Yoshida: "Darauf können wir sehr stolz sein"
© Getty Images

Seit Beginn der immer noch andauernden Erfolgsära Spaniens fragen sich die klügsten Köpfe im Fussball, wie man den Iberern und ihrer unnachahmlichen Spielweise beikommen könnte. Dabei haben sich zahlreiche Trainer mindestens ebenso zahlreiche Strategien ausgedacht. Doch in einem Punkt waren sich bislang alle einig: Mit ihren eigenen Mitteln sind die Spanier nicht zu schlagen.

Doch die Japaner waren am ersten Spieltag des Olympischen Fussballturniers 2012 anderer Ansicht. Trainer Takashi Sekizuka forderte von seinen Schützlingen, besser zu passen und mehr Druck zu entfalten als die anerkannten Meister beider Disziplinen. Er ging damit ein taktisches Risiko ein, das sich letztlich auszahlte. Ein 1:0-Sieg gegen eine Mannschaft, die mit Europameistern aller Altersklassen nur so gespickt ist, wäre an sich schon beeindruckend genug. Doch die rundum überzeugende Art und Weise, in der Japan diesen Sieg herausspielte, hinterließ einen noch tieferen Eindruck.

Mannschaftskapitän Maya Yoshida meinte nach der Partie, es sei alles genau nach Plan gelaufen. "Wir hatten eine große Besprechung, bevor wir hierher kamen. Dabei wurde alles festgelegt", erklärte er gegenüber FIFA.com. "Das war eine große Hilfe für uns. Die taktische Marschroute wurde uns genau erklärt. Das hat den Spielern mental sehr geholfen und für viel Selbstvertrauen gesorgt. Nach dieser Besprechung waren wir überzeugt davon, Spanien schlagen zu können.

"Die Stürmer haben heute einen wichtigen Beitrag geleistet, indem sie die spanische Verteidigung schon sehr früh unter Druck gesetzt haben. Das hat es den Spaniern sehr schwer gemacht, sich zu ordnen und ihr normales Spiel aufzuziehen. Für uns war es gut, dass die Spanier das Spiel ziemlich langsam angegangen sind, denn das hat es uns viel leichter gemacht, ihre Angriffe zu stören."

"Wir hatten uns vor der Partie mit dem Trainer darauf geeinigt, dass wir die größten Siegchancen mit vielen Pässen hätten, anstatt uns zu sehr auf Einzelaktionen und spielerischen Instinkt zu verlassen. Dieses Passspiel hat heute sehr gut funktioniert. Wir alle fühlten uns sehr ballsicher und konnten eine ganze Menge guter Chancen herausspielen. Ich denke, dass wir heute tatsächlich im Passspiel besser waren als die Spanier und auch mehr gelaufen sind. Darauf können wir sehr stolz sein."

Die Erklärungen Yoshidas hören sich alle ganz einfach an. Doch auch er weiß, dass bei einem Turnier wie den Olympischen Spielen selbst die besten Planungen schnell über den Haufen geworfen werden können. Schließlich gehörte er selbst dem japanischen Team an, das bei den Spielen von Peking 2008 schon nach der Gruppenphase mit drei Niederlagen und nur einem einzigen erzielten Tor im Gepäck die Heimreise antreten musste. Was also war vier Jahre später anders?

"Es handelt sich um zwei völlig verschiedene Mannschaften", so der japanische Kapitän. "2008 hatten wir nur eine Handvoll Spieler mit Erfahrung in Europa. Jetzt hingegen haben wir Spieler im Team, die in Deutschland, den Niederlanden und anderen europäischen Ländern aktiv sind. Das gibt uns für dieses Turnier viel Selbstvertrauen und ermöglicht es uns, fest an uns und unsere Möglichkeiten zu glauben. Das Turnier von 2008 liegt gefühlsmäßig schon sehr lange zurück. Ich bin sicher, dass man auch bei den weiteren Spielen hier in Großbritannien eine ganz andere japanische Mannschaft sehen wird."

Diese Ankündigung dürfte bei Japans Konkurrenten im Turnier durchaus zu Sorgenfalten führen. Und mit der Ankündigung, dass sich sein Team nach dem Sieg gegen den Weltmeister durchaus noch steigern könne, legte Yoshida sogar noch nach. Er erklärte: "Wir hätten noch ein paar Tore mehr schießen können. Im Abschluss müssen wir einfach noch präziser sein. In der Abwehr waren wir heute sehr stark. Damit sind wir sehr zufrieden. Die Zufriedenheit über diesen Erfolg darf uns jetzt aber nicht zu selbstzufrieden machen, denn wir müssen auch in unseren nächsten Spielen wieder auf diesem Niveau spielen. Und ich glaube sogar, dass wir noch besser spielen können als heute."