• Max Kepler aus Berlin spielt als Outfielder für den MLB-Klub Minnesota Twins
  • Er entstammt der Nachwuchakademie von Hertha BSC, wo John Brooks sein Teamkamerad war
  • Der 24-jährige sprach mit FIFA.com über Baseball und Fussball

Europäische Baseballspieler finden nur selten den Weg in die U.S.-amerikanische Profiliga MLB. Noch ungewöhnlicher wird die Geschichte, wenn auch noch ein Klub aus der deutschen Fussball-Bundesliga eine Rolle spielt. Doch Multitalent Max Kepler, der heute als Outfielder für den MLB-Klub (Major League Baseball) Minnesota Twins spielt, war schon während seiner Kindheit in Berlin ein eher ungewöhnlicher Schüler.

Der aufstrebende Baseballstar, der zudem auch noch ein Stipendium der Steffi-Graf-Tennisstiftung hatte, gehörte als Teenager zur Nachwuchsakademie von Hertha BSC Berlin, wo der heutige U.S.-Nationalverteidiger John Brooks zu seinen Teamkameraden zählte.

"Ich habe mit sechs Jahren mit dem Fussball angefangen und gleichzeitig auch zum ersten Mal Baseball gespielt", so Kepler im Gespräch mit FIFA.com. "In Berlin spielen eigentlich alle Kinder Fussball, auch ich. Mit dem Fussball hat man schon von kleinauf viele Berührungspunkte."

Der frühere Torhüter besuchte die John-F.-Kennedy-Schule in Berlin, wo Brooks sein Klassenkamerad war. Der Ex-Star von Hertha BSC Berlin wechselte im Mai zum VfL Wolfsburg. An der deutsch-amerikanischen Bildungseinrichtung konnte Kepler neben Fussball auch Baseball spielen, was er mit ähnlich großer Begeisterung tat. Und wenn er nicht gerade auf dem Baseballfeld stand, bewährte er sich beim Fussball als Torhüter.

"Ich spielte damals beim Fussball als Torhüter. Gleichzeitig betrieb ich aber auch andere Sportarten, Tennis und Baseball", so Kepler, dessen Berliner Akzent nach acht Jahren in den USA kaum noch zu hören ist. "Ich war immer schon sehr sportbegeistert. Ich habe auch im Angriff gespielt, aber letztlich hat man mich ins Tor gestellt."

Kepler erwies sich bei Hertha zwar als durchaus vielversprechendes Talent, doch er entschied sich mit 15 Jahren nicht für Fussball sondern für Baseball, wo er auf eine Profikarriere hoffte. Da er an die Baseball-Akademie in Regensburg an der Donau wechselte, musste er seinen Platz in der Nachwuchsabteilung von Hertha BSC wohl oder übel aufgeben. Letztlich hat sich seine Entscheidung ausgezahlt.

Denn der 1,92 Meter große Kepler fiel schon bald den ersten internationalen Talentspähern auf und konnte kurz darauf einen Vertrag bei den Minnesota Twins unterschreiben – für eine europäische Rekordsumme. Kepler kennt die unterschiedlichen Anforderungen im Fussball und im Baseball und sagt dazu: "Beim Fussball muss man sehr viel laufen und benötigt daher eine gute Kondition. Beim Baseball ist diese Eigenschaft nicht in gleichem Maße erforderlich, wenn man nicht ein gerade ein Pitcher ist. Beim Baseball geht es mehr um kurze, explosive Einsätze, bei denen mehr Agilität gefragt ist. Beim Fussball steht die Ausdauer auch über längere Strecken stärker im Fokus."

Der Weg in die USA
Als Sohn eines polnischen Vaters und einer amerikanischen Mutter, die beide nach Deutschland gekommen waren, um ihren Traum von einer Karriere als Profi-Ballettänzer wahr zu machen, konnte sich Kepler der Unterstützung seiner Eltern sicher sein, als er sich entschloss, auf der anderen Seite des Atlantiks seinen eigenen Traum wahr zu machen. Und so ging er bereits im zarten Alter von 16 Jahren nach Florida, wo er zunächst in einer der Nachwuchsmannschaften der Minnesota Twins spielte. Mit Fleiß, Talent und Entschlossenheit erkämpfte er sich einen Platz im A-Kader des MLB-Teams, bei dem er nun meist in der Startformation steht.

Wie sein früherer Hertha-Teamkamerad Brooks ist auch Kepler mittlerweile daran gewöhnt, im ganzen Land vor mehreren zehntausend Zuschauern zu spielen. Er sieht durchaus Parallelen zwischen den deutschen Fussball- und den amerikanischen Basketballfans.

"Ich denke, die Unterschiede zwischen den Fussballfans in Europa und den Baseballfans in den USA sind gar nicht so groß. Die Fans sind ähnlich verrückt nach ihrem Sport", so der 24-Jährige. "Ich wünschte, sie wären auch in Deutschland so verrückt nach Baseball wie nach Fussball und andersherum. Aber es wird wohl noch eine Zeitlang dauern, bis es so weit ist. Jedenfalls ist der Besuch eines Fussballspiels in Europa ein berauschendes Erlebnis, und genau so ist es in den USA beim Baseball."

Schafft es Kepler denn angesichts des zeitaufwändigen Baseball-Trainings überhaupt noch, ab und zu mit seinen Twins-Teamkameraden auch mal über Fussball zu sprechen?

"Wenn die Weltmeisterschaft läuft, reden natürlich alle darüber, aber abgesehen davon haben wir keine allzu großen Fussballfans [hier bei den Twins]", so Kepler. "Ich verfolge natürlich immer noch, was Hertha BSC Berlin macht, insbesondere wo ja auch John Brooks dort war. Die [Bundesliga-]Spiele laufen allerdings meist, wenn ich beim Training bin, aber die Highlights schaue ich mir eigentlich immer an."