TAGESRÜCKBLICK – Dass im Maracanã Geschichte geschrieben würde, stand bereits vor dem Finale fest. Weder Brasilien noch Deutschland hatten bislang beim Olympischen Fussballturnier der Männer die Goldmedaille gewinnen können. Brasilien hatte im Vorfeld eine Bilanz von drei Silber- und zwei Bronzemedaillen zu verzeichnen gehabt, während für Deutschland der dritte Platz bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul das bisher beste Ergebnis gewesen war.

Sicher würde auch eine Goldmedaille auf heimischem Boden gegen Deutschland die Wunden nicht vollständig heilen können, die das 7:1 im WM-Halbfinale in Belo Horizonte vor zwei Jahren hinterlassen hatte. Doch immerhin bot sich den Brasilianern hier die Chance, ein neues und historisches Kapitel in der Fussballgeschichte des Landes zu schreiben.

Hoch über dem Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro thront ja bekanntlich die legendäre Statue von Christus dem Erlöser, und am Samstagabend schlug für Brasilien die Stunde der Erlösung. Bereits lange vor dem Anpfiff des Finales sandten die brasilianischen Fans ihrem Team eine positive Botschaft, als sie mit einem traditionellen Gesang aus Rio de Janeiro den "Glückstag" heraufbeschworen, und in der Anfangsphase der Partie schallte "Steht auf, wenn ihr fünf Weltmeistertitel gewonnen habt" durch das Stadionrund.

Neymar war es dann, der dem Land das gab, auf das alle so sehnlich gewartet hatten. In der 27. Minute versenkte er den Ball mit einem fantastisch ausgeführten Freistoß aus etwa 23 Metern im Tor. Als der Ball die Unterkante der Latte streifte und im Netz des deutschen Gehäuses zappelte, gab es für die Fans im Maracanã kein Halten mehr. Die gesamte Arena tanzte und hüpfte in der Hoffnung, dass es nun endlich klappen würde mit der Goldmedaille. Doch so einfach sollte das Ganze nicht werden, denn der deutsche Teamkapitän Maximilian Meyer schockte die Gastgeber in der 59. Minute, als er den Brasilianern das erste Gegentor im gesamten Turnier beibrachte.

Weitere Treffer wollten weder in der regulären Spielzeit noch in der Verlängerung fallen, und so musste der Sieger im Elfmeterschießen ermittelt werden. Am Ende war es Neymar, der den entscheidenden Elfer verwandelte und Brasiliens lange Wartezeit auf olympisches Gold beendete – und das ausgerechnet im Maracanã-Stadion, dem Herzen des brasilianischen Fussballs. Die Fans feierten dies ausgelassen und sangen: "Der Champion ist wieder da".

Zuvor hatte in Belo Horizonte bereits das Spiel um die Bronzemedaille stattgefunden. Nigeria setzte sich dank eines Doppelpacks von Sadiq Umar und eines Treffers von Aminu Umar knapp gegen die tapfer kämpfenden Honduraner durch und krönte damit ein erfolgreiches Turnier. Das "Dream Team VI" sicherte dem Land nach der Goldmedaille im Jahr 1996 und Silber im Jahr 2008 den dritten großen Erfolg beim Olympischen Fussballturnier. 

Die Ergebnisse
Spiel um die Goldmedaille
Brasilien – Deutschland 1:1 n.V. (5:4 i.E.)

Spiel um die Bronzemedaille
Honduras – Nigeria 2:3 

Das Tor des Tages
Brasilien – Deutschland 1:0, Neymar (27.)
Neymar zirkelte den Ball mit einem perfekt ausgeführten Bilderbuchfreistoß in die Maschen und löste damit die greifbare Anspannung, die in der Anfangsphase der Partie in der Luft gelegen hatte. Der Kapitän der Seleção legte sich den Ball in einer Torentfernung von etwa 23 Metern zurecht und versenkte ihn mit einem starken Rechtsschuss mit viel Effet für Timo Horn unhaltbar im deutschen Tor. Unter den rund 67.000 Zuschauern im Maracanã-Stadion brach daraufhin ein wahrer Freudentaumel aus.

Besondere Momente
Neymars Freudentränen
Nachdem er den entscheidenden Elfmeter ohne mit der Wimper zu zucken verwandelt und seinem Land damit die erste Goldmedaille gebracht hatte, brach Neymar vom Ausmaß des Ganzen überwältigt in Tränen aus. Er hockte sich auf den Boden und vergrub das Gesicht im Rasen. Als er dann die Ehrenrunde durch das Maracanã drehte, waren die Tränen allerdings bereits einem Ausdruck purer Freude gewichen. Ausgelassen feierte er das lang ersehnte Gold. 

Oh Captain, mein Captain!
Kapitäne sollten Verantwortung übernehmen und in entscheidenden Augenblicken für ihr Team da sein, und genau das haben die Spielführer beider Mannschaften in diesem Finale auch getan. Neymar und Meyer nahmen in Rio das Heft in die Hand und erzielten jeweils den ersten Treffer für ihr Team.

Mikel, der Vorlagengeber
Beim 3:2-Sieg der Nigerianer gegen Honduras im Spiel um die Bronzemedaille in Belo Horizonte war John Obi Mikel, Kapitän des "Dream Team VI", an allen drei Treffern seiner Mannschaft beteiligt. Sein Beitrag zum ersten Tor war vielleicht der simpelste. Nachdem er bis zur honduranischen Torlinie durchgelaufen war, schaute Mikel kurz auf und passte dann quer vor das Tor, wo Sadiq Umar nur noch einschieben musste. Der Spieler des FC Chelsea genoss seine Führungsrolle sichtlich und dürfte sehr zufrieden über seine Beteiligung an allen drei Toren auf dem Weg zur Bronzemedaille sein.

Latte ist nicht gleich Latte
Die Deutschen schrammten in der ersten Halbzeit des Finales bei drei Gelegenheiten nur wenige Zentimeter an einem Tor vorbei. Julian Brandt jagte den Ball in der Anfangsphase mit einem Distanzschuss an die Latte von Wevertons Kasten, und später hatten Niklas Süle und Sven Bender zwei weitere Chancen, bei denen das Leder an die Latte prallte, statt den Weg ins Tor zu finden. Den Brasilianern schien die Latte an diesem Abend hingegen freundlicher gesinnt zu sein, denn Neymars beeindruckender Auftakttreffer prallte an die Unterkante derselben und senkte sich dann in Timo Horns Tor.

Ein guter Tag für die Umars
Wer mit Nachnamen Umar hieß und zur nigerianischen Olympiaauswahl zählte, hatte heute einen perfekten Tag. Sadiq Umar und Aminu Umar erzielten auf dem Weg zur Bronzemedaille alle Treffer ihres Teams. Der 19-jährige Sadiq hat nach seinem Doppelpack beim Olympischen Fussballturnier nun insgesamt vier Treffer auf dem Konto. Aminu stellte derweil erneut unter Beweis, dass er in K.o.-Spielen immer für ein Tor gut ist. Seinen ersten Treffer in diesem Turnier hatte er nämlich im Viertelfinale gegen Dänemark erzielt. 

Das Zitat des Tages

Der jamaikanische Sprinter und neunmalige Olympiasieger Usain Bolt gratulierte Neymar nach dem historischen Sieg, während der Brasilianer seine mittlerweile legendäre Jubelgeste imitierte.

Nachdem Neymar den entscheidenden Elfmeter verwandelt und dem Gastgeber den Finalsieg gesichert hatte, wurde bekanntgegeben, dass Dänemark den FIFA Fairplay-Preis bekommt.