Junge "Haie" mit scharfen Zähnen
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Schon der Einzug Kap Verdes ins Viertelfinale beim letztjährigen CAF Afrikanischen Nationen-Pokal war beeindruckend. Der Vorstoß der U-15-Auswahl ins Halbfinale des Olympischen Junioren-Fussballturniers Nanjing 2014 unterstreicht erneut, welch große Fortschritte das Atlantik-Archipel mit seinen gerade einmal 500.000 Einwohnern in den vergangenen Jahren im Fussball gemacht hat.

Dabei hatte es zum Auftakt gegen Korea Republik noch eine 0:5-Pleite gegeben. Doch im letzten Gruppenspiel riss Kap Verde das Ruder mit einem deutlichen 7:1 gegen Vanuatu noch einmal herum. Die überlegene Vorstellung katapultierte das Team nicht nur ins Halbfinale, sie machte aus den jungen "blauen Haien" zugleich auch große Fische. Denn wer die Vorschlussrunde erreicht, ist automatisch ein Medaillenaspirant.

Eine zentrale Rolle kommt dabei der Offensiv-Partnerschaft zu, die im Klub der Hafenstadt Batuque geschmiedet wurde. Stürmer Kenny besorgte bereits nach zwei Minuten die Führung, ehe sein versuchsweise als Rechtsaußen aufgebotener Vereinskamerad Ricardo einen Dreierpack schnürte. Nach dem Spiel freuten sich beide gemeinsam im Gespräch mit FIFA.com.

"Wir sind sehr glücklich über den Sieg. Der Einsatz der Mannschaft hat sich ausgezahlt", meinte Kenny, und Ricardo ergänzte: "Jetzt wollen wir nachlegen und noch weiter kommen."

Partner auf dem Platz, Freunde außerhalb
Beim Duo aus Batuque griff während des Spiels ein Rädchen ins andere. Instinktiv wussten beide, wie sich der jeweils andere bewegt. "Wir spielen jetzt seit drei Jahren im selben Klub", erklärte Kenny. "Wenn wir gemeinsam auflaufen, klappt das Zusammenspiel daher wie eine Eins. Unser Verein ist zwar nicht der größte in Kap Verde, aber er legt viel Wert auf Training und Ausbildung junger Spieler."

Kenny und Ricardo sind zwar langjährige Mannschaftskameraden und beste Freunde, haben aber unterschiedliche Vorbilder. Kenny verehrt den argentinischen Spielmacher Lionel Messi, Ricardo den brasilianischen Stürmerstar Neymar. Was die Zielsetzung bei den Olympischen Jugendspielen angeht, funken beide aber wieder auf derselben Wellenlänge. So stellt Kenny klar, dass es in Nanjing unbedingt die Goldmedaille sein soll, und Ricardo ergänzt: "Mit Siegen und einer Medaille wollen wir den Fans in der Heimat Freude bereiten!"

Interessanterweise ist Ricardo eigentlich gelernter Rechtsverteidiger. Erst im letzten Spiel hat ihn Trainer Jorge Lopes weiter vorgezogen. Ein Schachzug, der sich auszahlen sollte: Ricardo konnte seinen Offensivdrang nach Herzenslust ausleben. Zwei Tore gelangen ihm vor der Halbzeit, ein weiteres nach knapp 60 Minuten.

"Auch als Rechtsverteidiger schalte ich mich ja ständig in die Offensive ein", erläuterte der dreifache Torschütze. "Ich renne von ganz hinten nach ganz vorn und suche den Abschluss. Der Positionstausch im letzten Spiel war ein taktischer Kniff des Trainers, und ich habe genau das umgesetzt, was er von mir erwartet hat."

Nächste Hürde Peru
Geht es nach den beiden Freunden, sind vier Tore bei der historischen ersten Teilnahme ihres Landes an der Endrunde eines FIFA-Turniers noch lange nicht genug. Sie wollen mehr. Vor dem Halbfinal-Duell gegen Peru haben sie sich geschworen, bis zur letzten Minute um den Sieg zu kämpfen.

"Es wird ein schweres Spiel, auf das wir uns gut vorbereiten müssen", warnte Ricardo, während Kenny die Ambitionen der Insulaner deutlich forscher formulierte: "Wir wollen Peru unbedingt schlagen, und ich bin zuversichtlich. Unser Traum bezüglich der Teilnahme an den Olympischen Jugendspielen ist der Titel. Wir sind nach Nanjing gekommen, um die Goldmedaille zu holen!"