Im Viertelfinale des Olympischen Fussballturniers der Männer Rio 2016 stehen einige Teams, denen eine große Erleichterung anzusehen sein wird: Favoriten wie Brasilien und Deutschland hatten in der Gruppenphase unerwartet viel Mühe. Gleichzeitig befinden sich einige Außenseiter unter den letzten Acht, denen allein schon die Möglichkeit auf das Weiterkommen wie ein Medaillengewinn scheint. Nicht vertreten sind hingegen Titelkandidaten wie Argentinien oder der amtierende Olympiasieger Mexiko, die vorzeitig ausgeschieden sind.

Es steht ein abwechslungsreicher Spieltag auf dem Programm: Ein zum neuen Klassiker gewordenes südamerikanisches Duell, ein europäisches Wiedersehen mit Revanchegelüsten, ein Kampf der Stile sowie eine temporeiche und explosive Taktikschlacht. FIFA.com präsentiert die Vorschau auf das Viertelfinale, das große Momente zu bieten verspricht.

Das Spiel des Tages
Brasilien – Kolumbien, Arena Corinthians, São Paulo, 22:00 Uhr (Ortszeit)
Nachdem Brasilien in den ersten beiden Partien trotz der insgesamt 41 Schussversuche, von denen aber nur 13 in Richtung Ziel flogen, torlos geblieben war, platzte in der letzten Begegnung gegen Dänemark der Knoten. Mit einem 4:0-Kantersieg sicherte sich der Gastgeber den Einzug ins Viertelfinale. Neymar blieb zwar erneut ohne Torerfolg, aber wichtiger für das Team ist wohl, dass seine jungen Teamkameraden Gabriel Jesús und Gabriel Gabigol Barbosa die Last auf ihren Schultern endlich abschütteln konnten. Die größte Sorge des Teams ist nun der Knöchel der Nummer zehn, der seit der Partie gegen die Dänen angeschlagen ist.

Der Seleção wird ein Gegner gegenüberstehen, der sich dank der jüngsten Fortschritte auf kontinentaler Ebene zu einem großen Rivalen entwickelt hat und außerdem mit einem beeindruckenden Offensivtrio auftrumpfen kann: Teo Gutiérrez, Dorlan Pabón und Miguel Ángel Borja. Der Held der Copa Libertadores wird zu Beginn wohl auf der Bank sitzen, aber der mit drei Toren erfolgreichste Torschütze der Kolumbianer, Gutierrez, sowie Dorlan haben bereits bewiesen, dass sie ein gefährliches Gespann bilden. Zumal das Team mit dem Schwung in die Partie gehen wird, eine Negativserie der kolumbianischen Geschichte beendet zu haben - Los Cafeteros sind beim Olympischen Fussballturnier zum ersten Mal über die erste Runde hinausgekommen.

Die anderen Spiele
Falls die Angst vor dem ersten Fehler die Kontrahenten nicht lähmt, verspricht die Partie zwischen Deutschland und Portugal ein wunderbares Duell zwischen zwei Mannschaften zu werden, die gerne die Initiative ergreifen und mit attraktiven Ballbesitzfussball zum Erfolg kommen wollen. Die DFB-Auswahl stand im letzten Spiel der Gruppenphase mit dem Rücken zur Wand, rettete sich aber dank der zehn Tore gegen Fidschi in die nächste Runde. Die Portugiesen mussten im Vorfeld des Turniers einige Ausfälle verkraften, konnten aber die Qualität ihrer Nachwuchsarbeit unter Beweis stellen. "Deutschland ist stark, aber auch wir werden ein Wörtchen mitzureden haben", sagte der Trainer Rui Jorge.

Das Duell zwischen Honduras und Korea Republik verspricht ein interessantes taktisches Duell zu werden. Die Mittelamerikaner zeigten gegen Argentinien ihre Konterstärke mit ihren explosiven Stürmern Anthony Lozano, Alberth Elis und Romell Quioto. Die Koreaner, die in der Gruppe mit Deutschland und Mexiko den ersten Platz belegt haben, erwiesen sich als torgefährliche Mannschaft, die mit Pressing großen Druck ausübt, aber auch kompakt stehen kann. Im Juni trennten sich die beiden Teams in einem Freundschaftsspiel 2:2.

Nigeria und Dänemark werden ihre Niederlagen in ihrem jeweils letzten Gruppenspiel verarbeiten müssen. Vor allem die Dänen, die dank der glänzenden Leistungen von Torhüter Jeppe Hojbjerg ohne Gegentor in die Partie gegen Brasilien gegangen waren, aber diese 0:4 verloren. Die Afrikaner hingegen haben im letzten Spiel gegen Kolumbien einige Ersatzspieler aufgeboten und ihren angeschlagenen Star Oghenekaro Etebo geschont, dessen Einsatz fraglich ist. Ohnehin bereitet Trainer Samson Siasia am meisten Kopfzerbrechen, dass die Dänen eine ausgesprochen gute Kontermannschaft sind: "All diese Fehler in der Defensive müssen korrigiert werden, denn wir fahren nach Hause, wenn wir verlieren."

Spieler im Fokus
Kwon Changhoon (Korea Republik)

Die Nummer 16 des koreanischen Teams hat sich in der ersten Runde in bestechender Form gezeigt und mit dem Siegtreffer gegen Mexiko eines der schönsten Tore des bisherigen Turniers erzielt. Er ist ein schneller und trickreicher offensiver Mittelfeldspieler, der gerne vom Zentrum auf den linken Flügel ausweicht. Der 22-Jährige hat bereits Erfahrung in der A-Nationalmannschaft gesammelt, nun ist er hungrig nach mehr. "Wir haben den Olympiasieger aus dem Wettbewerb geworfen, aber von nun an müssen wir mental sehr stark sein."

Das Zitat
"Natürlich steckt das irgendwo in den Hinterköpfen. Jetzt wollen wir Portugal beweisen, dass wir es auch können - und dann ins Halbfinale kommen."
Serge Gnabry (Stürmer, Deutschland) in Anspielung auf die 0:5-Niederlage im Halbfinale der U-21-EM 2015 gegen Portugal. Er, Matthias Ginter, Timo Horn, Max Meyer und Trainer Horst Hrubesch gehörten damals zum Team.

Der Spielplan
Viertelfinale
Portugal - Deutschland (Estadio Nacional, Brasilia, 13:00 Uhr)
Nigeria - Dänemark (Arena Fonte Nova, Salvador, 16:00 Uhr)
Korea Republik - Honduras (Estadio Mineirao, Belo Horizonte, 19:00 Uhr)
Brasilien - Kolumbien (Arena Corinthians, São Paulo, 22:00 Uhr)

(Alle Angaben in Ortszeit)