
Ägypten nimmt in diesem Sommer zum elften Mal am Olympischen Fussballturnier teil. So oft war bislang kein anderes afrikanisches Land bei diesem Turnier vertreten. FIFA.com wirft einen Blick auf die bisherige Bilanz der Pharaonen beim weltgrößten Sportereignis.
Insgesamt hat sich Ägypten bislang sogar 13 Mal für das Olympische Fussballturnier qualifiziert. Allerdings hatte das nordafrikanische Land in zwei Fällen – für Melbourne 1956 und für Moskau 1980 – seine Teilnahme aus politischen Gründen zurückgezogen. Bei den zehn Turnierauflagen, bei denen die sie am Start waren, kamen die Ägypter zwar nur vier Mal über die Gruppenphase hinaus, belegten dabei aber zwei Mal den vierten Platz.
Unter dem Strich konnten sich die Pharaonen im Verlauf ihrer Teilnahme am Olympischen Fussballturnier kontinuierlich verbessern. Nachdem sie bei ihrer olympischen Premiere 1920 in Antwerpen schon nach der Vorrunde ausgeschieden waren, erreichten sie 1924 in Paris das Viertelfinale. 1928 gelang ihnen in Amsterdam nach einem überlegenen Vorrundensieg über die Türkei (7:1) und einem 2:1 über Portugal im Viertelfinale sogar der Sprung in die Vorschlussrunde, wo sie dann mit 0:6 an Argentinien scheiterten. Im Spiel um die Bronzemedaille musste Ägypten dann eine bittere 3:11-Niederlage gegen Italien hinnehmen.
Eine denkwürdige Partie
Danach wurde das Leistungsniveau der Ägypter deutlich schwächer, denn bei ihren folgenden vier Turnierteilnahmen (Berlin 1936, London 1948, Helsinki 1952 und Rom 1960) mussten sie jeweils nach der Vorrunde die Heimreise antreten. Erst 1964 in Tokio, wo Ägypten vom jugoslawischen Trainer Josef Vandler betreut wurde, schafften es die Pharaonen erneut bis ins Halbfinale. Damals hatten sie in ihrer Gruppe C gegen Brasilien ein Unentschieden (1:1) herausgeholt und danach gegen die Tschechoslowakei mit 1:5 verloren, bevor sie gegen die Republik Korea einen 10:0-Kantersieg landeten. Im Viertelfinale setzten sie sich dann gegen den afrikanischen Rivalen Ghana durch.
FIFA.com sprach mit dem ehemaligen Profi von Al Ahly und früheren ägyptischen Nationalspieler Abdelat Elsherbini über die denkwürdige Partie . "Das war ein sehr schweres Spiel. Ghana war im afrikanischen Fussball schon immer eine Macht. Nach einer halben Stunde Spielzeit wurde es für uns ziemlich eng. Einerseits stand es immer noch 0:0, andererseits konnte Tana Ismail wegen einer Verletzung nicht mehr weiterspielen. Und weil damals noch keine Auswechslungen erlaubt waren, mussten wir die restliche Zeit mit zehn Mann auskommen. Zu allem Überdruss schossen die Ghanaer kurz danach auch noch das Führungstor, so dass wir moralisch praktisch schon am Boden lagen. Doch dann traf Mohamed Badawi nur fünf Minuten später zum 1:1-Ausgleich. In der zweiten Halbzeit brachte Badawi unsere Mannschaft dann erstmals in Führung, bevor Ibrahim Riad und Rifaat Elfanagili binnen acht Minuten auf 4:1 erhöhen konnten. Kurz vor dem Abpfiff erzielte Elfanagili seinen zweiten Treffer zum 5:1-Endstand. Das war eines unserer besten Spiele überhaupt bei Olympischen Spielen."
Eine 20 Jahre andauernde Durststrecke
Als sich FIFA.com mit dem Ex-Stürmer von Al Ahly, Tana Ismail, traf, berichtete er uns von einer Anekdote, die ihn nach vielen Jahren an sein damaliges Verletzungspech erinnern sollte. "1998 war ich in Ghana, um dort einen Vortrag zu halten. Im Hotel kam plötzlich ein hochgewachsener und kräftiger Mann auf mich zu und sagte: Ich bin Dodoo Ankrah, und ich möchte mich bei Ihnen für die Verletzung entschuldigen, die Sie vor 34 Jahren erlitten haben'. Es war der damalige Torhüter von Ghana, und ich fand es einfach außergewöhnlich, dass er sich nach so vielen Jahren noch an diesen Zwischenfall erinnerte! Wir haben uns nett unterhalten und unsere Erinnerungen an dieses unvergessliche Spiel ausgetauscht."
Nach jenem Viertelfinalsieg traf Ägypten dann auf die seinerzeit gefürchteten Ungarn, die die Nordafrikaner glatt mit 6:0 besiegten, bevor sie Olympiasieger wurden. Im Spiel um den dritten Platz unterlagen die Pharaonen dann mit 1:3 gegen das Auswahlteam der ehemaligen DDR.
Es folgte eine 20 Jahre andauernde Durststrecke, bis Ägypten 1984 in Los Angeles erneut beim Olympischen Fussballturnier mit von der Partie war. Dieses Mal wurde die Mannschaft aus dem Land am Nil durch eine Spielergeneration vertreten, der zahlreiche Stars wie Mahmoud El Khatib, Taher Abou Zaid, Magdi Abdel Ghani und Ibrahim Youssef angehörten. Nach einer knappen Auftaktniederlage gegen Italien (0:1), einem Sieg über Costa Rica (4:1) und einem Remis (1:1) gegen die USA zogen die Ägypter als Zweiter der Gruppe D ins Viertelfinale ein, wo sie gegen den späteren Turniersieger Frankreich mit 0:2 unterlagen.
Die vorerst letzte Olympiateilnahme
1992 in Barcelona hatten die Pharaonen ihren vorerst letzten Auftritt bei Olympischen Spielen. Auch wenn dieser mit zwei Niederlagen und nur einem Sieg in der Gruppenphase (0:1 gegen Katar, 0:2 gegen Spanien und 4:3 gegen Kolumbien) mit einer Enttäuschung endete, erinnert sich der frühere Topspieler von Al Ahly, Hady Khashaba, dem gegen die Südamerikaner in der Nachspielzeit ein Doppelpack gelang, auch heute noch gern an dieses Turnier. "Bei den Olympischen Spielen dabei zu sein ist immer etwas Besonderes. Gemeinsam mit den anderen Olympiateilnehmern seines Landes, die ihrerseits in zahlreichen Sportarten zu Hause sind, wohnt man im Olympischen Dorf. Man sieht sich und unterstützt sich gegenseitig bei den jeweiligen Wettbewerben. Was den Fussball anbetrifft, so werde ich unser Gruppenspiel gegen Spanien wohl nie vergessen. Denn trotz unserer Niederlage und der Tatsache, dass die Partie nur 70 Minuten dauerte, war es für uns ein Vergnügen, gegen eine solche Mannschaft zu spielen. Etliche Spieler jener spanischen Olympiaauswahl schafften danach den Sprung in Spaniens A-Nationalteam und erhielten Profiverträge bei namhaften Klubs wie Real Madrid oder dem FC Barcelona, unter ihnen auch Pep Guardiola, Ex-Trainer von Barça. Obwohl wir vor dem letzten Gruppenspiel gegen Kolumbien bereits ausgeschieden waren, wollten wir uns unbedingt mit einem positiven Ergebnis aus dem Turnier verabschieden. Gott sei Dank konnte ich auch persönlich dazu beitragen. Nach Ablauf der regulären Spielzeit lagen wir noch mit 2:3 zurück, bevor ich in der Nachspielzeit gleich doppelt (91./94. Minute) traf und damit das Spiel noch drehen konnte."
Heute, da seit ihrer letzten Teilnahme am Olympischen Fussballturnier 20 Jahre vergangen sind, fragen sich die Pharaonen, ob ihr Auftaktspiel gegen Brasilien vielleicht ein gutes Omen ist und sie ihren Erfolg von 1964, als sie nach einem 1:1 in der Auftaktpartie gegen Brasilien am Ende mit dem vierten Platz belohnt wurden, eventuell wiederholen können. Oder werden sie es diesmal noch besser machen und gar eine Medaille gewinnen können? In ein paar Wochen werden wir es wissen.
