Helden für die Ewigkeit
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Seine Familie war an seiner Seite, die erste Mannschaft war zusammengekommen, und Stars aus allen Teilen der Welt – unter anderem Eric Cantona, Ruud Van Nistelrooij und Dwight Yorke – hatten sich eigens zu diesem Anlass eingefunden. Angesichts des Pomps dieses Events und der mit Stars gespickten Gästeliste hätte man meinen können, es handle sich um Sir Alex Fergusons Abschiedsparty.

Ferguson erhielt jedoch eine Auszeichnung, die trotz seiner unzähligen sportlichen Erfolge zu den größten Ehrerbietungen zählt. "Das ist fantastisch – ich bin sehr stolz", sagte er zur versammelten Menge, nachdem seine Frau Cathy seine Statue vor dem Old-Trafford-Stadion enthüllt hatte. "Normalerweise muss man sterben, bevor man ein Denkmal bekommt, doch anscheinend überlebe ich den Tod!"

Lebende Legenden
Fergusons Aussage sorgte im Publikum für ein Schmunzeln, doch obgleich es üblich ist, eine derartige Auszeichnung erst posthum zu verleihen, gibt es im Fussballsport zahlreiche Ausnahmen von dieser Regel. Erst vor vier Jahren hatte Manchester United auch Denis Law und Bobby Charlton – beide erfreuen sich nach wie vor guter Gesundheit – mit einer Statue geehrt, die sie gemeinsam mit dem dritten Mitglied der "Heiligen Dreifaltigkeit" der Red Devils, George Best, in Jubelpose zeigt. "Das ist mit das Größte, das mir jemals widerfahren ist", hatte Charlton damals gesagt.

Eusebio, ein Rivale und respektierter Gegner aus dieser Zeit, wurde im Estadio da Luz von Benfica Lissabon auf ähnliche Weise geehrt, und genau wie bei seinen Gegenspielern im Endspiel des Europapokals 1968 avancierte auch seine Statue zu einer Touristenattraktion. Auch bei einem Besuch im Stadion von Dynamo Moskau ist ein Foto neben der Bronzeskulptur des großartigen Lev Yashin, die den legendären sowjetischen Torhüter bei einer Parade zeigt, ein absolutes Muss. Auf dem Weg ins neue Wembley-Stadion kommt man an einer majestätischen Darstellung von Bobby Moore vorbei, während die Feyenoord-Legende Coen Moulijn, der von Robin van Persie als "Lionel Messi seiner Zeit" beschrieben wurde, vor dem Rotterdamer Stadion De Kuip zum festen Inventar gehört.

Alfredo di Stefano wird bei Real Madrid auf ähnliche Weise verehrt, obgleich seine Statue – eine Darstellung beim Jubel nach einem großartigen Freistoßtreffer im Halbfinale des Europapokals 1958 – nicht im Bernabéu-Stadion steht, sondern im Trainingszentrum des Weißen Balletts, wo sie als Inspiration für aufstrebende Stars fungieren soll. Doch nicht jeder Verein setzte seinen Helden ein traditionelles Denkmal. Die Ehrerbietung des Hamburger SV an Uwe Seeler besteht zum Beispiel nicht in einer Statue, die ihn in Aktion oder in einer majestätischen Pose zeigt, sondern in einer riesigen, vier Tonnen schweren und 5,30 Meter hohen Bronzeskulptur seines rechten Fußes – Narben und sonstige Details inbegriffen.

Im Jahr 2004 setzte man in Aserbaidschan ein ungewöhnliches Zeichen, als man keinem Spieler, sondern einem Linienrichter ein Denkmal setzte. Tofik Bakhramov wurde in allen Teilen der Welt berühmt – und in Deutschlang gehasst –, als er das umstrittene "Wembley-Tor" von Geoff Hurst im Endspiel der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1966 anerkannte, das den Engländern den Weg zum Titelgewinn eröffnete. Und obwohl er fälschlicherweise oft als "russischer Linienrichter" bezeichnet wird, wurde Bakhramov, dessen Statue in der Hauptstadt Baku zu bewundern ist, von den aserbaidschanischen Behörden zum Aushängeschild der Nation hochstilisiert.

Legenden auf der Trainerbank
Immer öfter werden jedoch auch Manager und Trainer in Stein oder Bronze verewigt. Sir Bobby Robson wurde mit Statuen im Portman-Road-Stadion von Ipswich Town sowie im St James' Park von Newcastle United geehrt, während es Brian Clough – genau wie er es vermutlich gewollt hätte – auf Skulpturen an drei Standorten brachte: im Pride Park von Derby County, im Stadtzentrum von Nottingham sowie in seiner Heimatstadt Middlesbrough. Bill Shankly wacht passenderweise über Anfield, während weiter nördlich im Celtic Park von Glasgow sein guter Freund Jock Stein mit dem Europapokal in der Hand neben Statuen des Gründers der Bhoys, Brother Walfrid, und seinem Lieblingsspieler Jimmy Johnstone posiert.

"Ich freue mich jedes Mal darüber, wenn ich zum Celtic Park gehe", sagte Steins Assistent Sean Fallon, der eng mit Johnstone zusammenarbeitete und aus demselben irischen Bezirk stammt wie Walfrid. "Man hätte keine besseren Männer auswählen können, um zum Ausdruck zu bringen, was diesen Verein so großartig macht – sowohl im Stadion als auch abseits davon."

Racing Club, jener argentinische Verein, der sich bei der Klub-WM ein unvergessliches Duell mit Steins Celtic lieferte, verewigte eine seiner größten Trainerlegenden – Reinaldo Merlo, der die Mannschaft zum ersten Meistertitel seit 35 Jahren geführt hatte – in einer berühmten Pose, in der er versucht, das Unglück abzuwenden. China setzte unterdessen dem ehemaligen Kapitän und Trainer Lee Wai Tong ein Denkmal und enthüllte in Shenyang zuletzt auch ein Monument für den Serben Bora Milutinovic, der die Nationalmannschaft vor zehn Jahren zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Korea/Japan 2002™ geführt hatte.

Haare und Kopfstöße
Während solche Denkmäler oftmals nur den Älteren und – wie Ferguson sagte – den Verstorbenen vorbehalten sind, gibt es auch viele Spieler, die noch während ihrer aktiven Laufbahn geehrt wurden. Die Boca Juniors stellten im Vereinsmuseum neben dem einzigartigen Diego Maradona beispielsweise auch Statuen von Martín Palermo und Juan Román Riquelme auf, während Arsenal London Thierry Henry und Tony Adams vor dem Emirates-Stadion ein Denkmal setzte. Der kolumbianische Künstler Amilkar Ariza schuf im Jahr 2006 in Santas Marta, der Heimatstadt von Carlos Valderrama, eine 6,70 Meter hohe Darstellung von "El Pibe" und verlieh sogar dessen unverkennbarer Haarpracht die richtige Farbe.

Doch ungeachtet der Größe und der Verehrung der Person wird nicht jeder Statue eine angemessene Ehrfurcht entgegengebracht. Die Behörden in Veracruz (Mexiko) mussten im vergangenen Oktober feststellen, dass von der Statue von Hugo Sánchez, die diesen in seiner charakteristischen Seitfallzieher-Pose darstellt, der am Fuß angeschweißte Ball entwendet worden war. Eine Statue des großartigen Pelé ereilte in Salvador im brasilianischen Bundesstaat Bahía ein noch schlimmeres Schicksal, als im Jahr 2007 die Arme samt einer Nachbildung des FIFA WM-Pokals™ abgesägt wurden. Zinedine Zidane hingegen hätte sich bestimmt über eine Skulptur in Paris gefreut, doch seine Freude war vermutlich nicht mehr so groß, als er erfuhr, dass ihn diese Statue im wohl berühmtesten Moment seiner ansonsten ruhmreichen Karriere darstellte – beim Kopfstoß gegen Marco Materazzi.

Während die Statue von Zizou und seinem italienischen Widersacher zweifelsohne Anlass zum Schmunzeln geben sollte, haben andere einen ernsteren Hintergrund. Die Glasgow Rangers zum Beispiel gedachten der Katastrophe im Ibrox Park im Jahr 1971, der 66 Menschenleben zum Opfer fielen, mit einer Statue von John Greig, dem Kapitän der Mannschaft an diesem tragischen Tag. Ein besonders bewegendes Beispiel ist am Trainingsgelände des FC Sevilla zu bewundern, wo Antonio Puerta, der vor fünf Jahren im Alter von nur 22 Jahren verstorben ist, in Bronze verewigt ist.

Die oben genannten Männer unterscheiden sich teils in hohem Ausmaß voneinander – ebenso wie die Denkmäler, die ihnen gesetzt wurden. Doch unabhängig davon, ob es sich um Fergie oder Puerta handelt – die Motivation hinter diesen Statuen bleibt dieselbe: ehren und gedenken.