Fest zupackend, stets mit einem konzentrierten, mitunter auch finsterem Gesichtsausdruck sowie mit einem linken Fuß ausgestattet, mit dem er als Torhüter jede Menge Elfmeter verwandelte – so kannte man den Paraguayer José Luis Chilavert, der es in seiner aktiven Zeit immer wieder verstand, mit eigenwilligen Gesten von sich reden zu machen, die im Verlauf seiner langen und erfolgreichen Karriere zu einer Art Markenzeichen wurden.

Damit avancierte der Keeper aus Paraguay einerseits zum wichtigsten Vorreiter einer Entwicklung, die eine veränderte Rolle des Spielers zwischen den Pfosten einleitete, andererseits war er auch einer der Ersten seiner Zunft, die auch abseits des Spielfeldes für Furore sorgten. Denn dort, wo die Kameras und Mikrofone auf die Spieler warteten, lieferte sich Chilavert eine Reihe von Wortgefechten, die den modernen Fussball entscheidend mitprägten. FIFA.com präsentiert an seinem 52. Geburtstag eine Auswahl der besten Sprüche des paraguayischen Ex-Torhüters.

"Für die Position des Torhüters ist nicht jeder geeignet. Allgemein herrscht die Meinung vor, dass wir nur dafür da sind, möglichst wenige Gegentore zuzulassen. Das ist eine sehr negative und falsche Sichtweise. Eine gute Mannschaft fängt beim Torhüter an! Brasilien hatte bei der WM 1982 zwar eine Top-Mannschaft, allerdings auch einen Valdir Peres zwischen den Pfosten. Jedes Mal, wenn der Gegner vor seinen Kasten kam, ging der Ball auch rein. Das bestätigt meinen Standpunkt."
Chilavert über die Rolle des Torhüters

"Navarro Montoya hat mich einmal mit einem Fiat 600 verglichen. Vielleicht bin ich ja ein kleiner Fiat, aber einer mit einem Motor, der in der Formel 1 mithalten könnte. Sein Motor allerdings leidet unter Ölverlust. Er ist für mich keine Konkurrenz, denn er kann mir nicht das Wasser reichen."
Chilavert über Carlos Fernando Navarro Montoya, den legendären Keeper der Boca Juniors aus den 90er Jahren

"Sie können sagen, was Sie wollen. Fest steht, dass Sie noch nie etwas gewonnen haben."
Chilavert an die Adresse einiger Journalisten während einer seiner üblichen Wortgefechte mit der Presse in den 90er Jahren

"Das Tor von Bonano stört mich überhaupt nicht. Außerdem hat er den Ball ganz schlecht getroffen, fast wie ein nasser Sack!"
Chilavert über Roberto Bonano, nachdem dieser gegen ihn in einer Partie im Rahmen der Copa Mercosur 2000 als Torhüter von River Plate einen Elfmeter verwandelt hatte

"Es ist ein Unterschied, ob man ein Siegertyp ist oder sich auch mit weniger zufrieden gibt. Der Siegertyp sucht bewusst die Herausforderung, weil er unbedingt gewinnen will. Der andere konzentriert sich nur darauf, nicht zu verlieren."
Chilavert über die unterschiedlichen Charaktere von Fussballern

"Auf dem Platz darf man darf man nicht zulassen, dass einem das genommen wird, was einem gehört. Wenn es doch passiert, bekommt man es nicht wieder. So ist es nun mal im Fussball."
Chilavert und seine besondere Sicht auf den Profifussball

"Die Menschen verstehen oftmals nicht, dass man auf dem Platz keine Freunde haben kann. Wenn jemand nicht entschlossen in einen Zweikampf geht, läuft er Gefahr, sich zu verletzen. Auch wenn es böse klingt, aber wenn ich mich entscheiden müsste, wäre es mir lieber, dass sich mein Gegenspieler verletzt und nicht ich."
Chilavert über mögliche Folgen bei Zweikämpfen

"Schade, dass ich ihn nicht härter anpacken kann, aber er ist einfach nicht meine Gewichtsklasse. Denn er bringt selbst dann, wenn er unter der Dusche steht und von oben bis unten nass ist, gerade einmal 35 Kilo auf die Waage."
Chilavert nach einer Partie im Jahr 1995, in der Uruguays Stürmer Sebastián Abreu einer seiner Gegner war

"Als wir in Frankreich anreisten, kannte uns dort niemand. Die meisten wussten nicht einmal, wo Paraguay auf der Landkarte zu finden ist. Nach dem Turnier war uns Land in der ganzen Welt bekannt."
Chilavert über den Auftritt der paraguayischen Nationalmannschaft bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1998

"Derzeit geht es den guten Torhütern wie einst den Dinosauriern, denn auch sie sterben langsam aus."
Chilavert und seine Wertung der Torhüter im Jahr 2010

"Von abergläubischen Dingen habe ich nie etwas gehalten. Das sind für mich Ausreden für Schwächlinge.
Chilavert über das Verhältnis zwischen Fussball und Aberglaube

"Das kam ganz spontan. Ich habe auch jetzt einen guten Satz auf Lager: Der Neid ist der Preis des Erfolges. Viele wollen erfolgreich sein, doch nur wenige schaffen es. Und das sind genau die, die am lautesten kritisieren…"
Chilavert über seinen schier unerschöpflichen Wortfluss

"Ich weiß nicht, wie viel ich heute wert sein würde, vermutlich sehr viel! Torhüter, die sich auch gerne mal ins Spiel einschalten und Tore erzielen, gibt es nicht viele.
Chilavert über seinen möglichen Marktwert im heutigen Fussball

"Auf dem Platz habe ich unzählige Zweikämpfe geführt. Was hätten Sie denn erwartet? Mit dem Gesicht, was ich habe, bin ich für die Rolle des Bösen doch geradezu prädestiniert. Das macht vieles leichter! Als guter Junge hätte ich doch gar nichts erreicht."
Chilavert im Jahr 2010 im Rückblick auf seine Profikarriere