Er war ein unzähmbares Genie auf und neben dem Platz. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Hristo Stoichkov gehört zu jenen Persönlichkeiten, die niemanden gleichgültig lassen und oft extreme Gefühle wecken. Entweder wird er bewundert - oder verteufelt. Am Donnerstag, 8. Februar 2018, feiert der geniale "Bad Boy" seinen 52. Geburtstag.

Ohne Zweifel gilt er als bester Fussballer in der Geschichte Bulgariens, und seine Erfolgsliste beweist, dass er am Ball unbestritten über ein außergewöhnliches Können verfügte. Der Stürmer, der sich durch seine Schnelligkeit und Schussgewalt auszeichnete, blieb für sein überschäumendes Temperament auf dem Platz - aber auch außerhalb - in Erinnerung.

Ein aggressiver Charakter, durch den er an seinen guten Tagen ein Akteur sein konnte, der Ansporn gab und die ganze Mannschaft mitzog, der niemals aufgab und 90 Minuten lang mit der gleichen Intensität kämpfte. Doch dieselbe Aggressivität machte bisweilen aus ihm einen streitbaren Spieler.

Erfolg in Barcelona

Der am 8. Februar in Plovdiv geborene Stoichkov ließ bereits als Jugendlicher in der zweiten bulgarischen Liga seine außergewöhnliche Begabung erkennen. Schon bald weckte er die Aufmerksamkeit des besten Klubs des Landes, und im Alter von 18 Jahren landete er bei ZSKA Sofia. Nur ein Jahr später wurde er im Finale des bulgarischen Pokals in ein Handgemenge verwickelt, was ihm fast eine lebenslange Sperre einbrachte. Die Strafe wurde auf einen Monat reduziert, und nach seiner Rückkehr zeigte er sein anderes Gesicht - das des meisterhaften Torjägers.

1989 wurde er nach 38 Treffern in 30 Spielen mit dem goldenen Ball als bester europäischer Torschütze ausgezeichnet.

Ab dem folgenden Jahr trug er das Trikot des FC Barcelona, und mit seiner Rückennummer 8 avancierte er zu einem der Helden des von Johan Cruyff geleiteten Dream Teams, das neben vielen weiteren Titeln insbesondere den ersten Europapokal in der Geschichte des katalanischen Klubs gewann. Bis auf eine Saison in der Serie A beim AC Parma (1994/95) blieb er bis 1998 in Barcelona.

Es waren seine besten Jahre als Fussballer. Und dies, obwohl seine Karriere im Dream Team nach einer Tätlichkeit gegen einen Schiedsrichter mit einer zweimonatigen Sperre begann. Doch er gewann mit Barça alles, was es zu gewinnen gab - dank seiner explosiven Antritte, seinem schussgewaltigen linken Bein und seiner schwindelerregenden Dribblings in vollem Lauf sogar die Herzen der Fans.

Idol Bulgariens
Seinen sportlichen Höhepunkt erreichte er im Jahr 1994, als er mit dem Ballon d'Or ausgezeichnet wurde, der von der Fachzeitschrift France Football vergeben wurde.

Es war gleichzeitig das Jahr, in dem er zum nationalen Helden aufstieg, nachdem er die bulgarische Mannschaft zu ihrem größten Erfolg führte. Bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA erreichte Bulgarien das Halbfinale, das indes gegen Italien (1:2) verloren wurde. Im Spiel um Platz drei schließlich unterlag das Team Schweden (0:4). Trotz dieser Enttäuschung zum Abschluss konnte sich Stoichkov darüber freuen, gemeinsam mit dem Russen Oleg Salenko als erfolgreichster Torschütze des Turniers ausgezeichnet worden zu sein.

Zwei Jahre später sollte es dieser Generation gelingen, dass sich Bulgarien erstmalig seit 28 Jahren für die Europameisterschaft qualifizierte. Die Bulgaren scheiterten zwar in der ersten Runde, aber Stoichkov erzielte in jeder Gruppenpartie einen Treffer. Es waren die goldenen Jahre des bulgarischen Fussballs.

Der Stürmer erklärte 1999 seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft, nach 13 Jahren, 83 Länderspielen und 37 Toren. "Kein Bulgare wird es jemals so weit bringen wie ich", sagte er 2007 in seiner typischen Art zu FIFA.com.

Wechsel auf die Trainerbank
In jener Zeit endete auch seine Zeit beim FC Barcelona und er kehrte 1999 noch einmal kurz zu ZSKA zurück. Bis zu seinem endgültigen Rücktritt 2004 sammelte er noch recht unterschiedliche Erfahrungen: Al Nasr in Saudiarabien, Kashima Reysol in Japan und die MLS waren die letzten Stationen in seiner aktiven Karriere.

Doch er wollte weiter im Fussball tätig sein und beschloss, die Trainerlaufbahn einzuschlagen. Er ließ sich in Barcelona nieder und erlernte bei seinem Lieblingsklub das Trainerhandwerk. Im Juli 2004 übernahm er die Leitung der bulgarischen Nationalmannschaft, doch es kam schon bald zu internen Konflikten mit einigen Führungsspielern der damaligen Generation.

Nach einer misslungenen Qualifikationsphase für die UEFA EURO 2008 trat er 2007 zurück. Er übernahm die Aufgabe, den kriselnden Klub Celta de Vigo in der ersten spanischen Liga vor dem Abstieg zu bewahren. Doch der Klassenerhalt wurde verpasst und sein Engagement endete bereits nach sechs Monaten. Später stand er noch bei den Mamelodi Sundowns in Südafrika (2009/10), sowie den bulgarischen Klubs Litex Lovech (2012/13) und ZSKA Sofia (2013) an der Seitenlinie.

Als Trainer war ihm allerdings nicht der gleiche Erfolg wie als Spieler vergönnt. Sein Talent auf dem Fussballplatz ließ sich nicht ohne weiteres auf die Trainerbank übertragen. Doch sein Charakter ist derselbe geblieben: Mit seinem Zorn und seiner Courage kann er seine Spieler motivieren. Doch nicht selten gerät er durch sein Temperament in Schwierigkeiten.

Und so zieht ein Genie und eine große Persönlichkeit die folgende Bilanz seiner Karriere: "Ob ich etwas bereue? Viele Dinge, doch ich werde niemals meine Deckung fallen lassen, denn es gibt immer Leute, die dir eins auswischen wollen, vor allem die Neider."

Hätten Sie's Gewusst?

Cruyff wurde im Halbfinale des Europapokals der Pokalsieger zwischen Barça und ZSKA Sofia auf Stoichkov aufmerksam. Der Bulgare, der im Camp Nou zwei Tore erzielte, trug schon in der folgenden Saison das Trikot Barcelonas.

Beim Supercup 1990 gegen Real Madrid wurde Stoichkov des Feldes verwiesen, und als Antwort trat er dem Schiedsrichter auf den Fuß. Jahre später schenkte er dem Schiedsrichter die Schuhe, die er damals getragen hatte.

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21 Dez 2015