Fast auf den Tag genau vor einem Jahr schrieb Iosefo Verevou eines der schönsten Kapitel in der Fussballgeschichte Fidschis. Bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft Neuseeland 2015, als die Schützlinge von Frank Farina ihre Auftaktpartie bestritten, schlug Setareki Hughes in der 48. Minute eine perfekte Flanke auf den Kopf seines Teamkameraden, der daraufhin das erste Tor Fidschis in der Endrunde eines FIFA-Turniers erzielte. 

"Dieses Tor hat mein Leben verändert", sagt Verevou im Gespräch mit FIFA.com. "Im Fussball war mein Land auf der internationalen Bühne nicht so bekannt. Dieses Tor hat dazu geführt, dass wir ein wenig im Scheinwerferlicht stehen. Es ist eine große Ehre, dies verursacht zu haben. Und persönlich hat mir dieses Tor viel Selbstvertrauen gegeben. Wie viele Menschen können von sich behaupten, bei einem großen internationalen Fussballturnier ein Tor erzielt zu haben?"

Tatsächlich ist dem Akteur von Rewa FC damals eine Heldentat für sein Land gelungen. Eine Leistung, die angesichts des Gegners an jenem Tag umso bemerkenswerter ist, denn Fidschi hatte es mit keinem Geringeren als Deutschland zu tun. Und das Schicksal wollte es, dass die Ozeanier nun am letzten Gruppenspieltag des Olympischen Fussballturniers der Männer Rio 2016 am 10. August in Belo Horizonte erneut auf die DFB-Auswahl treffen.

"Ich freue mich eher darüber, als dass ich Angst davor habe, ihnen erneut zu begegnen. Zunächst einmal, weil diese Mannschaft in mir fantastische Erinnerungen weckt. Und dann ganz einfach, weil es eine großartige Mannschaft ist und ich nicht sicher sein kann, dass ich jemals wieder die Gelegenheit haben werde, gegen sie zu spielen", betont er, bevor er über die Siegchancen seines Teams gegen den europäischen Giganten zu sprechen kommt. "Sie sind sehr gering, aber im Fussball sind in einem Spiel unglaubliche Dinge möglich."

Die Erfahrung macht den Unterschied
Dafür ist Fidschi das beste Beispiel, denn wenige Beobachter hätten sich vorstellen können, dass der Außenseiter in seiner zweiten Partie in Rio gegen die mexikanischen Goldmedaillengewinner von London 2012 zur Pause in Führung liegen könnte. Wenige hätten sich auch vorstellen können, dass dieses Team in der Auftaktpartie dem Bronzemedaillengewinner von vor vier Jahren, Korea Republik, in der Anfangsphase tapfer die Stirn bot. Aber genau dies ist in Salvador geschehen. Doch jeweils in der zweiten Halbzeit dieser Duelle konnte der fidschianische Außenseiter nicht mehr mithalten. "Es ist einfach die Erfahrung, die den Unterschied macht. Wir haben uns gut auf diesen Wettbewerb vorbereitet und ich glaube sogar, dass sich der Abstand zwischen uns und den großen Fussballnationen verkleinert. Aber es gibt noch eine Grenze zwischen ihnen und uns. Es ist die Grenze zwischen dem Amateur- und dem Profifussball."

Der Klassenunterschied kann die Moral der Männer aus Fidschi indes nicht beeinträchtigen. Ihren Traum von Olympia lassen sie sich nicht einmal von zwei hohen Schlappen (0:8, 1:5) nehmen. "Hier in Brasilien bei Olympischen Spielen zu sein ist unglaublich! Es ist ein Traum, der wahr geworden ist. Ich weiß das Glück zu schätzen, hier zu sein und die einmalige Gelegenheit zu haben, gegen die besten Mannschaften der Welt zu spielen."

Wirklich einmalig? Aller guten Dinge sind drei, sagt das Sprichwort. Und angesichts der jüngsten Fortschritte des fidschianischen Teams ist es kein allzu abwegiger Gedanke, dass es auf der internationalen Bühne zu einem dritten Aufeinandertreffen zwischen Deutschland und Fidschi kommt. Und wird am 10. August vielleicht erneut einen Treffer von Verevou zu bejubeln sein? "Ich kann nicht versprechen, gegen Deutschland nochmal ein Tor zu schießen, das ist unmöglich", sagt Verevou. "Aber ich schwöre, dass ich alles geben werde, um meine bestmögliche Leistung abzuliefern und mein Land stolz zu machen", verspricht er zum Abschied. Es ist ihm schon einmal gelungen.