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Die deutsche Bundesliga zelebriert in der Saison 2017/2018 ihr 55-jähriges Bestehen und hat mit dem FC Bayern München, der sich bisher 27 Titel auf die Fahnen schreiben darf, einen würdigen Rekordmeister.

Doch auch wenn die Münchener ihre Pokal-Sammlung in Zukunft weiter ausbauen können, so bleibt ihnen doch etwas verwehrt, was man zweifelsohne als die bedeutendste Meisterschaft bezeichnen kann.

Denn es ist so wie in vielen anderen Bereichen auch: Das erste Auto, das erste Kind, der erste Computer oder die erste eigene Wohnung – das "erste Mal" ist immer etwas Besonderes. In diesem Falle geht es um die erste Meisterschaft, über die sich in der Geburtssaison der Bundesliga der 1. FC Köln freuen konnte und damit bereits einen Platz in den Geschichtsbüchern sicher hatte. Dass im folgenden halben Jahrhundert zahlreiche Titel, Tore und auch Tränen hinzukamen, konnte zu diesem Zeitpunkt wohl kaum einer ahnen.

Die Geburtsstunde einer Institution
Schon seit jeher war Köln eine fussballverrückte Stadt, die in verschiedenen Stadtteilen mit ebenbürtigen Klubs aufwarten konnte. Doch getreu der Weisheit "zu viele Köche verderben den Brei", beschlossen der Kölner Ballspiel-Club (KBC) und die Spielvereinigung Sülz am 13. Februar 1948, zum 1. FC Köln zu fusionieren. Heute feiert der Klub seinen 70. Geburtstag.

Wie stolz die Kölner auf ihre Stadt waren, zeigt die Wahl des Wappens sowie die der Vereinsfarben: Zum einen ist das berühmteste Wahrzeichen der Stadt, der Kölner Dom, zu sehen. Auf der anderen Seite wählte man die Farben Rot und Weiß – die Farben der Stadt Köln.

Das Selbstbewusstsein, der beste Klub der Stadt zu werden, schien sich in den nächsten Jahren zu bestätigen. Gerade einmal zwölf Monate nach der Gründung stiegen die Kölner unter Präsident Franz Kremer in die Oberliga West auf [Anm.d.Red.: die regionalen Oberligen waren bis zur Gründung der Bundesliga 1963 die höchsten deutschen Spielklassen], um sich dort in der Folgezeit fünf Mal den Titel sichern zu können.

Die Entstehung einer Legende
1960, 1962 und 1963 erreichten die Kölner jeweils das Finale um die Deutsche Meisterschaft und triumphierten ein Mal (1962).

Mit der Gründung der Bundesliga 1963 sollte sich der 1. FC Köln zum Aushängeschild des deutschen Fussballs entwickeln. So feierten die Domstädter nicht nur die bereits erwähnte erste Meisterschaft überhaupt, sondern zogen im Europapokal der Landesmeister auch erstmals ins Viertelfinale ein.

In vielen Bereichen gehörten die Kölnern schon zu Anfangszeiten der Bundesliga zu den Vorreitern des Landes, unter anderem wurde der Posten des Torwart-Trainers zum bundesweit ersten Mal eingeführt, und die Klubanlagen gehörten zu den modernsten ihrer Zeit.

Doch obwohl die Kölner schon damals erstklassige Voraussetzungen hatten und man in der Liga zumeist zu den Meisterschafts-Anwärtern gehörte, blieb der ganz große Wurf aus. Lediglich ein Triumph im DFB-Pokal 1968 ließ die Domstädter jubeln.

Die Durststrecke mit teilweise großen Abstiegsängsten endete mit dem dritten Engagement von Trainer-Urgestein Hennes Weisweiler. 1977 gelang der erneute Erfolg im Pokal, ein Jahr später folgte sogar das Double.

Bis auf einen weiteren Pokal-Triumph (1983) war bzw. ist den Kölnern bis in die Gegenwart allerdings kein weiterer Titelgewinn mehr vergönnt gewesen. Dennoch war es um die Rheinländer keineswegs ruhig, was sich vor allem auf Achtungserfolge auf dem europäischen Parkett begründete.

1979 stießen die Kölner bis ins Halbfinale des Europapokals der Landesmeister (gegen Englands Meister Nottingham Forest) vor, und nur wenige Monate später gab es den ersten Sieg einer deutschen Mannschaft im Europapokal im Camp Nou beim FC Barcelona zu feiern (4:0), der zugleich auch den Einzug in die Runde der letzten Vier im UEFA-Pokal bedeutete. 1986 schafften die Kölner den Sprung ins Finale, doch war man den Königlichen von Real Madrid dort letztlich nicht gewachsen.

Die Gegenwart
Mit dem WM-Triumph der Deutschen 1990 begann ungefähr auch der Abstieg der Domstädter. Thomas Häßler wurde für die damalige Rekordsumme von 14 Mio. DM (ca. 7 Mio Euro) an Juventus Turin verkauft, 1991 gelang letztmals die Teilnahme am DFB-Pokalfinale.

Ausgerechnet im 50. Jahr der Vereinsgeschichte, 1998, musste das Bundesliga-Gründungsmitglied zum ersten Mal den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Was bis heute folgte, war ein ständiges Auf und Ab zwischen den ersten beiden Ligen, was den Kölnern von Kritikern den ungeliebten Beinamen "Fahrstuhlmannschaft" einbrachte. Immerhin feierten die Kölner in der Saison 2017/18 die Rückkehr nach Europa bzw. in die UEFA Europa League. Dort war allerdings bereits nach der Gruppenphase Endstadion.

Mehr als nur ein Verein
Angesichts von lediglich drei Meisterschaften und vier Pokalsiegen gehört der 1. FC Köln nicht unbedingt zu den erfolgreichsten Klubs der Bundesrepublik Deutschland. Doch die Geißböcke sind mehr als nur ein Verein. Die Domstädter beeindrucken vor allem durch ihre großartige Historie von Spielern, Trainern und ihren einzigartigen Fans.

Da wären zum Beispiel die beiden Nationaltorhüter Harald Toni Schumacher und Bodo Illgner, die bereits als Jugendliche das rot-weiße Trikot überstreiften. Unvergessen ist FIFA-Weltmeister Wolfgang Overath, der von 2004 bis 2011 sogar das Präsidentenamt des Vereins inne hatte. Oder Lukas Prinz Poldi Podolski, der nach einem dreijährigen Gastspiel bei Bayern München 2009 als verlorener Sohn zurückgekehrte, um "seinem FC" zu altem Glanz zu verhelfen. Weitere Stars wie Hans Schäfer, Weltmeister von 1954, Weltmeister 2014, oder Dieter Müller hefteten dem Klub in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder das Prädikat "Weltklasse" an und prägten das Image eines Vorzeigevereins.

Eine andere Geschichte ist die des Maskottchens, das auch im Wappen des Klubs präsent zur Geltung kommt. Der Geißbock "Hennes", benannt nach dem legendären Spieler, Spielertrainer und Trainer Hennes Weisweiler, soll im Rahmen einer Karnevalssitzung 1950 dem Klub als Scherz überreicht worden sein. Doch aus dem Scherz wurde eine Tradition, die bis heute Bestand hat. Inzwischen ist Hennes VIII. in der "Regentschaft" und wie seine Vorgänger bei jedem Heimspiel im Stadion.

Diese außergewöhnliche Liste an Anekdoten, Stars und Kuriositäten ließe sich noch beliebig fortsetzen, denn der 1. FC Köln ist durchaus mehr als nur ein Verein. Seit 2004 können sich Fussball-Fans im klubeigenen Museum, das im Stadion angesiedelt ist, hautnah selbst ein Bild davon machen.

Das Stadion
Seit 1923 hat der 1. FC Köln den gleichen Platz als Heimstätte, allerdings in zwei unterschiedlichen Stadien. Das Müngersdorfer Stadion, das zur WM 1974 erneuert werden sollte, aber erst ein Jahr später fertiggestellt wurde, musste dem modernen RheinEnergieStadion weichen, in dem der Klub seit 2004 seine Heimspiele austrägt und das 2006 auch Austragungsort der FIFA WM war.

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