
Als sich Lionel Messi gerade auf das Olympische Fussballturnier Peking 2008 vorbereitete, bei dem er dann eine herausragende Leistung bot, nahm FIFA.com die Olympischen Spiele zum Anlass, um über Fussballer zu berichten, die aufgrund ihres Talents und ihrer Vielseitigkeit auch in anderen Sportarten als Profi aktiv waren (siehe Link am rechten Seitenrand). Das war vor knapp vier Jahren.
Inzwischen wandte sich Argentiniens Fussball-Legende Gabriel Batistuta dem Polosport zu, während Frankreichs Ex-Nationalspieler Bixente Lizarazu in seiner Gewichtsklasse Europameister im Brasilianischen Jiu-Jitsu wurde und der Spanier Oscar Pereiro, der 2006 die Tour de France gewann, eine zweite Karriere als Fussballer beim spanischen Drittligisten FC Coruxo einschlug. Die Tatsache, dass London 2012 unmittelbar bevorsteht, bietet eine willkommene Gelegenheit, um uns erneut mit einigen dieser außergewöhnlichen Sportkarrieren zu beschäftigen.
In London 2012 mit dabei zu sein, war auch das Ziel des Uruguayers Dario Silva, das dieser gegenüber seinen Fans ausgegeben hatte. Nachdem ihm 2006 infolge eines Autounfalls ein Bein amputiert werden musste, suchte und fand der frühere Schlüsselspieler der Celeste (49 Länderspiele, 15 Tore) schon bald eine neue Herausforderung, um sein Land künftig in einer anderen Sportart zu repräsentieren. "Ich bin ein begeisterter Ruderer, und mein Ziel ist es, in dieser Disziplin in London 2012 an den Start zu gehen. Das ist gleichermaßen ein Versprechen und ein Traum", hatte Silva im Jahr 2009 verkündet. Auch wenn es mit seiner Olympiateilnahme am Ende doch nichts wurde, dafür sah man ihn zuletzt wieder häufiger bei Wohltätigkeits-Spielen auf dem Fussballplatz.
So wie Dario Silva hatte sich einst auch Ricardo Saprissa in anderen Sportarten versucht, vor allem im Feldhockey und im Polo. Und ebenso wie der uruguayische Ex-Nationalspieler hatte auch Saprissa bei Espanyol Barcelona unter Vertrag gestanden, wo er 1929 sogar die Copa del Rey gewinnen konnte. Im Gegensatz zu Silva nahm der aus El Salvador stammende Saprissa an den Olympischen Spielen in einer anderen Disziplin teil. Denn in Paris 1924 startete er für Spanien beim Olympischen Tennisturnier.
Vom Rasen aufs Eis
Im Fall von Ilhan Mansiz waren es indes die Olympischen Winterspiele, die dem Fussball-Profi eine zweite Karriere bescheren sollten. Bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Korea/Japan 2002™ hatte Mansiz die Türkei dank seines Golden Goal in der Partie gegen Senegal ins Halbfinale geschossen. Dennoch entschloss sich Mansiz (21 Länderspiele, 7 Tore) im Jahr 2006, seine Fussballschuhe an den Nagel zu hängen und fortan Schlittschuhe zu tragen. Allem Anschein nach wird er bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sochi (Russland) die türkischen Nationalfarben als Eiskunstläufer vertreten – natürlich in der Hoffnung, vielleicht sogar eine Medaille zu gewinnen.
"Ich habe auch schon mit dem Fussball sehr spät angefangen. Als ich bei einem Klub mit dem Fussballspielen begann, war ich bereits 14 Jahre alt. Wenn man fest entschlossen ist, etwas zu erreichen, und man der Meinung ist, dass man das durch harte Arbeit schaffen kann, ist dies auch möglich, egal wie alt man ist", so der inzwischen 39-jährige Türke, der seine ersten Schritte auf dem Eis 2007 während einer Reality-TV-Show machte.
Der Ex-Profi von Beşiktaş Istanbul ist übrigens nicht der Einzige, der vom Rasenplatz aufs Eis wechselte. Kathrin Lehmann, bis 2010 Nationaltorhüterin (31 Länderspiele) der Schweiz, ist die bislang einzige Frau, die zwei kontinentale Titel in zwei verschiedenen Mannschaftssportarten gewinnen konnte. Bevor sie im Jahr 2009 mit dem FCR Duisburg in der UEFA Champions League der Frauen triumphierte, war sie 2008 mit AIK Europacup-Sieger im Eishockey geworden – und das als Stürmerin! Mit der Eishockey-Nationalmannschaft ihres Landes nahm sie zudem an den Olympischen Winterspielen 2006 und 2010 teil.
Die erst 21-jährige Australierin Ellyse Perry kann für sich in Anspruch nehmen, bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011 einen Treffer erzielt zu haben. Weitaus bekannter ist Perry in ihrer Heimat jedoch als Nationalspielerin der australischen Cricket-Auswahl, der sie 2010 dank ihrer glanzvollen Auftritte zum Weltmeistertitel verhalf. "Ich versuche, so viel wie möglich in beiden Sportarten präsent zu sein", so Perry gegenüber FIFA.com. Und das ist offenbar auch machbar, wie das Beispiel der englischen Brüder Denis und Leslie Compton zeigt. Schließlich waren die beiden fast 25 Jahre in beiden Disziplinen erfolgreich.
Alternative American Football oder Gaelic Football
Deutschlands Ex-Nationalstürmer (drei Länderspiele) Manfred Burgsmüller, der 1988 mit Werder Bremen deutscher Meister wurde, startete als bereits 47-Jähriger eine neue Karriere als American- Football-Spieler. Mit Axel Kruse und Ingo Anderbrügge folgten wenig später zwei weitere deutsche Bundesliga-Profis seinem Beispiel. Als er seine aktive Laufbahn beendete, war Burgsmüller mit 52 Jahren zum ältesten Profi-Footballspieler alle Zeiten avanciert.
Lange bevor sich die drei Deutschen in Europa für den American Football entschieden, machte sich der Österreicher Toni Fritsch auf den Weg über den Atlantik, um dort als American-Football-Profi in der U.S.-amerikanischen NFL zu spielen. Nach drei Meistertiteln mit Rapid Wien und neun Länderspieleinsätzen (zwei Treffer) wechselte Fritsch zu den Dallas Cowboys, mit denen er 1972 den Super Bowl gewann.
Nach einer Karriere, in deren Verlauf er drei Mal argentinischer Meister wurde sowie zwei Mal die Copa Libertadores und ein Mal den Interkontinental-Pokal gewann, begann der Argentinier Vicente Pernia eine zweite Karriere als Rennfahrer. Mit Erfolg, wie sein zweiter Platz bei der argentinischen Tourenwagen-Serie Turismo Carretera beweist, was wiederum seine beiden Söhne Lionel (selbst Rennfahrer) und Mariano (Fussballer) mit Stolz erfüllt haben dürfte.
Der Ire Kevin Moran ging den umgekehrten Weg und kam von einer anderen Sportart zum Fussball. Nachdem er sich im Gaelic Football einen Namen gemacht und zwei Mal in Folge (1976 und 1977) den irischen Meistertitel geholt hatte, heuerte Moran 1978 als Verteidiger bei Manchester United an. In der Folge bestritt er 71 Einsätze für die irische Nationalmannschaft und gewann mit den Red Devils zwei Mal (1983 und 1985) den englischen Ligapokal - eine Erfolgsgeschichte, die sich in ähnlicher Form vielleicht bald wiederholen könnte. "Ich denke, dass ich gut genug bin, um bei Manchester United zu spielen. Ich bin schnell, und obwohl ich noch an mir arbeiten muss, auch dafür gerüstet", ließ vor kurzem kein Geringerer als Supersprinter Usain Bolt verlauten.



