Der ehemalige tschechoslowakische Nationalspieler Ivan Hasek, der als Profi bei Sparta Prag, aber auch in Frankreich und Japan aktiv war, bekleidet ein ungewöhnliches Amt: Er ist zugleich Präsident des tschechischen Fussballverbandes und Nationaltrainer.

Während seines Besuchs in der FIFA-Zentrale in Zürich am 28. Juli 2009 führte FIFA.com ein Gespräch mit dem WM-Teilnehmer von Italien 1990.

Ivan Hasek, was ist der Grund Ihres Besuchs bei der FIFA?
Wir besuchen die FIFA, um hinsichtlich der Führung unseres Verbandes von ihren Erfahrungen zu profitieren und zu lernen, wie die FIFA sich um alle Verbände kümmert. Auch wir möchten in Zukunft auf der Grundlage dessen, was uns die FIFA heute gezeigt hat, arbeiten. Bezüglich der Organisation ist sie für uns ein gutes Beispiel.

Welche Ziele haben Sie sich als Verbandspräsident gesetzt?
Zunächst ist es mir wichtig, das Vertrauen aller Parteien des tschechischen Fussballs zu gewinnen, das wäre ein erster Schritt nach vorne. Ich möchte alle daran erinnern, dass wir vor allem deshalb Fussball spielen und im Fussball arbeiten, weil wir diesen Sport lieben. Mein Ziel ist es, dass immer mehr Menschen in der Tschechischen Republik den Fussball lieben lernen.

Sie sind zugleich Verbandspräsident und Nationaltrainer, diese Kombination ist einzigartig. Welche ist die schwierigere Aufgabe?
Solange man gewinnt, sind beide Aufgaben leicht (lacht)! Nein, im Ernst, ich habe an beiden Funktionen Freude. Doch in erster Linie geben wir unser Bestes, um uns für die Weltmeisterschaft 2010 zu qualifizieren, das ist uns sehr wichtig. Ich werde also nicht sehr lange als Nationaltrainer arbeiten. Meine Aufgabe ist es, eine Situation zu retten, die schlecht begonnen hat, und das Team noch zu diesem sportlichen Großereignis zu führen. Das ist eine der Prioritäten des tschechischen Fussballs. Ich möchte, dass wir hinterher in den Spiegel blicken und sagen können, dass wir alles versucht haben, um die Qualifikation noch zu erreichen.

Wir erklären Sie sich den misslungenen Auftakt in der Qualifikation?
Es gab keine Solidarität in der Mannschaft. Wir verfügen über gute Spieler, aber das Kollektiv war nicht stark genug, so einfach ist das. Wir müssen von nun an ein anderes Gesicht zeigen; in jedem Fall ist es dies, was ich den Spielern zu vermitteln versuchen werde. Ich werde nicht nur auf einige Schlüsselakteure setzen, sondern auf die Mannschaft - das ist die Botschaft.

Im September steht Ihnen ausgerechnet gegen die Slowakei eine entscheidende Begegnung bevor!
Dies ist in der Tat ein besonderes Spiel. Im Idealfall würden wir uns natürlich wünschen, dass sich beide Mannschaften für die Weltmeisterschaft qualifizieren können. Wir alle haben Freunde in der Slowakei. Ich habe mit dem jetzigen slowakischen Nationaltrainer, Vladimir Weiss, bei der Weltmeisterschaft 1990 in derselben Mannschaft gespielt. Sie können sich denken, wie das nun ist... Nun stehen wir uns als Gegner gegenüber. Während der Begegnung zählen die alten Zeiten nicht mehr, aber wir sind vor dem Spiel Freunde und werden es auch hinterher noch sein, das ist sicher.

Wie erklären Sie sich, dass die Tschechische Republik bei den großen Turnieren oft Probleme hat?
Schwer zu sagen... 2006 konnten wir endlich eine lange Zeit von 16 Jahren ohne Teilnahme am wichtigsten Wettbewerb beenden. Man muss dazu sagen, dass die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft oft weit schwieriger ist als die für eine Europameisterschaft, beispielsweise. Man muss sehr langfristig planen, es sind Zyklen von vier Jahren. Wenn diese Qualifikation vorüber ist, geht es bereits mit der Vorbereitung auf 2014 los, um dann eine starke Mannschaft zu haben.

Andererseits gehört die Tschechische Republik im Juniorenbereich zu den erfolgreichsten Mannschaften. Die U-20-Auswahl stand bei der Weltmeisterschaft 2007 im Finale, und auch 2009 konnte sich das Team für die Endrunde qualifizieren...
Darüber freue ich mich sehr. Das ist ein sehr positiver Aspekt dieses Jahres 2009. Die Teilnahme an der U-20-Weltmeisterschaft ist aber nichtsdestotrotz etwas Besonderes. Karel Poborsky wird als Exekutivmitglied des Verbandes die Delegation in Ägypten anführen. Ich muss sagen, dass die Klubs gut kollaboriert und ihre Spieler ohne Probleme freigegeben haben. Sie wissen, dass es eine wichtige Sache für den tschechischen Fussball ist.

Wenn wir gerade über den Nachwuchs sprechen - eine der zurzeit größten Entdeckungen ist Tomas Necid, ein Ass der U-20-Mannschaft. Was denken Sie über diesen Spieler?
Tomas Necid? Er spielt bereits in der A-Nationalmannschaft, es ist daher nicht sicher, ob er mit der U-20 nach Ägypten fährt. Er ist sehr begabt, aber ein Spieler alleine macht noch keine Mannschaft aus, so funktioniert das nicht. In Ägypten wird in erster Linie wichtig sein, ein starkes Team zu haben, nicht eine Summe von Einzeltalenten. Für ihn zählt momentan nur, sich bei ZSKA Moskau in der Stammelf durchzusetzen. Die Konkurrenz dort ist sehr hart. Er benötigt Spielpraxis. Einige Spieler, die in Kanada 2007 dabei waren, sind anschließend sofort ins Ausland gegangen. Die Folge ist, dass sie bei ihren Klubs nun nicht mehr Stammspieler sind. Das ist für uns momentan ein sehr großes Problem. In sportlicher Hinsicht war es also nicht unbedingt eine gute Entscheidung...