden, die wir an diesem Abend ehren."

Blatter brachte zum Abschluss seine Zufriedenheit über die Gala FIFA Ballon d’Or zum Ausdruck und betonte die Bedeutung des Vergnügens.

"Der Fussball ist ein großes Spektakel, wie der Film", sagte er. "Heute Abend sind Filmstars und Produzenten anwesend, um zu zeigen, dass der Fussball auch Kultur ist. Was wir heute Abend insgesamt zeigen, ist die Faszination des Fussballs, was er der Welt bringt, und wie er Spielern und Trainern Anerkennung bringt."

"Genieße jeden Tag des Lebens, denn das Morgen kann nur besser werden, wenn du an den Fussball glaubst. Genieße das Spiel, genieße diesen Abend, und das Wichtigste: genieße das Leben."