
Sobald ein Turnier in die K.o.-Runde geht, kommt es vor allem darauf an, die Ruhe zu bewahren. Für einen Torhüter gilt diese Maxime an jedem Tag seiner Karriere. Um dieses Gefühl auf die gesamte Mannschaft zu übertragen, ist deshalb niemand besser geeignet als der Mann zwischen den Pfosten.
Der mexikanische Torhüter José Corona zählt mit seinen 31 Jahren zu den Routiniers in Mexikos Olympia-Auswahl. Seine langjährige Erfahrung kommt ihm bei der Wahrnehmung seiner Pflichten als Mannschaftskapitän zweifellos zugute. So auch im Hinblick auf die nächste große Herausforderung, die ihn und seine Mitspieler im Halbfinale des Olympischen Fussballturniers 2012 erwartet.
"Der Kommunikation zwischen den drei älteren Spielern und den jungen Akteuren kommt dabei eine sehr wichtige Rolle zu. Unsere Aufgabe wird es sein, ihnen die erforderliche Abgeklärtheit zu vermitteln. Das nächste Spiel hat für uns eine enorme Bedeutung. Trotzdem dürfen wir nicht zu hastig in diese Partie gehen. Wir müssen einfach an unserer bisherigen Spielweise festhalten und dem Gegner keinen Raum überlassen. Wir müssen ruhig zu Werke gehen und jeden Augenblick der Partie genießen", so Corona im Exklusiv-Interview mit FIFA.com unmittelbar nach dem Viertelfinalspiel gegen Senegal, das sein Team in der Verlängerung mit 4:2 für sich entscheiden konnte.
Genau die von ihm wiederholt eingeforderte Ruhe strahlten er und seine Mannschaftskollegen in der Partie gegen die Senegalesen aus. Und zwar selbst dann noch, als den Afrikanern der Ausgleich zum 2:2 gelang, nachdem Mexiko nach einer Stunde Spielzeit bereits mit 2:0 in Führung gelegen hatte.
Für Corona waren es die beiden ersten Gegentore im Verlauf dieses Turniers. Doch er ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen und verstand es zudem, auch beim Rest seiner Mannschaft keine Unsicherheit aufkommen zu lassen. "Mir war schon klar, dass die Gefahr eines weiteren Gegentores ständig über uns schwebte. Doch ich war gut drauf und ich wusste, dass es diese Ruhe und Gelassenheit auf meine Mitspieler zu übertragen galt. Schade nur, dass ich zwei Mal hinter mich greifen musste, aber das gegnerische Team hatte schließlich auch etliche Chancen, von denen es zwei verwerten konnte. Zum Glück blieb es dabei, so dass wir am Ende doch noch den Einzug ins Halbfinale geschafft haben", so der Torhüter weiter.
Der bei Cruz Azul in Mexiko unter Vertrag stehende Corona ist nach Athen 2004 bereits zum zweiten Mal bei den Olympischen Spielen vertreten. Vor acht Jahren musste sein Team allerdings schon nach der Gruppenphase die Heimreise antreten. Demnach weiß er aus eigener Erfahrung, wie schwer ist es ist, bei einem Olympischen Fussballturnier die Vorrunde zu überstehen. Umso mehr genießt er den heutigen Erfolg. "Ich freue mich riesig über dieses Ergebnis, zumal wir die Vorschlussrunde mit einem Sieg über einen starken Gegner erreicht haben, der uns im gesamten Spielverlauf Probleme bereitete. Auch bin ich mit dem Verhalten meiner Mannschaftskameraden, die nie aufgesteckt haben, sehr zufrieden."
Bei aller Freude verfällt der routinierte Keeper nicht in grenzenlose Euphorie und verweist darauf, dass ihm und seinem Team noch ein schwerer Weg bevorsteht. "Japan ist eine sehr disziplinierte sowie physisch und mental äußerst starke Mannschaft. Meiner Meinung nach wird in diesem Spiel der Ballbesitz den Ausschlag geben. Deshalb dürfen wir nichts überstürzen und müssen von Beginn an versuchen, den Ball so lange wie möglich in den eigenen Reihen zu halten", so Corona mit Blick auf den Halbfinalgegner.
Allgemein herrscht die Auffassung vor, dass die Teilnahme an einem Olympischen Fussballturnier den Nachwuchsspielern eine ideale Gelegenheit bietet, international auf sich aufmerksam zu machen, während sie für die drei Akteure über 23, die pro Mannschaft zugelassen sind, eher eine Art Auszeichnung bedeutet. Im Fall von Corona stellt London 2012 indes gleichfalls eine willkommene Möglichkeit dar, sich über gute und beständige Leistungen als Stammtorhüter der mexikanischen A‑Nationalmannschaft in der bevorstehenden WM-Qualifikation zu empfehlen.
Und mit dem Gewinn einer Medaille würde er dem sicher ein ganzes Stück näher rücken. "Wir sind mit dem Vorsatz nach London gekommen, hier eine Medaille zu holen. Auf dem Weg dahin haben wir heute einen sehr wichtigen Schritt vollzogen. Im Halbfinale werden wir alles daran setzen, dieses Ziel auch zu erreichen", so Corona abschließend.




