Der Trainer der belgischen Diablotins ("kleine Teufel") setzt beim Olympischen Fussballturnier in Peking größtenteils auf das EM-Team des Jahres 2007, das die historische Qualifikation unter Dach und Fach brachte. Jean-François de Sart reist mit 20 Spielern nach China, von denen nur zwei über 23 Jahre alt sind. Auch Torhüter Logan Bailly ist bei dem Ereignis, das er als "gigantisch" bezeichnet, mit dabei.

"Die Nominierungen erfolgten auf Grundlage der erfolgreichen Europameisterschaft. Ich wollte die Spieler für die gelungene Qualifikation belohnen. Ich habe mich für eine homogene und ausgeglichene Mannschaft entschieden. Es war aber auch sehr wichtig, Spieler zu integrieren, die variabel sind." Jean-François de Sart, auf dem die Hoffnungen Belgiens ruhen, hat voll und ganz der Mannschaft vertraut, die im vergangenen Sommer in den Niederlanden bis ins Halbfinale der U-21-Europameisterschaft vorstieß.

"Ziel war es, mit 20 Akteuren nach China aufzubrechen. Ich habe nur zwei Spieler dabei, die älter als 23 Jahre sind (Sepp De Roover und Maarten Martens). Mbo Mpenza hat von seinem neuen griechischen Verein Larissa keine Freigabe bekommen und Gabi Mudingayi ist aus sportlichen Erwägungen nicht dabei", so der Trainer, der im Gegenzug Vincent Kompany nominierte, obwohl der Hamburger SV seinen Defensivakteur nur ungern freistellt. Ferner wurde noch Marouane Fellaini in den Kader berufen, der allerdings wohl nicht alle Spiele bestreiten wird, da er mit Standard Lüttich in der UEFA Champions League-Qualifikation antreten muss. Dies sind nur zwei von mehreren Fällen, für die sich de Sart bei der Nominierung des Kaders vehement einsetzen musste.

"Dieses ganze Hin und Her ist ziemlich nervig, aber ich denke nicht, dass dies die Mannschaft in der Vorbereitung stören wird", so Logan Bailly, Torhüter des RC Genk und der Olympiaauswahl, gegenüber FIFA.com. "Das Problem ist, dass sich keiner der Bedeutung dieses Ereignisses bewusst ist. Die Olympischen Spiele sind etwas ganz Besonderes! Der ganze Planet schaut auf dich. Die Mannschaft spürt das allerdings erst auf dem Platz. Das erklärt vielleicht einiges."

"Brasilien zum Auftakt - umso besser!"
Am Montag, 21. Juli, geht es für den Schlussmann, der 2007 mit seiner Mannschaft belgischer Vizemeister wurde, zusammen mit dem Team ins Trainingslager. Am 23. Juli steht in Genk das erste Testspiel gegen die Niederlande auf dem Programm. Am 2. August ist eine weitere Begegnung vorgesehen. Der Gegner steht allerdings noch nicht fest. Bereits fünf Tage später geht es gegen die Seleção mit Ronaldinho und Pato.

"Brasilien als Auftaktgegner zu haben, ist das Beste was passieren konnte. Ich finde es gut. Wir werden auf der Höhe sein und haben sicherlich unsere Chancen. Natürlich müssen wir aber auch realistisch sein. Aber nach Brasilien geht es gegen Neuseeland und China, die eher unsere Kragenweite sind", urteilt Bailly, für den die Olympischen Spiele auch ein "großes Karrieresprungbrett" sind. "Es ist die Gelegenheit, sich auch mal außerhalb der Jupiler League einem breiten Publikum zu zeigen. Wir wissen alle um diese Chance. Aber natürlich bleibt das primäre Ziel der Erfolg der Mannschaft."

Die Beschwörung des Teamgeists kommt nicht von ungefähr, schließlich stellen sowohl Bailly als auch das gesamte Team die mannschaftliche Geschlossenheit immer wieder in den Vordergrund. "Technisch hat es jeder mehr oder weniger drauf. In einem solchen Turnier geben vor allem die Erfahrung und die mentale Einstellung den Ausschlag. Hier entscheidet sich alles. Unsere Mannschaft ist mental besonders stark, da inzwischen ein Jahr seit der EM vergangen ist und einige von uns bei großen Vereinen wie Standard Lüttich unter Vertrag stehen. Die mentale Stärke und die mannschaftliche Geschlossenheit sind zweifelsohne unsere größten Trümpfe. Ohne diese Grundlagen kann man nicht weit kommen."

Die Botschaft ist klar und passt sich nahtlos den Vorgaben des Trainers an, der immer wieder den Teamgeist in den Vordergrund stellt. Mit Spielern, die es gewohnt sind, auf höchstem Niveau zu spielen, wie Thomas Vermaelen, Kompany, Martens, Moussa Dembélé, Tom De Mul, Fellaini und Kevin Mirallas, zeugt es nicht unbedingt von Größenwahn, wenn man wie Logan Bailly hinter vorgehaltener Hand bereits vom Halbfinale spricht. Schließlich träumt eine ganze "Goldene Generation" den gleichen Traum.