Wie jede andere Aktivität, in der der Erfolg bis zu einem gewissen Grad mit etwas Glück einhergeht, ist auch der Fussball nicht frei von Aberglauben. Die Liste der Beispiele ist lang. FIFA.com hat einige der auffälligsten zusammengestellt. In dieser Woche befassen wir uns mit den Spielern und lernen die Rituale der Abergläubischsten unter ihnen kennen.

Den Rasen mit dem rechten Fuß zuerst zu betreten, sich vor dem Anpfiff zu bekreuzigen, nicht auf den Kalkstrich der Spielfeldumrandung zu treten oder die Trophäe nicht zu berühren, bevor man in einem Finale auf den Platz läuft, all das sind Dinge, die uns ganz natürlich vorkommen, auch wenn sie nichts anderem als dem Aberglauben entspringen und das Glück erzwingen sollen. Es gibt nur ganz wenige Spieler, die nicht zumindest eines dieser Dinge tun. Wir haben jedoch noch extremere Beispiele gesucht und sind fündig geworden.

Nehmen wir zum Beispiel Chelseas John Terry und seine Schienbeinschützer. Er verwendete immer dieselben und als er sie nach einem Champions League-Spiel im Camp Nou verloren hatte, war er am Boden zerstört: "Ich hatte sie schon so lange benutzt, dass ich damals dachte: 'Das war's, jetzt ist es vorbei.' Aber Lampsy [Frank Lampard] gab mir seine, und zum Glück gewannen wir das nächste Spiel [Anm.d.Red.: das Finale des Carling Cup gegen den FC Liverpool 2005). Ich habe sie also behalten, und jetzt sind sie mein persönlicher Glücksbringer." Das mag seltsam klingen, aber Terry gibt zu, dass er viele Rituale pflegt: "Ich bin sehr abergläubisch. Im Bus setze ich mich immer auf denselben Platz, ich umwickele meine Stutzen immer drei Mal mit Tape, höre immer dieselbe CD auf dem Weg zum Stadion, parke immer auf demselben Parkplatz an der Stamford Bridge..." Die Liste dürfte endlos werden. Lassen wir es dabei bewenden.

Ein weiterer unbeirrbarer Abergläubischer ist der Italiener Gennaro Gattuso. Er gab gegenüber FIFA.com zu, dass seine Rituale ihm bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006 einige Probleme einbrachten, wenngleich sie sich am Ende auszahlen sollten. "Ich trug jeden Tag denselben Pullover, den ich am ersten Tag angezogen hatte. Ich schwitzte darin sehr stark und wurde immer schlechter gelaunt, weil ich ihn nicht ausziehen konnte. Diese ganzen Rituale wurden zu einer wirklichen Obsession. Vor der Partie gegen die Tschechische Republik beispielsweise packte ich meinen Koffer für die Heimreise." Das musste er dann natürlich vor jeder der verbleibenden Spiele erneut tun. Am seltsamsten ist jedoch vielleicht seine Manie, vor jedem Spiel einige Seiten Dostojewski zu lesen.

Eine unter Spielern weit verbreitete abergläubische Angewohnheit ist es, immer dieselbe Unterwäsche zu tragen (die hoffentlich zuvor gewaschen wurde), so wie es auch der Rumäne Adrian Mutu tat. Im Fall von René Higuita musste sie sogar stets blau sein. Der Grund dafür? "Nun, gegen Ende der 80er Jahre konnte Atlético Nacional einfach nicht gegen die Millonarios gewinnen. Da bin ich mit Carlos Perea zu einer Wahrsagerin gegangen, und sie erzählte, dass man uns irgendwie verhext habe. Sie gab uns dagegen einen Gürtel und blaue Unterhosen für alle Spieler mit. Von da an war alles ganz einfach: Wir haben alle Spiele gewonnen und schließlich die Copa Libertadores geholt. Seitdem benutze ich sie", erzählte er FIFA.com.

Der frühere chilenische Nationalspieler Iván Zamorano spielte immer mit einem weißen Verband am rechten Handgelenk. Dieser diente indes keineswegs zur Behandlung einer hartnäckigen Verletzung. Vielmehr war das Ritual entstanden, als er in der Schweiz für St. Gallen spielte. Er hatte sich damals am Handgelenk verletzt und trug dort vorsichtshalber einen Verband in dieser Farbe. An jenem Tag erzielte er drei Tore, und von da an trug er seinen Glücksbringer in jedem Spiel.

Ähnliches gilt auch für die Bandage von Juan Sebastián Verón an seinem rechten Knie. "1997 hatte ich mich dort verletzt, und dann habe ich sie als Glücksbringer behalten. Jetzt lege ich die Bandage nicht mehr ab, denn schlecht ist es mir danach nicht ergangen!", gestand er gegenüber FIFA.com.

In Frankreich 1998 vergaß der Spielführer des Gastgebers Laurent Blanc niemals, vor Beginn einer Partie den kahlen Schädel seines Torhüters Fabien Barthez zu küssen. Am Ende wurden die Franzosen Weltmeister. Ein weiteres Ritual des Teams: In der Umkleidekabine hörten sie immer Gloria Gaynors Hit "I will survive". Ein ähnliches Beispiel gefällig? Das Team von Colo Colo holte 1991 die Copa Libertadores und wärmte sich dabei vor jedem Spiel zu den Klängen von "Sopa de Caracol" auf, einem großen Erfolg von Banda Blanca in der damaligen Zeit.

Gary Lineker schoss beim Aufwärmen vor einer Partie niemals aufs Tor, denn er fürchtete, falls er dann treffen sollte, dass ihm dies im Spiel nicht mehr gelingen würde. Wenn er in der ersten Halbzeit kein Tor erzielt hatte, wechselte er in der Pause sein Trikot. Und wenn er länger nicht ins Schwarze traf, löste er das Problem mit einem Haarschnitt.

Zum Glück spielten Bobby Moore und Paul Ince nicht im selben Team, denn beide bestanden darauf, stets als letzte die Kabine zu verlassen. Moore, um sich alleine seine Hose anzuziehen, und Ince, um aus der Kabine auf den Rasen zu laufen und sich dabei in sein Trikot zu zwängen. Kolo Toure kostete die Manie, als Letzter den Rasen zu betreten, eine Gelbe Karte. Die erhielt er, als er in einem UEFA Champions League-Spiel Arsenals gegen AS Rom auf den Nachzügler William Gallas warten musste und dadurch viel zu spät auflief.

Der Deutsche Mario Gómez ist der einzige Spieler, der nicht die Hymne seines Landes vor einem Länderspiel singt, doch keineswegs, weil er sie nicht kennen würde. In einer Partie der U-15-Nationalmannschaft hatte er sie einmal nicht gesungen und prompt ein Tor erzielt. Diese Angewohnheit hat er beibehalten, auch wenn sie nicht immer von Erfolg gekrönt ist. Darüber hinaus benutzt er von jedem Spiel immer das am weitesten links von der Umkleidekabine gelegene Urinal.

Was - mit Verlaub - Urin angeht, dürfen wir den argentinischen Torhüter Sergio Goycochea nicht vergessen, den großen Elfmeterkiller der FIFA WM 1990 in Italien. Man sagt, dass er vor einem wichtigen Elfmeterschießen stets in den Mittelkreis urinierte, umgeben von seinen Mitspielern als Sichtschutz. Er hatte Erfolg, und bei der Copa América 1993 funktionierte das Ritual erneut (im Elfmeterschießen gegen Brasilien und Kolumbien). Die Argentinier holten damals übrigens ihren letzten Titel.