Titel bleibt in Südamerika
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Bei den Mädchen hat Venezuelas Fussball-Nachwuchs zwar gegen Gastgeber VR China verloren, aber Perus hart erkämpfter Sieg gegen die Republik Korea beim Olympischen Junioren-Fussballturnier 2014 war nach Boliviens Titeltriumph vor vier Jahren schon die zweite Goldmedaille für Südamerika in Folge.

Denkwürdige Momente

Finalisten lassen es krachen: Sowohl die Republik Korea als auch Peru hatten sich ihren Platz im Endspiel mit begeisterndem Fussball vollauf verdient, wenn sie ihr Spiel auch auf ganz unterschiedliche Weise zelebrierten. Waren es bei Peru, dem U-15-Meister der CONMEBOL, eher die technisch brillanten Individualisten, die Fähigkeit, das Spiel zu lesen sowie flüssiges Kombinationsspiel, so glänzten die Koreaner mit perfekter Organisation, strenger taktischer Disziplin, enormer körperlicher Fitness und Schnelligkeit. Beide Mannschaften mussten jeweils nur drei Gegentore hinnehmen, womit sie gemeinsam die beste Defensive stellten. Die Republik Korea hatte den besten Angriff des Turniers mit 16 Toren in vier Spielen, Peru gewann dafür alle seine Spiele.

Talente begeistern Publikum: Das Olympische Fussballturnier wartete mit einer solchen Fülle an spielstarken Talenten auf, dass die Zuschauer immer wieder wie gebannt waren. So stach das peruanische Duo Christopher Olivares und Gerald Tavara mit enger Ballführung und Schwindel erregenden Tempodribblings ins Auge. Auge bewies auch der isländische Spielmacher Kolbeinn Finnsson mit seiner Übersicht und seinen klugen, frühen Pässen. Der blonde Teenager hatte eine solche Selbstverständlichkeit in seinem Spiel in die Spitze, dass er sprichwörtlich aus dem nichts Chancen zaubern konnte. Kap Verde belegte zwar "nur" den undankbaren vierten Platz, sorgte aber mit Spielern wie Andradino ebenfalls für einige magische Momente. Dessen Reaktionsschnelligkeit, explosiver Antritt und Torriecher beispielsweise waren für insgesamt drei Treffer gut.

Das Turnier der Edeljoker: Beim ersten Olympischen Junioren-Fussballturnier vor vier Jahren in Singapur war Luis Banegas der Top-Joker. Der junge Bolivianer ging damals verletzt ins Turnier, wurde aber im Finale gegen Haiti eingewechselt, als seine Mannschaft in Unterzahl geriet. Prompt schoss er zwei Tore in einem Endspiel, das mit einem 5:0-Sieg der Südamerikaner endete. Vier Jahre später bewarben sich in Nanjing gleich mehrere Einwechselspieler um Banegas' Nachfolge. Der isländische Stürmer Helgi Gudjonsson etwa schnürte als Einwechselspieler in der zweiten Halbzeit des Auftaktspiels gegen Honduras einen Dreierpack. Gegen Halbfinalgegner Republik Korea gelang ihm eine Minute nach Wiederanpfiff die Führung. Der Südkoreaner Joo Hwimin war ähnlich effektiv und erzielte bei zwei Einwechslungen drei Tore - darunter den Ausgleich gegen Island.

Standardspezialisten entscheiden Spiele: Dass sie viel Gefühl in den Füßen haben, bewiesen die Jungs aus Peru das gesamte Turnier über. Das zeigte sich besonders bei Standardsituationen, wo sie gleich eine ganze Reihe Spezialisten zur Auswahl hatten. So resultierten beide Tore beim Auftaktsieg gegen Island aus Standardsituationen. Besonders schön war Gerald Tavaras Freistoß zum 2:0 für die Blanquirroja-Junioren. Im zweiten Spiel gegen Honduras ebneten zwei Elfmeter den Weg zum 3:1-Sieg für die Incas, wobei Stürmer Franklin Gil einen Strafstoß verursachte und einen selbst verwandelte. Peru hatte außerdem Stärken bei Fernschüssen. So erzielte Kapitän Fernando Pacheco den Siegtreffer im Finale mit einem Lupfer aus der Distanz.

Stars und Überraschungen
Schon bei den Asiatischen Jugendspielen in Nanjing im vergangenen Jahr hatten Stürmer Lee Jiyong und Mittelfeldspieler Jeong Wooyeong die jungen Taeguk Warriors zu Gold geführt. Nun kehrten sie als Stars und Favoriten zurück in die alte chinesische Metropole. Das offensivstarke Duo erfüllte die Erwartungen mit je drei Toren durchaus, aber Neuling Kim Gyuhyeong stahl seinen Mannschaftskameraden noch die Show: Der Mittelfeldspieler von Ulsan Hyundai schoss fünf Tore selbst und bereitete drei weitere vor. Peru erwies sich als in allen Mannschaftsteilen hochkarätig besetzt. Trainer Juan José Oré lobte indes Franklin Gils Ausgleichstreffer im Endspiel gegen die Republik Korea besonders. Kein Wunder, hofft der Inca-Trainer doch, dass der Stürmer zum Schlüsselspieler seiner Mannschaft wird. Honduras wiederum gelang zwar nur ein Sieg, doch Mittelstürmer Paolo Belloni deutete ein so großes Potenzial an, dass ihn Sampdoria Genua aus Italien verpflichtete.

Die nordischen Außenseiter aus Island stürmten ins Rampenlicht und straften dabei die meisten Experten Lügen, indem sie bei ihrem ersten FIFA-Turnier gleich die Bronzemedaille holten. Besonders der dreifache Torschütze Gudjonsson avancierte zum Liebling von Fans und Medien, nachdem er zum Auftakt gegen Honduras gleich eine Glanzleistung an den Tag gelegt hatte. Auch die Afrikaner von den Kapverdischen Inseln boxten gewissermaßen eine Gewichtsklasse höher. Die Mannschaft aus dem kleinen Land mit nur 500.000 Einwohnern zeigte nach der 0:5-Pleite zum Auftakt gegen die Republik Korea eine tolle Reaktion und besiegte Vanuatu im folgenden Spiel mit 7:1. Der zum Rechtsaußen umfunktionierte Rechtsverteidiger Ricardo erzielte in dieser Begegnung drei Tore, sein pfeilschneller kongenialer Sturmpartner Andradino zwei. Vanuatu konnte den fünften Platz von vor vier Jahren nicht noch einmal wiederholen. Diesmal blieb nur der letzte Platz, was auch daran lag, dass die Mannschaft 21 Gegentore hinnehmen musste. Zum Vergleich: Bei den letzten Olympischen Jugendspielen waren es nur vier gewesen. Die grandiose Einstellung der Ozeanier wurde jedoch belohnt, als Lauren Saurei gegen Kap Verde das einzige Tor für Vanuatu schoss.

Zitat
"Dieser Sieg bedeutet uns viel mehr als nur den Gewinn der Goldmedaille. Ich bin zufrieden und die Leistungen meiner Spieler hier machen mich überglücklich. In diesem Kader steckt jede Menge Potenzial und wenn die Spieler erst mal 20 Jahre alt sind, werden sie noch viel weiter sein. Sie müssen natürlich weiter an sich arbeiten und sich verbessern. Ich hoffe, sie können uns den Traum erfüllen, möglichst bald wieder eine WM zu spielen."
Juan José Oré (Cheftrainer Peru)

Teilnehmer
Republik Korea, Kap Verde, Peru, Island, Honduras, Vanuatu

Abschlusstabelle
1. Peru
2. Korea Republik
3. Island
4. Kap Verde
5. Honduras
6. Vanuatu

Austragungsort und Stadien
Jiangning Sports Centre (Nanjing)

Erzielte Tore
52 (Durchschnitt pro Spiel: 4,73)

Erfolgreichste Torjäger
Kim Gyuhyeong (KOR): 5 Tore, 3 Vorlagen
Helgi Gudjonsson (ISL): 5 Tore
Franklin Gil (PER): 3 Tore, 1 Vorlage

FIFA Fairplay-Auszeichnung
Korea Republik

Zuschauer
116.572 (Durchschnitt pro Spiel: 10.597)