Große Abenteuer vor kleinen Unterschriften
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Das Transferfenster ist seit Ende Januar 2013 geschlossen, und was von jeder Aktivität in Erinnerung bleibt, ist, dass ein Spieler den Verein wechselt, indem er seine Unterschrift unter einen Vertrag setzt. So einfach scheint ein Transfer über die Bühne zu gehen - doch der Schein trügt. Denn manchmal ist der Weg vom ersten Kontakt bis zur Unterschrift ein wahres Abenteuer. FIFA.com hat einige der kuriosesten Geschichten zusammengetragen.

Wussten Sie zum Beispiel, dass der Weg zum Gipfel manchmal auf einem kleinen Zettel beginnt? Tatsächlich unterschrieb Lionel Messi nach seinen Anfängen bei den Newell’s Old Boys seinen ersten Vertrag mit dem FC Barcelona auf einer Papierserviette. Ende 2000 beeindruckte der kleine Linksfuß im Alter von 13 Jahren den technischen Assistenten des Klubs, Carles Rexach. Dieser hatte zunächst Mühe, die Klubverantwortlichen davon zu überzeugen, einen schmächtigen Jungen mit Wachstumsproblemen zu verpflichten. Leos Vater Jorge und sein Berater Josep Maria Minguella verloren die Geduld und zogen in Erwägung, ihr Wunderkind anderen Klubs anzubieten.

Horacio Gaggioli, ehemaliger Spieler der Newell’s Old Boys, griff als Vermittler ein und versammelte diese Gruppe an einem Tisch in der Bar des Tennis-Clubs Pompeya. Letztlich kam es zu einer Einigung, doch niemand hatte daran gedacht, Papier mitzubringen. Flugs wurden daher die Worte der historischen Verpflichtung auf eine Serviette notiert: "Am 14. Dezember 2000 in Barcelona, in Anwesenheit von Hrn. Minguella und Horacio. Carles Rexach, technischer Assistent des FCB, verpflichtet sich auf eigene Verantwortung und trotz einiger abweichender Meinungen, den Spieler Lionel Messi zu verpflichten, sofern eine finanzielle Vereinbarung gefunden wird." Wenige Wochen später wurde der offizielle Vertrag unterzeichnet. Zwölf Jahre später stehen bei Messi vier FIFA Ballons d’Or im Regal, und dieses ungewöhnliche Dokument, das von Gaggioli sorgsam gehütet wurde, fand bald Einzug in das Museum des FC Barcelona. "Diese Serviette hat für das Museum einen ebenso großen Wert wie die von Joan Gamper unterschriebene Gründungsurkunde des Klubs", schätzte er.

Geschichten aus Madrid

Beim großen Rivalen Real Madrid hingegen ist nicht bekannt, was aus einer anderen Serviette wurde, die um die gleiche Zeit Verwendung fand. In Monaco wurde anlässlich der Gala zur Wahl des FIFA Weltfussballers 2000 der Preisträger, ein gewisser Zinedine Zidane, damals Spielgestalter von Juventus Turin, an denselben Tisch wie Florentino Perez platziert. Der Präsident der Madrilenen, nicht schüchtern, schrieb auf den Rand der Serviette: "Möchtest du für Real Madrid spielen?", und schob sie dem Franzosen zu. Der Weltmeister von 1998, der gerade seinen Vertrag bei der Alten Dame bis 2005 verlängert hatte, signalisierte diskret seine Zustimmung. Die Maschinerie kam ins Rollen, und im Sommer darauf wechselte Zizou für den damaligen Rekordpreis von 73 Millionen Euro zu den Königlichen.

Die Unterschrift des jungen Samuel Eto’o zu bekommen, erwies sich für den Klub aus Madrid als weitaus weniger kostspielig. 1996 startete der erst 15 Jahre alte Stürmer alleine von seinem Heimatland Kamerun aus und landete auf dem Flughafen von Madrid. Das Problem war, dass Eto’o seinen Anschlussflug nach Paris verpasste, und der Führer, der ihn bei seiner Ankunft in Spanien in Empfang nehmen wollte, wartete nicht auf den nächsten Flug. "Mitten im Winter, ohne ein Wort Spanisch zu können, war ich verloren und wusste nicht so recht, was ich tun sollte", erzählte der Torjäger von Anzhi Makhachkala im Rückblick. Doch er war schon damals ein unzähmbarer Löwe und sprach kurzerhand den ersten Dunkelhäutigen an, der seinen Weg kreuzte, und bat ihn, ihn per Bus bis zum Sitz des Klubs zu begleiten.

Kuriositäten aus Frankreich
Dieses Abenteuer erinnert auch an die Ankunft des legendären Maliers Salif Keita, dem 1967 ein Vertrag von AS Saint-Etienne angeboten wurde. Der zukünftige schwarze Panther verließ Mali heimlich und landete auf dem Flughafen von Paris, ohne seine neuen Klubverantwortlichen benachrichtigt zu haben. Da er sich in Frankreich nicht auskannte, rief der Stürmer ein Taxi herbei und bat den Fahrer, ihn zum Stade Geoffroy-Guichard in Saint-Etienne zu fahren – in 500 Kilometer Entfernung! Der Fahrer ließ sich erst überzeugen, als Keita ihm versicherte, dass der Klub für die Fahrt aufkommen würde. Er zahlte es den Verts mit drei Meistertiteln und zwei Pokalsiegen zurück, bevor er zu Olympique Marseille wechselte.

Der südfranzösische Klub wiederum hatte 1950 alle Vorbereitungen getroffen, um den Schweden Gunnar Andersson, der vom dänischen Kjøbenhavns Boldklub kam, am Bahnhof in Empfang zu nehmen. Es war an alles gedacht – außer an eine Entführung! Der Journalist Raymond Gimel wollte sich als Erster einen Exklusivbeitrag über Andersson sichern und nebenbei am Präsidenten von OM, Louis-Bernard Dancausse, rächen. Denn Letzterer war mit seinen Artikeln unzufrieden und hatte ihm den Kontakt zu den Spielern verboten. So sandte der Autor ein Telegramm an den schwedischen Spieler und bat ihn, eine Station früher in Avignon auszusteigen, um ihm eine diskrete Ankunft zu sichern. Der Skandinavier kam der Bitte nach und wurde vom Journalisten um fünf Uhr morgens in ein Hotel geführt, gewährte ihm sein erstes Interview und legte sich daraufhin erst einmal ausgiebig schlafen. Auf dem Bahnsteig im Bahnhof von Marseille wartete unterdessen ungeduldig das Empfangskomitee von OM, das zwischen Besorgnis und Verärgerung schwankte...

Brasilianer im Fokus

Dies kostete zwar eine Menge Zeit, doch immerhin wusste der Schwede, wohin ihn sein Weg führen sollte. Dies schien beim Brasilianer Robinho nicht der Fall zu sein, als er 2008 von Real Madrid zu Manchester City wechselte. "Am letzten Tag des Transfermarkts hat Chelsea ein exzellentes Angebot gemacht, das ich angenommen habe...", ließ der Stürmer bei seiner Präsentation verlauten, bevor ihn ein Journalist korrigierte: "Sie meinen Manchester?" Zu seiner Entlastung sei erwähnt, dass die Blues zuvor alles versucht hatten, um sich seine Dienste zu sichern. So kam es wohl, dass Robinhos Körper am Vortag seines Transfers zwar in Manchester landete, doch er rief aus: "Mit dem Kopf bin ich in Chelsea..."

Zwei andere verwirrte Brasilianer, Marcio Amoroso im Jahr 2006 und Gustavo Nery zwölf Monate zuvor, wussten zwar bei ihrer Ankunft beim Sport Club Corinthians, wo sie unterschrieben hatten. Doch sie hatten offensichtlich vergessen, dass der Klubname recht verbreitet ist und es im Bundesstaat São Paulo acht verschiedene Corinthians gibt. So kam es, dass Ersterer seine Ambitionen zum Ausdruck brachte, mit "Sociedade Esportiva" viele Titel zu gewinnen, während Letzterer seine große Freude äußerte, für den "Futebol Clube" zu spielen – eine Bezeichnung, die gemeinhin mit Palmeiras, dem Erzrivalen des Klubs, in Verbindung gebracht wird...

Verwirrung im Rest der Welt

Einige Jahre zuvor hatte der Deutsche Bernd Schuster seine Schreibutensilien wohl etwas zu oft in die Hand genommen, um ein bisschen überall unterschreiben zu können. Nach seiner Ausbildung beim FC Augsburg hatte der 18 Jahre alte talentierte Mittelfeldspieler bei drei verschiedenen Klubs unterzeichnet! Um zu vermeiden, dass ihm sein Beruf etwas zu arbeitsintensiv gerät, musste er letztlich von seinen Verträgen bei Borussia Mönchengladbach und dem FC Augsburg zurücktreten und entschied sich für den 1. FC Köln. Dort sorgte er für Furore, bevor er zum FC Barcelona wechselte.

Der katalanische Klub wird mit Sicherheit genauestens überprüft haben, dass der blonde Engel nicht noch einmal dieselbe Dummheit begeht. Allein schon, um die schmerzhafte Episode um Alfredo Di Stefano nicht erneut zu erleben. 1953 hatte Barça den Wechsel des argentinischen Genies mit seinem Klub River Plate vereinbart, bevor der Spieler sich ohne Erlaubnis beim FC Millionarios von Bogotá verpflichtete, als die argentinische Meisterschaft ausgesetzt wurde. Gleichzeitig erzielte Real Madrid mit dem kolumbianischen Verein eine Übereinkunft, und so war der blonde Pfeil gleichzeitig Eigentum zweier traditioneller Rivalen.

Es musste erst die FIFA eingreifen, um die Situation zu klären. Der ehemalige Präsident des spanischen Fussballverbands, Armando Muñoz Calero, wurde mit der Aufgabe betraut, den Konflikt beizulegen. Der Vermittler entschied, dass Di Stefano in den Spielzeiten 1953/54 und 1955/56 für Real und 1954/1955 sowie 1956/57 für Barça spielen solle. Eine Entscheidung, welche die Katalanen nicht zufriedenstellte, die ihrem Rivalen letztlich ihre Rechte an dem Spieler weiterverkauften.

Ablösesumme aus Gold
Don Alfredo
sollte später zum besten Spieler in der Geschichte der Königlichen gewählt werden, doch zuvor hatte er bereits die Geschichte der Millonarios von River Plate geprägt. Der Verein aus Buenos Aires verdankt seinen Spitznamen übrigens einem der spektakulärsten Transfers seiner Geschichte. Im Jahr 1932 war der Flügelspieler Barnabé Ferreyra einer der besten Spieler Argentiniens. Sein Verein Tigre weigerte sich beharrlich, sein Juwel abzugeben. Doch dem Angebot der ehrgeizigen Verantwortlichen von River Plate mussten sie schließlich doch nachgeben, denn diese verpflichteten sich, die Ablösesumme in Gold zu bezahlen.

Andere Zeiten, andere Sitten: Acht Jahrzehnte später, 2006, wurde in Rumänien ebenfalls ein Vereinswechsel vereinbart, der nicht in barer Münze, sondern in Naturalien vergolten wurde. Regal Hornia aus der vierten Liga sicherte sich die Dienste von Marius Cioara, Verteidiger des Zweitligisten UT Arad. Der Preis des Transfers: 15 Kilogramm Schweinswürste...