TAGESRÜCKBLICK – Defensive Stabilität lautete die Devise des achten Spieltags beim Olympischen Fussballturnier der Männer Rio 2016. Alle vier siegreichen Teams zogen dank einer soliden Abwehrleistung ins Halbfinale ein. Brasilien, Deutschland, Honduras und Nigeria blieben in ihren jeweiligen Viertelfinalpartien ohne Gegentreffer. Für die torlos gebliebenen Kontrahenten aus Kolumbien, Portugal, Korea Republik sowie Dänemark ist das Turnier zu Ende. FIFA.com präsentiert die Zusammenfassung des Geschehens.

Die erstaunliche Defensivleistung der Gastgeber während Rio 2016 ist bisher ein wenig untergegangen. Tatsächlich hat Brasilien noch keinen einzigen Gegentreffer hinnehmen müssen, so dass seine Abwehr seit bemerkenswerten sechs Stunden unbezwungen ist. Diese Statistik ist umso erstaunlicher, da der Garant dieser Serie, der Torwart Weverton, erst in letzter Minute als Ersatz für den verletzten Fernando Prass nominiert wurde.

Auch der Keeper von Honduras war in Belo Horizonte der Held des Abends, als er mit einer Reihe von Glanzparaden einen Treffer von Korea Republik verhinderte und sein Land zum ersten Mal in seiner Geschichte ins Halbfinale führte. Besonders spektakulär entschärfte er einen Volleyschuss von Son Heungmin in der ersten Halbzeit sowie kurz nach der Pause einen Versuch von Moon Changjin aus kürzester Distanz. Ein Tor nach einem schnell vorgetragenen Gegenangriff brachte die Entscheidung zugunsten von Los Catrachos gegen den Bronzemedaillengewinner von London 2012.

Nigerias Schlussmann Emmanuel Daniel konnte seinen Kasten zum zweiten Mal hintereinander sauber halten. Im letzten Gruppenspiel fanden die Schweden genauso wenig ein Mittel wie im Viertelfinale in Salvador die Dänen, die in der zweiten Halbzeit dem starken Druck der afrikanischen Mannschaft nachgaben. Deutschlands Timo Horn wiederum hatte gegen Portugal nur unwesentlich mehr Arbeit zu verrichten als in der letzten Gruppenpartie seines Teams gegen Fidschi. So blieb er beim überlegenen deutschen Sieg in Brasilia ein weiteres Mal ohne Gegentor.

Die Ergebnisse
Viertelfinale
Portugal - Deutschland 0:4
Nigeria - Dänemark 2:0
Korea Republik - Honduras 0:1
Brasilien - Kolumbien 2:0

Das Tor des Tages
Portugal - Deutschland 0:4, Philipp Max (87.)
Max wurde erst acht Minuten vor dem Schlusspfiff der Partie eingewechselt, als Deutschland mit gnadenloser Effizienz bereits eine 3:0-Führung herausgespielt hatte. Das hinderte ihn nicht daran, für den Rest der Partie über den gesamten Platz hinweg zum Schrecken der Portugiesen zu mutieren. Auch vor seinem Tor stürmte er in vollem Lauf den linken Flügel entlang, bevor er Julian Brandt mit einem Pass in den gegnerischen Strafraum freispielte. Dieser narrte mit einem Übersteiger die Abwehr und legte wieder auf Max zurück, der Bruno Varela mit einem strammen Schuss hoch in die Ecke keine Chance ließ.

Besondere Momente
Umarmung für Horst
Davie Selke begann Rio 2016 als etatmäßige Sturmspitze des deutschen Teams, blieb aber in der ersten Partie gegen Mexiko torlos. Gegen Korea Republik gelang ihm ein Treffer, doch wie in der Partie zuvor wurde er erneut ausgewechselt. In der dritten Begegnung gegen Fidschi stand er nicht der Anfangsformation. Der Spieler mit der Nummer neun kam erst ins Spiel, als die Deutschen bereits zehn Tore gegen die Ozeanier erzielt hatten, von denen fünf auf das Konto von Nils Petersen gingen. So war vielleicht so mancher Beobachter überrascht, Selke im Viertelfinale gegen Portugal wieder in der Startelf zu sehen. Der Stürmer von RB Leipzig zahlte das Vertrauen von Horst Hrubesch mit dem Tor zum 3:0 zurück. Es war die vorzeitige Entscheidung der Partie, und der Stürmer eilte danach zu seinem 65-jährigen Coach, um ihn überschwänglich zu umarmen.

Lopez feiert historischen Moment
Der honduranische Schlussmann Luis Lopez war der unbestrittene Held der Partie gegen Korea Republik. Mit einer Glanzparade nach der anderen sicherte er seiner Mannschaft den knappen Erfolg. Nach dem Schlusspfiff brach das Team in emotionalen Jubel über die historische Leistung aus - erstmals zieht das Land in ein olympisches Halbfinale ein. Die Spieler legten eine honduranische Fahne auf den Platz, versammelten sich im Kreis zum Gebet und nahmen Lopez in ihre Mitte.

Neymar beendet seine Olympia-Durststrecke
Brasiliens Nummer zehn ist es sicherlich nicht gewöhnt, lange auf etwas zu warten, schon gar nicht auf ein Tor für sein Land. Dennoch mussten beim Olympischen Fussballturnier seit seinem letzten Treffer - ein Elfmeter gegen Honduras in London 2012 - 501 Minuten verstreichen. Aber bei einem Freistoß kurz vor dem kolumbianischen Strafraum berechnete er perfekt die Flugbahn des Balles, der anschließend im Netz zappelte. Sein Jubel war eine Mischung aus Freude und Erleichterung. Das Tor war wohl auch deshalb eine Erlösung, weil er sich gegen Los Cafeteros in Brasilien 2014 die Verletzung zuzog, die ihn für den Rest des Turniers außer Gefecht setzte.

Das Zitat des Tages
"Ich glaube, wir haben heute eine tolle Leistung gezeigt. Wir haben als Team zusammengehalten, unser System hat gegen Portugal sehr gut funktioniert und ich denke, wir haben verdient gewonnen. Unser Ziel ist natürlich, das Turnier zu gewinnen. Wir sind mit diesem Ziel hierhergekommen und können im nächsten Spiel hoffentlich so weitermachen."
Serge Gnabry (Mittelfeldspieler, Deutschland) nach seinem sechsten Treffer in Rio 2016 gegen Portugal.

So geht es weiter
Mittwoch, 17. August 
Halbfinale
Brasilien - Honduras, Rio de Janeiro, Maracana, 13:00 Uhr
Nigeria - Deutschland, Sao Paulo, Arena Corinthians, 16:00 Uhr
(Alle Angaben in Ortszeit)