Die bloße Kenntnis der Spielregeln und Ergebnisse der seit 1930 ausgetragenen FIFA-Weltpokal™-Turniere reicht nicht mehr aus. Heute kennt sich jeder echte Fan ebenfalls mit den Spitznamen im Fussball bestens aus. Nach den Vereinen und Nationalmannschaften beschäftigt sich FIFA.com in diesem Kapitel mit den Spitznamen der Ballkünstler.
Spezialist auf diesem Gebiet sind zweifellos die Brasilianer, die mindestens genauso viele Spitznamen wie herausragende Spieler produzieren. Ehre wem Ehre gebührt. Der beste Spieler aller Zeiten trägt ebenfalls den bekanntesten Spitznamen. Edson Arantes do Nascimento gewann drei Weltmeisterschaften und zeigte einige der schönsten Spielzüge der Welt unter dem Künstlernamen Pelé, dessen Entstehung er selber nicht erklären konnte. Seine ersten internationalen Erfahrungen sammelte er beim FIFA Weltpokal™ Schweden 1958, bei dem er den Spitznamen Schwarze Perle erhielt. Für sein Lebenswerk wurde er jedoch folgerichtig mit dem Titel O Rei (der König) gewürdigt.
Einer seiner Mitspieler bei den Weltmeisterschaften 1958 und 1966 ist ein weiteres großes Idol der Brasilianer. Manoel Francisco dos Santos, genannt Garrincha (brasilianischer Urwaldvogel), begeisterte die Zuschauer mit seinen atemberaubenden Dribblings. Seine Leistungen in der Seleçao brachten ihm den Titel Alegria do Povo (Freude des Volkes) ein.
Ähnlich wie die beiden Legenden der Auriverdes verdanken zahlreiche Spieler ihre Spitznamen den gezeigten Leistungen auf dem Spielfeld. So wurde z.B. Franz Beckenbauer als Spieler 1974 und als Trainer 1990 Weltmeister und ging unter dem Namen Der Kaiser in die Annalen des deutschen Fussballs ein. Großen Anteil an den Erfolgen von Kaiser Franz mit der Nationalmannschaft und dem FC Bayern München hatte ein Ausnahmestürmer. Gerd Müller erzielte 365 Tore in 427 Bundesligaspielen sowie 68 Tore in 62 Spielen mit der Nationalmannschaft. Und so ging er schließlich als Bomber der Nation in die Geschichte ein.
Einige Jahre vor dem Bomber trieb ein Ungar zahlreiche europäische Abwehrreihen zur Verzweiflung. Ferenc Puskas brillierte nicht nur beim ungarischen Militärverein Honved Budapest, sondern hielt auch in der Nationalmannschaft die Zügel fest in der Hand und erhielt in diesem Sinne den Spitznamen Major. Der Ungar verstarb im vergangenen Jahr und hinterließ neben seinem bekannten Spitznamen auch die Erinnerung an seiner großen Leistungen bei seinen zwei Vereinen. Mit Real Madrid gewann er drei Mal den Pokal der Landesmeister und erhielt den Spitznamen Canoncito (kleiner Kanonier).
Unter den zahlreichen geadelten Spielern kann man weiterhin die englischen Könige Eric the King Cantona und King Kenny Dalglish, El Principe (der Prinz) Enzo Francescoli, The Governor (der Gouverneur) Paul Ince, l'Imperatore (der Kaiser) Adriano und den Président (Präsidenten) Laurent Blanc aufführen.
Von Tieren und Menschen
Ähnlich wie bei den Nationalmannschaften ist das Tierreich ebenfalls eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration bei der Vergabe von Spielernamen. In den acht brasilianischen Vereinen, für die er spielte, erhielt der Brasilianer Edmundo den einfachen Spitznamen O Animal (das Tier), während sein Landsmann Julio Baptista wegen seines kompromisslosen Spiels den Namen La Bestia (die Bestie) verliehen bekam, mit dem er beim FC Sevilla und bei Real Madrid glänzte.
Die spanische Meisterschaft gleicht zudem einem echten Zoo. Roberto El Pato (die Ente) Abbondanzieri ist Torhüter bei Getafe, während La Pulga (der Floh) Lionel Messi, El Ratón (die Maus) Ludovic Giuly und El Conejo (der Hase) Javier Saviola im Sturm des FC Barcelona wirbeln.
Vor einigen Jahren kamen in Spanien zudem El Piojo (die Laus) Claudio Lopez und El Buitre (der Geier) Emilio Butraguegno beim FC Valencia bzw. bei Real Madrid zu Ehren. Zu einigen Duellen kam es dagegen leider nicht. So kreuzten sich z.B. nie die Wege der Giraffe Jack Charlton und der legendären Schwarzen Spinne Lev Yashin. In gleicher Weise hätte man nur zu gern gewusst, wie ein Wettstreit zwischen dem nigerianischen Stier Daniel Amokachi und dem argentinischen Matador Mario Kempes ausgegangen wäre.
Neben den Beispielen von Kempes und Messi hat es in Argentinien nie an originellen Namen gemangelt. So flog El Pajaro (der Vogel) Claudio Caniggia bis ins Finale des FIFA Weltpokals™ Italien 1990, und Gabriel Batistuta erhielt den Spitznamen Batigol als erfolgreichster Torjäger der Nationalmannschaft aller Zeiten. Juan Sebastián Verón trägt den Beinamen Brujita (kleiner Hexer) nicht nur wegen seiner magischen Spielweise, sondern auch wegen seines Vaters, der 30 Jahre zuvor für Estudiantes de la Plata spielte und den Spitznamen Bruja (Hexer) trug. Diese Geschichte erinnert an Gonzalo Higuain, der von den Fans von River Plate El Pipita (kleine Pfeife) getauft wurde, in Anlehnung an den Spitznamen seines Vaters Jorge El Pipa (die Pfeife) Higuain.
Goldjunge und die Hand Gottes
In der Hierarchie der argentinischen Spitznamen steht Diego Maradona zweifellos an der Spitze. Während er in seiner Anfangszeit wegen seiner langen Haarpracht noch den wenig rühmlichen Spitznamen Pelusa (Fussel) trug, erhielt er später aufgrund seiner herausragenden Technik den Namen El Pibe de Oro (der Goldjunge). Nach seinen zahlreichen Erfolgen mit der Albiceleste und dem SSC Neapel bekam der Weltmeister von 1986 als bisher einziger Spieler einen Spitznamen im Zusammenhang mit einem Körperteil.
Seinen ersten Treffer im Viertelfinale des FIFA-Weltpokals Mexiko 1986™ erzielte er zur großen Bestürzung der englischen Fans und Spieler mit der Hand, wofür er später den Spitznamen die Hand Gottes erhielt. Wenige Minuten später setzte Maradonna dann an der Mittellinie zu einem unnachahmlichen Slalomlauf durch die englische Hintermannschaft an und bewies der ganzen Welt, dass neben seiner Hand auch sein linker Fuß etwas Göttliches hatte.
Der Brasilianer Ronaldo erhielt als Spieler von Inter Mailand den Spitznamen Il Fenomeno wegen seiner perfekten Ballbehandlung und seiner genialen Dribblings und Geschicklichkeit vor dem Tor. Aufgrund seines genialen linken Fußes erhielt der Turiner Alessandro Del Piero von seinem Vereinspräsidenten Gianni Agnelli den Spitznamen Pinturicchio (Name eines italienischen Renaissance-Malers). Diesen Spitznamen übernahmen in der Folge die Tifosi der Alten Dame. Der Chilene Ivan Zamorano beeindruckte derart mit seiner Kopfballstärke, dass er den Beinamen El Helicóptero (der Hubschrauber) erhielt. Er teilte sich zudem die Kabine bei Real Madrid mit einem anderen Fahrzeug. Die Rede ist von Fernando Hierro, alias La Locomotera (die Lokomotive).
Ein nicht alltäglicher Spitzname
Einige Spieler erhielten ihren Spitznamen zudem aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbilds. So glänzte Fabien Barthez bei Manchester United als Fabulous Fab, wird den französischen Fans aber für alle Zeiten als Divin Chauve (Göttliche Glatze) in Erinnerung bleiben. Der Italiener Fabrizio Ravanelli spielte mit seiner weißen Haarpracht in Italien, Frankreich und England und erhielt dafür den Beinamen Penna Bianca (weiße Feder), während der Spanier Ivan de La Peña seiner Glatze den Spitznamen Little Buddha verdankt.
Aber auch Verniedlichungen sind in aller Welt zu hören. So erhielten u. a. die Publikumslieblinge Jürgen Klinsmann, Michel Platini, Filippo Inzaghi und Ronaldinho die Spitznamen Klinsi, Platoche, Pippo und Ronnie.
Hinter jedem Spitznamen verbirgt sich eine gewisse Verneigung vor dem Spieler, ein Charakterzug, eine körperliche Besonderheit oder eine Auszeichnung. So dienten viele Spitznamen auch dem Vergleich mit berühmten Vorgängern. Hernán Crespo wurde als Nachfolger von Jorge Valdano gesehen und erhielt den Namen Valdanito, während der Rumäne Gheorghe Hagi den durchaus ehrenvollen Spitznamen Karpaten-Maradona erhielt.
Einige Spitznamen stellen indes auch eine große Hypothek dar. In diesem Sinne ist sicher der Brasilianer Zico zu nennen, der mit dem Spitznamen Weißer Pelé geehrt wurde.