Peru will Korea Republik entzaubern
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Korea Republik hatte beim Fussballturnier der Asiatischen Jugendspiele im vergangenen Jahr ebenfalls in Nanjing die Goldmedaille gewonnen. Entsprechend galt das Team schon lange vor der Rückkehr in diese historische Stadt auch als Favorit für das Olympische Junioren-Fussballturnier 2014. Nachdem sie mit drei Siegen in Folge ins Finale gestürmt sind, haben die jungen Taeguk Warriors keine Angst vor Finalgegner Peru unter Trainer Juan José Oré.

Am Sonntag wurde ein glücklicherweise nur dünn besiedeltes Gebiet in Zentralperu von einem Erdbeben der Stärke 6,9 erschüttert. Am gleichen Tag setzte sich die U-15-Juniorenauswahl gegen Kap Verde durch und zog ins Finale des Olympischen Junioren-Fussballturniers 2014 ein, in dem am Mittwoch das Team der Republik Korea der Gegner sein wird. Die Nachrichten aus der Heimat wirkten für die Schützlinge von Juan José Oré allerdings nur wie eine zusätzliche Motivation, den Menschen in Peru einen Grund zur Freude zu liefern.

"Unser Finalgegner steht noch nicht fest", hatte der 60-jährige Trainer und ehemalige Top-Torjäger der höchsten peruanischen Liga nach dem Halbfinalsieg gegenüber FIFA.com gesagt, bevor sich die Asiaten im anderen Halbfinale gegen Island durchsetzten. "Doch ganz egal, ob es Südkorea oder Island sein wird – wir haben das Zeug zum Sieg, und ich glaube an meine Spieler."

Déjà vu
Wer nun meint, dass Oré die Chancen seines Teams überschätzt, sollte bedenken, dass der Mann, der die U-15-Auswahl seines Landes im vergangenen Jahr zum Gewinn der Südamerika-Meisterschaft führte, keineswegs grundlos optimistisch ist. Schließlich hat der peruanische Coach schon einmal einen Sieg gegen die Republik Korea gefeiert, nämlich ein überraschendes 1:0 gegen den damaligen Gastgeber der FIFA U-17-WM 2007. Damals stieß er mit seinem Team sogar bis ins Viertelfinale gegen Ghana vor, das mit 0:2 verloren ging.

"Ich habe hier einen handverlesenen Kader", so Oré. "Die Spieler sind alle herausragend und haben enormes Potenzial. Natürlich können sie sich alle noch weiter verbessern. Unser Finalgegner kann sich jedenfalls auf ein schweres Spiel einstellen."

Der Kader Orés hat in der Tat schon jetzt für große Zufriedenheit in der Heimat gesorgt. Die jungen Peruaner sind hervorragend ausgebildet und technisch versiert. Die Spieler auf allen Positionen haben in Nanjing ihre Durchschlagskraft bereits zur Genüge demonstriert. Nach den Worten von Oré, der bereits seit 2007 im Nachwuchsbereich arbeitet, zeigen die Leistungen seiner Schützlinge, wie gut es um den Fussball an der Basis in seinem Heimatland bestellt ist: "Peru verfügt im Nachwuchsbereich über ein sehr solides Fundament. Wir haben viele große Talente, und ich bin überzeugt, dass die Zukunft rosig ist", meint er nicht ohne Stolz.

Einst gehörte Peru zu den stärksten südamerikanischen Fussballnationen. Doch in den vergangenen Jahrzehnten verlor das Land ein wenig den Anschluss. Die letzte WM-Teilnahme Perus gab es 1982 in Spanien. Doch im letzten Jahrzehnt hat sich eine neue Generation herausgebildet und bei den Nachwuchsturnieren für Furore gesorgt. So qualifizierte sich Peru 2005 und 2007 zwei Mal in Folge für die FIFA U-17-WM und schrieb nun mit dem Finaleinzug bei den Olympischen Jugendspielen Geschichte. "Wenn sich die Spieler in dieser Gruppe weiterhin so gut entwickeln wie bisher, dann hält Peru den Schlüssel zur Rückkehr zur WM selbst in der Hand", so Oré mit dem Brustton der Überzeugung.

Das Herz des Teams
Die vollmundige Vorhersage des Trainers scheint durchaus gerechtfertigt, wenn man die starken Leistungen Revue passieren lässt, die das Team bislang gezeigt hat - allen voran Stürmer Franklin Gil, der beim Klub Universidad San Martín de Porres trainiert. Der Youngster war die Speerspitze der Inkas beim Vorstoß ins Finale. Beim 2:1-Sieg gegen Island glänzte er in der Führungsrolle, und beim 3:1-Erfolg gegen Kap Verde brachte er sein Team mit einem verwandelten Elfmeter beim Stand von 0:1 wieder ins Spiel.

"Er [Gil] hat in den letzten drei Partien sehr gut gespielt", so Oré. "Ich hoffe, dass er weitere Fortschritte macht und zum Herzen dieses Teams wird."

Der junge Peruaner mit der Rückennummer 14 ist sich seines wichtigen Beitrags beim Sieg gegen Kap Verde im Halbfinale durchaus bewusst: "Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung in diesem Spiel", so der umtriebige Stürmer gegenüber FIFA.com. "Natürlich hat auch die gesamte Mannschaft ein tolles Spiel gezeigt. Ich freue mich sehr über die Unterstützung durch meine Teamkameraden."

Der Youngster ist sich seines Talents sehr sicher und hat fest vor, eines Tages in einer großen ausländischen Liga zu spielen, genau wie sein Vorbild, der Kolumbianer James Rodriguez, der jetzt bei Real Madrid die Fäden zieht. "Ich plane, in Zukunft im Ausland zu spielen", so Gil. "Das wird nicht nur meiner Entwicklung zugute kommen, sondern auch meine Familie belohnen, die mich bei meiner Fussballerkarriere extrem unterstützt."

Nicht zuletzt werden Gils Ambitionen auch dadurch befeuert, dass der peruanische Torjäger Claudio Pizarro beim FC Bayern München und in der Nationalmannschaft ebenfalls das Trikot mit der Nummer 14 trägt: "Er ist der bekannteste Fussballer Perus, und mein Traum ist es, ebenso wie er ein großer Spieler zu werden", so der Youngster mit großer Entschlossenheit.