Verrückte und bizarre Feierlichkeiten
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In seinem berühmten Werk Der geheimnisvolle Fremde schrieb der U.S.-amerikanische Schriftsteller Mark Twain, dass "die Vernunft und die Freude nicht unter einem Dach leben können". Diese Worte mögen seltsam erscheinen. Doch tatsächlich sind sie näher an der Realität, als man glauben möchte. Dies gilt insbesondere für den Fussball – gemessen an den Freudenausbrüchen, die in schöner Regelmäßigkeit auf große Triumphe folgen.

Die Feierlichkeiten nach Fussballereignissen geraten nicht selten außer Kontrolle. Manchmal nähern sie sich dem Wahnsinn oder dem Grotesken. Manchmal wiederum haben sie eher etwas Komisches. Aber auch wenn manche Festlichkeiten wie bloße Routine wirken können, waren die Ereignisse in der Folge der Titelkrönungen in Italien und England im vergangenen Jahr einzigartig.

Am 15. Mai 2011, als der AC Mailand seinen Meistertitel feierte, erschien Mittelfeldspieler Kevin-Prince Boateng als Michael Jackson verkleidet und legte zur Musik des King of Pop eine kesse Sohle aufs Parkett. Unter anderem kopierte er dessen berühmten Moonwalk.

Boateng hatte versprochen, sich als sein Lieblingssänger zu verkleiden, wenn sein Klub den Titel holen sollte. Seine Tanzeinlage beeindruckte sogar die Fans und italienischen Fernsehzuschauer, die ihn mit dem verstorbenen Star verglichen. Seine Teamkameraden genossen die Vorstellung, und Massimo Ambrosini sagte: "Er macht keine Witze! Wir haben den Titel wirklich verdient!"

Die Einlage Boatengs hat die Fans und seine Teamkameraden mächtig amüsiert. Doch jene des englischen Nationalstürmers Wayne Rooney von Manchester United war noch überraschender. Er rasierte sich die Ziffer 19 in seine Körperbehaarung, wie die Anzahl der Meisterschaften, die sein Klub gewonnen hat, und schickte das Foto über Twitter an seine Mannschaftskollegen. Auf diesen schrägen Einfall antwortete Michael Owen: "Niemand hätte gedacht, dass Waza dieses Foto verschicken würde! Er ist noch viel verrückter als wir glauben."

Titelfeiern in Feindesgebiet
Die uruguayischen Fans werden niemals den historischen Triumph ihrer Celeste bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ 1950 in Brasilien vergessen, als Obdulio Varela und seine Mitstreiter im legendären Maracana-Stadion das Finale gegen die Gastgeber mit 2:1 gewannen.

Dieser historische Sieg wurde von erstaunlichen Freudenszenen begleitet, denn Varela feierte sogar mit den brasilianischen Fans. Dies berichtet das Buch Licht und Schatten des Fussballs des berühmten uruguayischen Schriftstellers Eduardo Galeano.

Valeras Mitspieler Alcides Ghiggia erinnert sich sehr gut an jene Momente: "An einem Tag nach einem Spiel sind wir nach dem Mittagessen alle im Hotel geblieben. Es gab ein Bistro an der nächsten Straßenecke, und Valera beschloss, dort ein Bier zu trinken. Dort erkannten ihn die Brasilianer und skandierten mit ihrem brasilianischen Akzent seinen Namen. Und er wurde ihr Freund. Selbst als die Brasilianer (nach dem verlorenen Finale) weinten, saßen sie beieinander und tranken zusammen. Es war unglaublich."

50 Jahre später ergab es sich, dass die Akteure von Olympique Lyon ihren fünften französischen Meistertitel fern der Heimat in Paris feiern mussten. Am 15. April 2006 verfolgten die Spieler Lyons aufmerksam die Partie zwischen OSC Lille und Girondins Bordeaux, die mit einem Sieg der Nordfranzosen (3:2) endete. Dadurch war Olympique bereits vor Beginn seiner Partie vom 35. Spieltag der Ligue 1 französischer Meister.

Nach dem Schlusspfiff hielt es keinen Spieler von Lyon im Hotel. Sie feierten ihren Titel mit einem Haka, dem rituellen Tanz der Maori – an vorderster Front der Malier Mahamadou Diarra.

Wenn Ungeschicktheit hinzukommt
Wir bleiben in Frankreich, dieses Mal aber in Lille, dessen Fussballklub in der vergangenen Saison das Double aus Meisterschaft und Pokal errang. Der Verteidiger Adil Rami hatte den Fans der Dogues eine Überraschung als Abschiedsgeschenk für ihre Unterstützung versprochen, bevor er nach Valencia wechselte.

Rami erschien bereits zu Beginn der Party mit rot gefärbten Haaren im Kostüm des Klub-Maskottchens Doggy Dog. In dieser Aufmachung tanzte er eine ganze Weile lang mitten im Stadion, bevor er am Mikrofon die Fans und seine Teamkameraden grüßte.

Der ehemalige ägyptische Nationaltorhüter und Schlussmann von Al Ahly, Essam El Hadary, hatte die Angewohnheit, nach jedem gewonnen Titel auf die Querlatte zu klettern und ein Stück Wassermelone zu verspeisen!

Diese Marotte ist vielleicht auf seinen Geburtsort Kafer Al-Batikh in der Region Damiette zurückzuführen, dessen Name wörtlich übersetzt so viel wie "das Dorf der Wassermelone" bedeutet. Auch wenn diese Gemeinde gar nicht für ihre Wassermelonen berühmt ist, hat sich El Hadary mit Sicherheit von diesem Namen inspirieren lassen.

Was die Fans von Real Madrid im vergangenen Jahr bei den Feierlichkeiten nach dem Gewinn des spanischen Pokals erleben mussten, ist zugleich lustig und traurig. Sergio Ramos ließ tatsächlich den Pokal vom Mannschaftsbus fallen, auf dem die Mannschaft durch die Stadt chauffiert wurde, und der die Trophäe unglücklicherweise überrollte!

Dieses Missgeschick war für Ramos indes eine glänzende Gelegenheit, um zu zeigen, dass er Humor besitzt. Über sein Twitter-Konto ließ er mitteilen: "Es handelt sich um ein Missverständnis, die Trophäe ist nicht gefallen. Sie ist vom Bus gesprungen, als sie am Cibeles-Platz ankam und all diese Real-Fans erblickte."

Dies inspirierte offenbar den niederländischen Torhüter Maarten Stekelenburg von Ajax Amsterdam, der nur wenige Tage später in die Fußstapfen des spanischen Nationalverteidigers trat. Wenige Tage nach jenem Zwischenfall ließ der 29-jährige Schlussmann die niederländische Meisterschale ebenfalls vom Bus fallen, mit dem die Mannschaft durch die Stadt fuhr, um diesen seit sechs Jahren herbeigesehnten Titel zu feiern.

Schmerzhafte Feierlichkeiten
Die Devise bei Borussia Dortmund kann noch so sehr "die echte Liebe" lauten. Nach den Feierlichkeiten in diesem Jahr darf nicht verschwiegen werden, wie schmerzhaft die Liebe bisweilen ist. Als die Mannschaft ihre zweite Meisterschaft in Folge feierte, zog sich der Klub-Präsident beim Versuch, einer Bierdusche von Felipe Santana zu entkommen, einen Muskelriss zu.

Doch der Borussia-Präsident war nicht das einzige Opfer dieser Feierlichkeiten, denn nur wenige Tage nach einem Nasenbruch im Training erhielt Kevin Großkreutz einen Schlag auf dieselbe Stelle. Er nahm es mit Humor: "Meine Nase ist völlig zerstört, aber das ist mir egal. Ich spüre die Schmerzen nicht mehr."

Nachdem derselbe Akteur seine Mannschaft ein Jahr zuvor zum Titel geführt hatte, feierte er dies auf ganz und gar andere Weise. Seit Oktober 2011 hatte sich der aufstrebende deutsche Fussballer nicht mehr die Haare schneiden lassen, nachdem er seinen Mannschaftskameraden versprochen hatte, dass er sie bis zum Gewinn des Titel wachsen lassen würde. Als der Erfolg gesichert war, verpassten Santana und Dédé ihrem Teamkollegen mit einer Haarschneidemaschine eine Glatze.

Ihre Meinung zählt
Wir haben von außergewöhnlichen, erstaunlichen und lustigen Feierlichkeiten berichtet. Erinnern Sie sich an besondere Feiern ihrer Lieblingsmannschaft? Schreiben Sie Ihre Meinung, um die Fussballfans auf der ganzen Welt daran teilhaben zu lassen.