Die 1:3-Pleite nach Elfmeterschießen im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund geht für den FC Bayern München zweifelsohne in die Annalen ein. Nicht unbedingt weil es eine Niederlage ist, sondern das Zustandekommen ist in der Klubhistorie einzigartig. Vier Elfmeter verschoss der Rekordmeister in den ersten vier Versuchen - so etwas hatte es noch nie gegeben.

Doch der FIFA Klub-Weltmeister 2013 ist nicht der Einzige, der eine solche Schmach ertragen musste. Ähnliches passierte im Juli 2011 beispielsweise der brasilianischen Nationalmannschaft, was weltweit für Schlagzeilen sorgte. Allerdings nicht aufgrund ihres frühen Ausscheidens im Viertelfinale der Copa América, sondern vielmehr wegen der Art und Weise, wie sie sich aus dem Turnier verabschiedete. Denn die bis dahin bei Elfmeterschießen als treffsicher geltende Seleção vergab gegen Paraguay alle vier Strafstöße.

Ein Blick in die Geschichtsbücher der weltweiten Sportart Nummer eins zeigt, dass derartige Missgeschicke immer wieder vorkommen. Die Palette reicht vom "Helden von Sevilla" bis zu jenem schwarzen Tag für Kamerun bei der FIFA U-20-WM 2011. FIFA.com hat für Sie eine Auswahl der spektakulärsten Elfmeterschießen aus den letzten Jahrzehnten zusammengestellt.

Der "Held von Sevilla" setzte Maßstäbe
"Elfmeter sind eine Sache für sich. Jeder einzelne von ihnen hat sein eigenes Geheimnis. Das Wichtigste für einen Torhüter dabei ist, dass er die Ruhe bewahrt und sich darüber im Klaren ist, dass die Verantwortung in den Augen aller - sowohl seiner Mannschaftskameraden als auch der Spieler des Gegners - stets beim ausführenden Schützen liegt. Genau das muss man als Torhüter versuchen, seinem unmittelbaren Gegenüber per Blickkontakt zu vermitteln." Dies verriet der argentinische Ex-Nationaltorhüter Sergio Goycochea, der zu seiner aktiven Zeit zahlreiche Strafstöße parierte und bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Italien 1990™ dank seiner Glanztaten entscheidenden Anteil am Gewinn des Vizeweltmeistertitels seiner Mannschaft hatte, im Gespräch mit FIFA.com.

Vier Jahre zuvor war Goycochea noch Ersatzmann bei River Plate, das im Interkontinental-Pokal 1986 gegen Steaua Bukarest gewann. Das rumänische Team hatte sich vor allem dank des Torhüters Helmuth Dukadam, der im Finale des Europapokals der Landesmeister gegen den FC Barcelona alle vier Elfmeter vereitelt hatte und dadurch als Held von Sevilla weltweite Bekanntheit erlangte, für das interkontinentale Duell qualifiziert. Mit drei Paraden in die rechte sowie einer letzten in die linke Ecke sorgte Dukadam dafür, dass die Katalanen in einem der bislang spektakulärsten Elfmeterschießen keinen einzigen ihrer Schüsse verwerten konnten.

"Steaua Bukarest hat eine starke Mannschaft mit einem überragenden Torhüter", so der frustrierte Kommentar des damaligen Barça-Trainers Terry Venables, den der rumänische Keeper mit dem dicht gewachsenen Schnauzbart und der grünen Spielkleidung noch jahrelang im Traum verfolgen sollte, unmittelbar nach der sensationellen Niederlage seines Teams. In der Partie vom 14. November 1986 gegen die Millonarios aus Buenos Aires stand der Held von Sevilla indes nicht zwischen den Pfosten. Überhaupt meinte es das Leben abseits des Spielfeldes nicht immer gut mit ihm. So musste er seine Karriere wegen einer Thrombose vorzeitig beenden. Danach arbeitete er als Grenzpolizist, bevor er sich eines Tages gezwungen sah, seine Erinnerungsstücke vom Triumph im Europapokal der Landesmeister zu verkaufen, um seine Schulden bezahlen zu können. Nach einem Abstecher in die Politik wurde Dukadam im Jahr 2010 Klub-Präsidenten von Steaua Bukarest.

Nicht viel besser erging es den Boca Juniors, als es im Finale der Copa Libertadores 2004 gegen Once Caldas in Manizales zum Elfmeterschießen kam. An jenem Tag war das Team von Trainer Carlos Bianchi, das die kontinentale Trophäe bereits mehrfach gewonnen hatte, völlig von der Rolle. Während mit Rolando Schiavi, Nicolás Burdisso, Raúl Cascini und Franco Cángele alle vier Boca-Schützen am gegnerischen Torwart Carlos Henao scheiterten, verwandelten Elkin Soto und Jorge Agudelo von Once Caldas ihre Elfmeter sicher und bescherten den Kolumbianern damit ihren ersten Titel in Südamerikas prestigeträchtigstem Klubwettbewerb. Mehr noch: Mit diesem Triumph fand gleichzeitig ein Mythos der Xeneizes sein jähes Ende, denn zuvor hatte Boca Juniors selbst drei Mal (2000, 2001 und 2003) die Copa Libertadores im Elfmeterschießen gewonnen!

Zweifelhafter Rekord für die Schweiz
Unzählige Berichte über Elfmeterschießen finden sich auch in der Statistik von Wettbewerben auf regionaler Ebene, zum Beispiel über die Partie zwischen dem FC Hafia (Guinea) und Silures Ouagadou (Burkina Faso) in der zweiten Runde der CAF Champions League 1979. Obwohl die Statistik einen 1:0-Sieg im Elfmeterschießen von Silures Ouagadou vermerkte, sind darin keinerlei Angaben hinsichtlich der Anzahl der Strafstöße, die beide Mannschaften ausführten, enthalten…

Und da wir schon mal bei afrikanischen Teams sind, sollten wir unbedingt auch den Finalsieg Nigerias im Elfmeterschießen gegen Spanien bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft Korea 2007 erwähnen. Vor allem der Name Oladele Ajiboye wird den Spanien sicher noch lange im Gedächtnis haften bleiben. Denn der junge Torhüter avancierte in jener Partie in Seoul dank dreier gehaltener Elfmeter zum Matchwinner. "Ich war noch nie ein Elfmeter-Spezialist, das war heute mein erstes Elfmeterschießen! Ich habe mir nicht einmal die Mühe gemacht, mich mit den Elfmeterschützen über Videos vertraut zu machen. Ich habe nur darauf geachtet, wo der Ball hingeht. Dann bin ich einfach in die richtige Richtung gehechtet", so der nigerianische Torhüter gegenüber FIFA.com, nachdem er die Elfmeter von Ilarramendi, Fran Mérida und Iago - sicher sehr zum Leidwesen des spanischen Trainers Juan Santisteban - abgewehrt hatte.

Wenn wir schon dabei sind, von großen Turnieren zu sprechen, kommen wir natürlich nicht an der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ vorbei. Seit die DFB-Auswahl 1982 in Spanien im Halbfinale mit 5:4 im Elfmeterschießen über Frankreich die Oberhand behielt, mussten nicht weniger als 22 WM-Spiele per Elfmeterschießen entschieden werden. Dass eine Mannschaft dabei am Ende ohne Gegentor blieb, kam bislang indes nur ein einziges Mal vor, nämlich im Achtelfinale von Deutschland 2006 zwischen der Schweiz und der Ukraine, das die Schützlinge von Trainer Oleg Blokhin mit 3:0 für sich entscheiden konnten. Die Eidgenossen waren zwar nicht imstande, auch nur einen ihrer drei Elfmeter gegen Oleksandr Shovkovskyi im ukrainischen Tor zu verwandeln, doch sie können nicht ohne Stolz darauf verweisen, bei diesem Turnier innerhalb der regulären Spielzeit kein einziges Gegentor kassiert zu haben…

Lektion gelernt
Schließlich brachte auch die Saison 2011 bereits zwei spektakuläre Entscheidungen im Elfmeterschießen. Die Rede ist vom 3:0-Achtelfinalsieg Mexikos über Kamerun bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft in Kolumbien, bei dem der mexikanische Keeper José Rodríguez zwei Strafstöße der Afrikaner parierte, sowie von dem eingangs erwähnten Debakel Brasiliens bei der Copa América.

Zwar sind auch aus der Vergangenheit einige Fälle bekannt, in denen brasilianische Nationalspieler vom Elfmeterpunkt versagten, unter anderem von der WM 1986 in Mexiko, als Zico einen Strafstoß gegen Frankreich verschoss. Aber gleich vier in ein und demselben Elfmeterschießen, das übertraf dann doch alles bisher Dagewesene! Selbst Brasiliens Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zeigte sich darüber regelrecht konsterniert und meinte, dass "sogar er mindestens einen der vier Elfmeter verwandelt hätte." Gut möglich, dass diese scherzhafte Bemerkung den vier betroffenen Schützen Elano, Thiago Silva, André Santos und Fred ganz und gar nicht geschmeckt hat. Andererseits dachte das frühere Staatsoberhaupt dabei sicher auch an die Vielzahl brasilianischer Talente, die für die Zukunft des brasilianischen Fussballs stehen.

Eines von ihnen ist Danilo, der bei der FIFA U-20-WM 2011 im Gespräch mit FIFA.com sagte: "Das, was in Argentinien passiert ist, ist einfach nicht normal. Ich für meinen Teil habe daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass ich mich zusammen mit meinen Mitspielern so viel wie möglich im Elfmeterschießen üben werde, damit so etwas nicht wieder vorkommt." Dass dies nicht nur so daher gesagt war, bewies Danilo schon wenige Tage danach, als sich das Team von Trainer Ney Franco im Viertelfinale nach Elfmeterschießen gegen Spanien, Brasiliens wichtigsten Konkurrenten auf dem Weg zu seinem fünften WM-Titel in dieser Alterskategorie, durchsetzte und dabei keinen einzigen Strafstoß verschoss.

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