
DER TAGESRÜCKBLICK – Der Sport wird spätestens dann zum ultimativen Spektakel, wenn er wirklich alles zu bieten hat. Das Viertelfinale des Olympischen Fussballturniers der Männer 2012 kann dies durchaus von sich behaupten. 16 Tore aus dem Spiel heraus, zwei tragisch gescheiterte Außenseiter, das Ende langen Wartens, lateinamerikanischer Flair in Wembley, ein Elfmeter-Krimi und ein Gastgeber im Tal der Tränen: das ist der Stoff, aus dem Legenden gestrickt sind.
Erstmals seit 44 Jahren stehen sowohl die Japaner als auch die Mexikaner wieder in der Runde der letzten Vier bei Olympia. Die Ostasiaten haben noch immer kein einziges Gegentor kassiert und gegen die Ägypter ihren höchsten Sieg in der Geschichte dieser Turnierserie gefeiert. Die Mittelamerikaner bezwangen in einem packenden Duell ein senegalesisches Ensemble, das sich mit einer Nachlässigkeit in der Defensive und einem völlig verunglückten Rückpassversuch zum Keeper in der Verlängerung ein Stück weit selbst aus dem Rennen warf. Nun treffen Japan und Mexiko aufeinander.
Nicht nur Senegal, auch Honduras stand sich mitunter selbst im Weg. Gegen die hoch favorisierten Brasilianer lag man sogar zwei Mal in Führung, leistete sich aber zwei Platzverweise und musste am Ende als knapper Verlierer das Feld verlassen. Die Seleção hat damit zum sechsten Mal ein Olympisches Halbfinale erreicht und den Rekord von Italien und dem ehemaligen Jugoslawien egalisiert. Nun trifft sie auf die Republik Korea, die gegen Großbritannien mit Nerven aus Stahl im Elfmeterschießen die Oberhand behielt und die Fans der Lokalmatadoren mit traurigen Gesichtern nach Hause schickte.
Ergebnisse
Viertelfinale
Japan – Ägypten 3:0
Mexiko – Senegal 4:2 n.V.
Brasilien – Honduras 3:2
Großbritannien – Korea Republik 5:6 n.E.
Tor des Tages
Brasilien – Honduras, Mario Martinez (12.)
Auch wenn dieser Treffer den Mittelamerikanern letztlich nicht half, die ganz große Sensation perfekt zu machen, äußerst sehenswert war er dennoch: Roger Espinoza setzte sich auf dem linken Flügel durch und bediente den in den Strafraum sprintenden Maynor Figueroa, dessen versuchten Lupfer über die brasilianische Abwehr Teamkollege Martinez einfach mal frech mit links direkt und volley zur Führung ins lange Eck drosch. Eine trockenere Kampfansage an die Seleção kann man sich wohl kaum vorstellen!
Denkwürdige Momente
Freudenschrei mit Schmerzen
Als der Japaner Kensuke Nagai Ägyptens Schlussmann Ahmed Elshenawi umkurvte, das Leder zur Führung einschob und gerade zum Jubeln abdrehen wollte, erwischte ihn Gegenspieler Ahmed Hegazi noch unglücklich am Knöchel. Es folgte die emotionale Achterbahnfahrt: Nagai riss ekstatisch die Hände nach oben, jubelte seinen Teamkollegen zu, spürte beim Feiern erstmals, dass nicht alles so ist, wie es sein sollte, und verkniff plötzlich das Gesicht voller Schmerzen. Der leidende Held musste wenige Minuten später ausgewechselt werden.
Die wahre mexikanische Welle
Dass das Wembleystadion bei Großbritanniens Partien aus allen Nähten platzt, war zu erwarten. Die Stimmung im weiten Londoner Rund war jedoch auch beim Duell zwischen Mexiko und Senegal atemberaubend. Sage und schreibe 81.855 Zuschauer waren gekommen und feuerten beide zu Publikumslieblingen bei diesem Turnier avancierten Teams an. Die mit Masken und Sombreros bekleideten Fans aus Mittelamerika waren in der Überzahl und feierten - wie auch sonst - die Treffer ihrer Idole mit echten mexikanischen La Ola-Wellen. Ein unvergessenes Erlebnis in einem packenden Duell voller Emotionen und mit sechs Toren!
Ein heimlicher Held
Südkoreas Torhüter Jung Sungryong hatte bereits bei Aaron Ramseys erstem Strafstoß, der zum 1:1-Ausgleich führte, die Hände am Ball. Sein zweites Duell aus elf Metern mit dem 21-Jährigen vom FC Arsenal nur vier Minuten später konnte er endgültig für sich entscheiden. Der Schlussmann wird in den Statistiken zwar vor allem dadurch verewigt, dass er nach 61 Minuten verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste, doch eigentlich war er der Mann, der für sein Team mit kühlem Kopf noch in der ersten Halbzeit dafür sorgte, dass die Weichen nicht auf Niederlage umgestellt wurden - lange bevor sein Ersatz Lee Bumyoung im Elfmeterschießen zum zweiten Helden wurde.
Statistik
4 - Senegal ist zwar ausgeschieden, Geschichte schrieben die Afrikaner aber dennoch. Der insgesamt fünfmalige Torschütze Moussa Konate traf in allen vier Spielen seines Teams in London 2012. Einen derartigen Lauf hatte bei dieser Turnierserie zuletzt Fedor Cherenkov in Moskau 1980. Der Torjäger des damaligen Bronzemedaillen-Gewinners Sowjetunion traf vier Mal in den ersten vier Partien, um dann jedoch im Halbfinale sowie im Spiel um Platz drei nicht mehr den Weg ins Netz zu finden.
Zitat
"Es ist großartig, dass unser Frauen- und unser Männer-Team jetzt gemeinsam in London sein können. Unsere Frauen haben bereits den WM-Titel gewonnen. Und wir sind jetzt hier auch in der Position, die Welt herauszufordern. Meine Mannschaft wird von Spiel zu Spiel immer stärker!"
Takashi Sekizuka (Trainer, Japan)
So geht es weiter
Dienstag, 7. August 2012 (alle Zeitangaben in Ortszeit)
Halbfinale
Mexiko - Japan, London, 17:00 Uhr
Korea Republik - Brasilien, Manchester, 19:45 Uhr
















