Im März dieses Jahres trafen das IFAB und die FIFA eine historische Entscheidung, als sie beschlossen, für einen Zeitraum von zwei Jahren bei bestimmten Wettbewerben in der Verlängerung probeweise eine vierte Auswechslung zuzulassen. Der erste Wettbewerb im Erwachsenenbereich, bei dem diese Regeländerung nun zum Tragen kommt, sind die Olympischen Fussballturniere Rio 2016. Da die K.o.-Runde unmittelbar vor der Tür steht, erläutert FIFA.com noch einmal, wie es innerhalb der Fussballgemeinde zu dieser Entwicklung kam.

Die Kriterien sind recht eindeutig: Eine vierte Auswechslung ist nur zulässig, wenn ein Spiel in die Verlängerung geht. Sie kann unabhängig davon vorgenommen werden, ob ein Team während der regulären Spielzeit bereits alle drei zulässigen Auswechslungen vorgenommen hat oder nicht. Bei einer Umfrage, die die FIFPro vor der Abstimmung über den Vorschlag unter Spielern, Trainern und Fussballfunktionären durchgeführt hatte, hatten sich 85 Prozent der Befragten für die Einführung einer vierten Auswechslung ausgesprochen.

Das IFAB stimmte der zweijährigen Experimentierphase auf seiner diesjährigen Jahresversammlung in Cardiff zu und erarbeitete einige Fragen, deren Beantwortung für den Erfolg der Probephase entscheidend ist. Mithilfe eines detaillierten Fragenkatalogs soll unter anderem herausgefunden werden, ob eine vierte Auswechslung in der Verlängerung zu mehr Toren führt, ob das Zulassen einer vierten Auswechslung dem Wohl der Spieler zugutekommt und wie häufig ein eingewechselter Spieler (insbesondere der vierte Einwechselspieler) Tore erzielt oder entscheidend an einem Tor in der Verlängerung beteiligt ist.

Die Entwicklung der Auswechslungen
In der Fussballgeschichte wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als das Spiel auf eine formale Grundlage gestellt wurde, zum ersten Mal Auswechslungen dokumentiert. Zu den ersten offiziellen Auswechslungen bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ kam es jedoch erst bei der Auflage von 1970. Anatoli Puzach aus der Sowjetunion war der erste Spieler, dem die Ehre zuteilwurde, bei einer WM eingewechselt zu werden. Er kam in der Partie gegen Mexiko für Viktor Serebryanikov ins Spiel.

Obwohl es bereits 1934 die erste WM mit Verlängerungen gab, kam eine Kombination der beiden Regeln (Verlängerung und Auswechslungen) erst kürzlich zum ersten Mal auf die Tagesordnung.

Carlos Alberto Parreira, der Brasilien 1994 als Trainer zum WM-Sieg führte, ist Mitglied der Technischen Studien-Gruppe (TSG) der FIFA in Rio 2016. Dank seiner langen Erfahrung ist er bestens geeignet, um über das wandelnde Gesicht des Fussballs zu diskutieren. "In den letzten zwei Jahrzehnten gab es in den Spielregeln einige sehr wichtige Veränderungen, von denen alle für eine Verbesserung der Qualität des Spiels und des Wohlbefindens der Athleten sorgten", sagte Parreira. "Eine vierte Auswechslung in Spielen, die in die Verlängerung gehen, hat das Potential, eine weitere und nützliche Maßnahme zu sein. Sie hilft dabei, die Gesundheit der Spieler zu erhalten, das technische Niveau zu erhöhen und eröffnet die Option für taktische Variationen. Im Laufe meiner Karriere als Trainer, hätte ich die Möglichkeit einer zusätzlichen Auswechslung bei vielen Gelegenheiten geliebt.“

Bei den unterschiedlichen Beratungsgremien und auf den Jahresversammlungen des IFAB wird immer wieder über das Experiment beraten werden. Die abschließenden Berichte sollen dann entweder auf der IFAB-Jahresversammlung 2018 oder im Rahmen einer Sondersitzung zum Abschluss der zweiten Experimentierrunde im Jahr 2017 vorgelegt werden.

Angesichts der Tatsache, dass auch die geplanten Experimente mit Video-Schiedsrichterassistenten langsam Form annehmen, die genau wie die Aufhebung der sogenannten "Dreifachbestrafung" ebenfalls auf der IFAB-Jahresversammlung im März 2016 in Cardiff beschlossen wurden, scheint mit dieser Sitzung im Fussball eine Periode der Experimente, Beratungen und Veränderungen angebrochen zu sein.