Der Kolumbianer Radamel Falcao muss nicht mehr vorgestellt werden. Der 26-Jährige, der aus den Jugendteams von River Plate hervorgegangen ist, erwies sich gleich in seiner ersten Saison bei Atlético Madrid mit 24 Treffern nicht nur als erfolgreichster Torschütze seines Teams in der spanischen Meisterschaft. Er gewann auch zum zweiten Mal in Folge die UEFA Europa League, nachdem er 2011 mit dem FC Porto triumphierte, und wurde erneut Torschützenkönig des Wettbewerbs.

Von Calí aus, wo er mit Atlético auf Tournee war, sprach Falcao im Exklusiv-Interview mit FIFA.com über seine Gefühle, die Gerüchte über seine Zukunft und die bevorstehenden Qualifikationsspiele seiner Nationalmannschaft.

Mein Beitrag in dieser Saison war gut, aber um sich als Klub-Idol bezeichnen zu können, muss man eine Spur hinterlassen, für die man mehr Zeit braucht. Ich würde sagen, dass ich sehr beliebt bin, aber kein Idol.

Radamel Falcao

Radamel, hätten Sie sich ein solches Saisonfinale träumen lassen, als Sie zu Atlético Madrid kamen? Manche bezeichneten Ihren Wechsel zum spanischen Klub als "Fehler"...
Zu Beginn ja. Ich kam mit großen Hoffnungen an, eine solche Saison zu erleben. Und auch wenn die Dinge zunächst nicht so liefen wie wir es wollten, war ich immer zuversichtlich, dass wir das Finale der Europa League erreichen und es gewinnen können. Am Ende lief es exzellent für die Mannschaft. Und für mich ebenfalls sehr positiv.

Bei der Siegerehrung in Bukarest nach dem Sieg gegen Athletic Bilbao hatten Sie ein besonderes Wiedersehen mit Michel Platini, nicht wahr?
Ja, er scherzte darüber, dass er mir wie im Vorjahr erneut begegnete. Er fragte mich, was ich denn schon wieder hier in der Gegend machte - solche Dinge. Doch ehrlich gesagt - auch wenn es das zweite Mal in Folge ist, dass ich diesen Titel erringe - muss ich zugeben, dass ich sehr verblüfft war. Was hier entstand, ist beeindruckend und lässt mich immer noch nicht los: Die Partys, die Freude in der ganzen Stadt, die Reaktionen und Sympathiebekundungen. Ich habe dafür nichts als Worte der Dankbarkeit.

Fühlen Sie sich als Klub-Idol?
Das ist schwer zu sagen, aber ich denke nicht. Mein Beitrag in dieser Saison war gut, aber um sich als Klub-Idol bezeichnen zu können, muss man eine Spur hinterlassen, für die man mehr Zeit braucht. Ich würde sagen, dass ich sehr beliebt bin, aber kein Idol.

Es scheint unwahrscheinlich, dass Sie mit mehr Zeit rechnen können, um diese Spur zu hinterlassen. Laut den Äußerungen von Diego Simeone nach dem Finale der Europa League...
Ja, ich habe Simeone und die verschiedenen Gerüchte gehört, doch ehrlich gesagt weiß ich nichts darüber. Nun müssen wir den Sommer abwarten und all das, was wir mit dem Klub erreicht haben, genießen. Mehr als zuvor ist es die Zeit, Ruhe zu haben.

In Argentinien, wo Sie viele Jahre gespielt und gelebt haben, gilt es geradezu als Hochverrat, von River Plate zu Boca Juniors zu wechseln oder umgekehrt. Ist es in Spanien dasselbe, wenn man von Atlético zu Real Madrid geht? Wir fragen wegen der Gerüchte über Ihre Zukunft...
Es herrscht eine große Rivalität zwischen diesen zwei Mannschaften, das ist klar. Und ich weiß über einige Fälle von Spielern, die von einem zum anderen wechselten, doch ich bin ehrlich: Ich denke noch nicht über meine Zukunft nach. Direkt nach der Europa League begannen wir die Tour durch Kolumbien und haben daher noch keine Pause gehabt. Ich ziehe es vor, die Gegenwart zu genießen, nichts weiter.

Sprechen wir über Ihr Spiel. Sie haben per Kopf Tore erzielt, mit links, mit rechts, per Fallrückzieher, Seitfallzieher - welche Aspekte können Sie überhaupt noch verbessern?
Ich möchte Freistoßtore erzielen! (lacht) Das ist es, was mir fehlt, und ich werde es versuchen. Das ist auch schon besprochen. Es wird der Moment kommen, an dem ich es versuchen kann. Ich hatte das Glück, in Mannschaften mit hervorragenden Schützen zu spielen, wie etwa Marcelo Gallardo, den ich beobachten konnte. Ich hoffe, dass ich bald meine Chance erhalten werde.

Nicht wenige Beobachter sind der Meinung, dass Ihre Leistungen in Spanien nicht viel geringer als die eines Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo einzuschätzen sind. Wie denken Sie über diese Art von Wertschätzung?
Ich habe viel Lob von zahlreichen Spielern erhalten, das stimmt. Und es bereitet mir Freude, doch daneben stellt es auch eine größere Verantwortung für die Zukunft dar. Es ist eine zusätzliche Motivation, um mich noch mehr zu verbessern und neue Bestmarken anzustreben.

Die Menschen in Kolumbien haben trotz Ihrer Einsätze in der Nationalmannschaft lange warten müssen, um Sie wieder in Aktion sehen zu können. Wie haben Sie diese Tournee bei Ihren Landsleuten erlebt?
Es ist für mich etwas Besonderes, nach dem Gewinn der Europa League wieder in meiner Heimat zu sein. Die Möglichkeit zu haben, einen so speziellen Erfolg mit den kolumbianischen Menschen genießen zu können, ruft viele Gefühle hervor, es sind so viele Dinge. All die Zuneigungsbekundungen, die ich erhalte, haben mich bewegt: Die der Kinder, der Erwachsenen - und alle sagen, dass sie stolz darauf sind, wie ich die kolumbianische Fahne vertrete. Ich bin erstaunt und sehr dankbar.

Können Sie sich vorstellen, in Zukunft in der kolumbianischen Liga zu spielen? Oder wird Sie eine Rückkehr nach Südamerika eher zu River Plate führen?
Wie ich bei Gelegenheit sagte, ist mein unmittelbares Ziel, in Europa zu bleiben und hier eine Spur zu hinterlassen. Man weiß nie, was die Zukunft bringt, doch heute kann ich mir nicht vorstellen, in Kolumbien zu spielen. Bei River ja, denn es ist so: Ich konnte den Klub nicht so genießen, wie ich es gerne getan hätte, denn ich spielte dort in einer sehr schwierigen Zeit. Die Zukunft wird es zeigen, aber wenn Gott so will, werde ich dorthin zurückkehren.

Auch wenn einzelne Spieler ein gewisses Gewicht haben, sind es die Mannschaften, die Klubs und Nationalteams vorwärts bringen. Und Kolumbien hat glücklicherweise eine sehr starke Mannschaft aufgebaut.

Radamel Falcao

Die Fans von River Plate werden sich freuen, das zu lesen. Doch nun zu einem Gerücht über Ihre Kindheit: Stimmt es, dass sie sich einmal die Haare wie Martín Palermo färbten?
Das stimmt! (lacht) Doch es war nur eine Wette, nichts weiter. Es fand ein Sommer-Clásico statt, und wenn River verlieren sollte, war mein Einsatz, mir die Haare wie er färben zu müssen. Seitdem wurden viele Scherze über mich gemacht. Aber ich glaube, dass davon keine Fotos mehr existieren. (lacht erneut)

Sie sprachen eben Diego Simeone an, der 2008 auch in Argentinien Ihr Trainer war. Was hat sich seitdem für Sie beide geändert?
El Cholo lebt den Fussball nach wie vor mit derselben Leidenschaft, doch er hat nach Tätigkeiten bei verschiedenen Klubs und in mehreren Ligen sehr viel an Erfahrung gewonnen. Das merkt man stark. Und ich persönlich würde sagen, dass ich sehr viel reifer geworden bin. Ich habe mich spielerisch weiterentwickelt und perfektioniert. Ich denke, dass ich im Strafraum inzwischen bessere Entscheidungen treffe.

Können Sie sich vorstellen, dass Simeone eines Tages die argentinische Nationalmannschaft leiten könnte?
Ja, ich denke, er ist ein Trainer, den Argentinien in der Zukunft ganz weit oben auf dem Zettel haben sollte. Er war praktisch sein ganzes Leben lang Nationalspieler, daher weiß er, worum es geht. Und als Trainer ist es überflüssig zu erwähnen, dass er sehr gut vorbereitet ist.

Apropos argentinische Trainer: José Pekerman äußerte kürzlich, dass Falcao "nicht die Rettung Kolumbiens ist". Stimmen Sie diesen Worten zu, oder ist es ein Versuch, Druck von Ihnen zu nehmen?
Ich bin mit seinen Worten einverstanden. Auch wenn einzelne Spieler ein gewisses Gewicht haben, sind es die Mannschaften, die Klubs und Nationalteams vorwärts bringen. Und Kolumbien hat glücklicherweise eine sehr starke Mannschaft aufgebaut. Viele unserer Spieler haben in bedeutenden Klubs in Europa tolle Leistungen gezeigt, sind im richtigen Alter und haben großen Hunger auf Erfolge. Wir sind reif genug, um den Sprung zu schaffen.

Zum Abschluss würden wir Sie gerne über Ihren Umgang mit Twitter befragen. Wie ist Ihre Beziehung zu diesem Dienst?
Am Anfang reizte es mich nicht sehr, es zu nutzen, doch ein Freund insistierte und am Ende gefiel es mir. Es ist eine schöne Form, um mit seinen Fans zu kommunizieren. Heute habe ich ungefähr 546.000 Follower, das ist nicht schlecht. Doch ich bin nicht der einzige bei Atlético, der davon profitiert - viele meiner Kollegen nutzen es!

Viele Ihrer Follower kommen natürlich aus Kolumbien. Möchten Sie im Vorfeld der nächsten Qualifikationspartien gegen Peru und Ecuador eine Nachricht an sie richten?
Ja klar. Dass sie uns unterstützen und bei uns sein sollen, wie sie es immer tun. Wir brauchen sie an unserer Seite, um die größte Anzahl an Punkten zu holen und den Weg zur WM zu beschreiten.