Ein Heimspiel für Rafael
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Das Auftaktspiel der mit Stars gespickten brasilianischen Seleção, deren Offensivquartett glänzen konnte, schien für den rechten Außenverteidiger Rafael eine ruhige Angelegenheit. Er verteidigte gut, schaltete sich ohne zu zögern in den Angriff ein und erzielte bei einem dieser Ausflüge gar ein Tor – was für ihn eine seltene Erfahrung ist. Mit seinem Treffer leitete er den 3:2-Sieg über Ägypten in Cardiff ein.

Wenn er sich schon im Auftaktspiel des Olympischen Fussballturniers wohlgefühlt hat, mag man sich gar nicht ausmalen, wie er sich erst in der zweiten Partie gegen Belarus fühlen wird. Dann wird er nämlich die Außenlinie jenes Stadions bearbeiten, das er am allerbesten kennt – des Old Trafford, Spielstätte von Manchester United, wo der Brasilianer seit seiner Zeit als Nachwuchstalent aktiv ist.

"Mann, genau das habe ich auch zu den anderen in der Kabine gesagt: 'Für mich wird das ein Heimspiel, und für euch nicht'", erzählt der sympathische Brasilianer im Anschluss an sein Olympia-Debüt im Gespräch mit FIFA.com. "Ich bin schon seit fünf Jahren im Verein. Ich kenne die ganzen Leute, und ich denke, dass ein Großteil der Fans, die im Stadion sein werden, mich auch gut kennt. Das wird sicher ein ganz anderer Empfang werden."

Dass er seit so langer Zeit für einen der größten Klubs im Weltfussball spielt, stellt für Rafael sicherlich einen Trumpf im Ärmel dar. Schließlich möchte er sich über den Platz, den er sich mittlerweile in der Olympia-Auswahl erkämpft hat, seinen großen Traum erfüllen – die Teilnahme an der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014. "Ich sage immer: Bei Manchester United zu spielen, gibt mir Hoffnung, bei der WM dabei sein zu können", so das Talent, das aus der Nachwuchsabteilung von Fluminense Rio de Janeiro stammt. "Ich weiß, dass ich auf der Position die Konkurrenz sehr starker Spieler habe, wie etwa Dani Alves. Und ich weiß auch, wie wichtig es ist, meine Sache gut zu machen, wann immer der Trainer mich im Nationalteam aufstellt. Ich glaube, bislang habe ich das ganz gut geschafft."

Keine Partnerschaft ist für die Ewigkeit
Und in der Tat: Nimmt man die Partie gegen Ägypten als Maßstab, so hat Mano Menezes keinen Grund, an Rafael zu zweifeln. Die Aufstellung des Linksaußen Marcelo, der für seine Offensivqualitäten bekannt ist, sowie die Tatsache, dass auch Neymar und Hulk gerne nach links ausweichen, könnte zur Annahme führen, dass sich die Seleção besonders auf diese Seite des Spielfelds konzentriert. Doch der Akteur von Manchester United sorgte für eine ständige Präsenz auf dem rechten Flügel, wo er mit Mittelfeldmann Oscar stark zusammenspielte. Von ihm erhielt er auch das sehenswerte Zuspiel für seinen Treffer.

"Verdammt noch mal, haben Sie das gesehen? Oscar ist einfach genial", schmilzt Rafael aufrichtig dahin. Nicht aber, ohne die einzige negative Seite an dem Ganzen hervorzuheben. Diese große individuelle Qualität wird nämlich ab sofort einem der großen Rivalen seiner Red Devils zugute kommen – dem FC Chelsea, Oscars neuem Verein. "Er ist ein unglaublicher Spieler. Wenn ich sehe, was er alles drauf hat, und mir dann in Erinnerung rufe, dass er zur Konkurrenz wechselt, dann tut mir das wirklich leid", scherzt der Verteidiger.

Doch Rafael musste sich bereits an das Ende einer anderen, weitaus älteren Partnerschaft gewöhnen. Seit Jahren war er es gewohnt, oftmals nicht mit seinem Namen, sondern als einer der "Zwillinge von Manchester United" erwähnt zu werden – als ob die beiden eine Einheit seien. Seit letztem April ist dies nicht mehr der Fall, als die Red Devils verkündeten, seinen Bruder Fábio, der auf der linken Seite verteidigt, an die Queens Park Rangers auszuleihen. "In gewisser Weise könnte diese Trennung gut für uns sein. Vielleicht können wir auf diese Weise besser reifen", wägt Rafael ab, der zusammen mit seinem Zwillingsbruder sämtliche Nachwuchsabteilungen durchlief, sowohl bei Fluminense als auch in der Seleção – bis beide dann 2008 gemeinsam zu ManUnited wechselten. "Letzten Endes könnte dies für uns beide von Vorteil sein. Wir können eine andere Sicht der Dinge kennen lernen. Schließlich haben wir seit 22 Jahren alles zusammen gemacht", so der 22-Jährige. "Fábio fühlt sich dort drüben bereits wohl. Und ich – hier beim Nationalteam, und noch dazu im Old Trafford – werde dabei ganz sicher an ihn denken."