Wenn die Mauern des altehrwürdigen Berliner Olympiastadions sprechen könnten, würde man wahrscheinlich tagelang davor verharren und den Worten aus fast 80 Jahren Geschichte lauschen. Weltkrieg, Olympia, Weltmeisterschaften und zahlreiche Endspiele hat die Arena der deutschen Hauptstadt schon erlebt.

Dabei sind die Anfänge keineswegs mit positiven Erinnerungen verknüpft. Erbaut wurde das Stadion nach Plänen von Werner March für die Olympischen Sommerspiele 1936. Rund 100.000 Menschen fanden Platz - damit gehörte es damals zu den größten weltweit. Es war zugleich eine Machtdemonstration des Dritten Reiches in Deutschland und ist eines der wenigen von den Nationalsozialisten errichteten Gebäude, das die Zerstörungen des Krieges überdauert hat.

Angelehnt an antike Sportstätten, ist das Stadionoval an der Westseite durch eine Öffnung über dem Marathontor unterbrochen, durch welche der Blick auf einen Glockenturm freigegeben wird. Zahlreiche Skulpturen und Plastiken schmückten die Gänge der Arena. Es befindet sich im Olympiapark, zu dem unter anderem auch das Olympia-Schwimmstadion gehören. Das riesige Gelände ist bis heute Schauplatz von Sportgroßveranstaltungen, Open-Air-Konzerten und anderen Events.

Bundesliga-Rekord hält bis heute
Während des Zweiten Weltkrieges dienten die Katakomben das Stadion teilweise als Luftschutzbunker sowie als verborgene Produktionsstätte. Die Schäden hielten sich nach dem Krieg im Rahmen.

Seit 1963, dem Gründungsjahr der Bundesliga, trägt hier der beheimatete Klub Hertha BSC seine Heimspiele aus. Im September 1969 wurde gegen den 1. FC Köln mit 88.075 Zuschauern die höchste Zuschauerzahl in einem Bundesligaspiel erreicht.

Selbstverständlich gehörte das Olympiastadion auch bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 1974™ zu den Austragungsorten, auch wenn man mit lediglich drei Gruppenspielen bedacht wurde und vor allem dem Münchener Olympiastadion den Vortritt lassen musste. Da half auch die Tatsache, dass die Hauptstadt die größte Arena der Endrunde hatte sowie eine neue Teilüberdachung nicht. Immerhin gaben sich die BR Deutschland (1:0 gegen Chile) und die Deutsche Demokratische Republik (1:1 gegen Chile) die Ehre.

Es sollte fast 30 Jahren dauern, ehe aus dem alternden Stätte wieder ein Schmuckstück des modernen Fussballs wurde. Zwischen 2000 und 2004 gab es grundlegende Umbauten und Modernisierungsmaßnahmen. Dies alles natürlich im Hinblick auf die WM 2006, bei der vier Gruppenspiele, das Viertelfinale zwischen Deutschland und Argentinien (5:3 n.E.) sowie das Finale zwischen Italien und Frankreich (6:4 n.E.) dort stattfanden.

Ein weltweit beachtetes Baudenkmal
Dabei wurde die Wettkampffläche abgesenkt und die Tartanbahn um den grünen Rasen in der Vereinsfarbe blau des ansässigen Bundesligisten aufgetragen. Eine der wichtigsten Änderungen war die Überdachung aller 74.244 Plätze. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 242 Millionen Euro. Das Oval von 300 Metern Länge und 230 Metern Breite bietet 74.500 Zuschauern Platz. Die Fassade wie auch das Marathontor, Hauptzugang zum Gebäude, blieben als "historisch" eingestufte Monumente ebenfalls unverändert. Die europäische Fussball-Union verlieh dem Berliner Olympiastadion in Folge dessen den Status eines Fünf-Sterne-Stadions.

"Das neue Berliner Olympiastadion ist eine hochmoderne und multifunktionale Sportstätte für Fussball, Leichtathletik und Unterhaltung. Berlin hat damit sicherlich nicht nur eines der besten Stadien Europas, sondern auch ein weltweit beachtetes Baudenkmal erhalten", lobte der damalige Bundesinnenminister Otto Schily.

Die deutsche Nationalmannschaft hat mehr als 30 Länderspiele im Olympiastadion ausgetragen, darunter das bereits legendäre 4:4-Unentschieden im Oktober 2012 in der WM-Qualifikation, als die DFB-Elf nach einer 4:0-Führung gegen Schweden in der Nachspielzeit den Ausgleich hinnehmen musste. Zum ersten Mal in ihrer 104-jährigen Länderspielgeschichte verspielte eine deutsche Auswahl damit einen Vier-Tore-Vorsprung. 

Doch nicht nur auf Nationalmannschaftsebene kann das Olympiastadion mit zahlreichen Anektdoten aufwarten. Seit 1985 findet dort jährlich das DFB-Pokal-Finale statt und auch das American-Football-Teams Berlin Thunder fand hier jahrelang eine Heimat, 2009 war das Stadion Gastgeber der IAAF-Leichtathletik-Weltmeisterschaften.

Dass die Arena auch weiterhin den modernsten Anforderungen Genüge tut, zeigt sich in der Tatsache, dass sich 2015 die beiden besten europäischen Vereine im Finale der UEFA Champions League-Finale hier gegenüberstehen werden. Für die 80 Jahre Mauern des weiten Rundes wäre dies zweifelsohne eine weitere Geschichte, die sie erzählen würden, wenn sie denn sprechen könnten.