Seit drei Jahrzehnten prägt Zinédine Zidane die großen Momente im Weltfussball entscheidend mit, zunächst als Spieler und dann als Trainer. Er hat nicht nur auf Vereinsebene und mit der französischen Nationalmannschaft alle großen Titel geholt, sondern bei den Triumphen seiner Teams auch immer eine entscheidende Rolle gespielt. Aus diesem Grund steht dem Franzosen bereits jetzt ein Ehrenplatz in den Geschichtsbüchern des Fussballs zu.

Hinter dem lächelnden Bild des Siegers verbirgt sich jedoch ein wenig glamouröseres Bild, das die eigentlichen Verdienste Zidanes aber noch besser erklärt. Hinter den Erfolgen von Zizou steckt nämlich eine enorme Dosis an Fleiß und Einsatzbereitschaft, was nur wenigen Fans bekannt ist. Nun, da er als Trainer arbeitet, ist das noch mehr in Vergessenheit geraten. Genau darüber unterhielt sich der Trainer von Real Madrid in einem Exklusiv-Interview mit FIFA.com.

In Ihrer Laufbahn als Trainer von Real Madrid haben Sie fast vom ersten Augenblick an große Erfolge feiern können. Haben Sie das so erwartet?
Natürlich habe ich mir das gewünscht. Wenn man bei Real Madrid ist, wird von einem erwartet, das man alles tut, um alles zu gewinnen. Es gab also vom ersten Tag an sehr hohe Erwartungen. Natürlich weiß ich, dass es außergewöhnlich war, bereits in meinem ersten Jahr die UEFA Champions League zu gewinnen. Jetzt versuchen wir nach Kräften, diesen Erfolg zu wiederholen und auch den Titel in der Liga zu holen. So ist es eben im Fussball. Man bleibt nie stehen. Die Titel gehören rasch der Vergangenheit an und man muss immer wieder neue Titel holen.

Haben Sie sich diese Erfolge als Trainer vorgestellt, als Sie Ihre aktive Laufbahn beendeten?
Nein, denn als Spieler habe ich mir immer gesagt, dass ich niemals Trainer werden wollte. Nach meinem Rücktritt habe ich mich zunächst anderen Dingen gewidmet, auch wenn ich immer den Kontakt zum Fussball und auch zu Real Madrid hielt. Dann habe ich gemerkt, dass ich eigentlich weiter auf dem Rasen bleiben wollte. Und so habe ich mich vorbereitet, um Trainer zu werden. Und jetzt ist es das, was mir am meisten gefällt!

Vermisst man es ab und zu nicht, dann doch noch einmal die Schuhe anzuziehen und wieder Spieler zu sein?
(lacht) So ist das Leben nun einmal! Es war eine tolle Zeit, es war wunderbar, Spieler zu sein! Aber irgendwann ist diese Phase nun einmal zu Ende, unweigerlich. Doch ich kann mich auch weiterhin meiner Leidenschaft widmen und das tun, was mir am meisten gefällt. Ich kann mich also nicht beschweren.

Sie haben als Spieler und Trainer die größten Siege feiern können. Erlebt man diese Triumphe anders?
Es ist ähnlich, aber nicht genau das Gleiche, denn schließlich arbeitet man anders und auch die Umstände sind verschieden. Die Emotionen sind die gleichen. Ich glaube sogar, dass man es als Trainer mehr genießt, denn es ist schwieriger, diese Triumphe zu erreichen. Die Emotionen sind in allen Fällen sehr stark.

Bemerkenswert ist, dass Sie sagen, dass die Siege als Trainer schwerer zu erreichen sind. Warum empfinden Sie das so?
Als Spieler kümmerst du dich nur um dich selbst, um das, was du auf dem Platz machst, aber eigentlich nicht zu sehr um den Rest des Teams. Natürlich habe ich immer auch meine Mitspieler im Auge behalten und ihnen gute Vorlagen geliefert! (lacht) Als Trainer dagegen musst du dich um den gesamten Kader, um alle vierundzwanzig Spieler kümmern, und nicht nur um sie, sondern um das ganze Umfeld eines Spiels, vom Anfang bis zum Ende. Die größere Schwierigkeit zeigt sich daran, dass du nun viel mehr Stunden täglich dem Fussball opferst.

Was ist für Sie als Trainer am Anstrengendsten?
(denkt nach)... Nichts Besonderes eigentlich. Als die Wahl auf mich als Trainer von Real Madrid fiel, wusste ich, dass es eine schwierige Aufgabe werden würde. Ich war bereits Trainer der zweiten Mannschaft des Vereins gewesen, wusste aber genau, dass ich nun in ganz anderen Dimensionen denken musste. Natürlich fühlte ich mich bereit, denn ich kannte alles. Nach 15 Jahren bei Real wusste ich, was dieser Verein bedeutet und wie er tickt. Was zu tun blieb, war viel harte Arbeit. Ich musste meine Ideen umsetzen und dann kamen die entsprechenden Ergebnisse.

Es verwundert etwas, dass ein Spieler, der sich immer aufgrund seines Talents von den anderen abhob, mit so viel Bewunderung von harter Arbeit spricht …
Sie gefällt mir am meisten! Es war der beste Rat, den ich in meiner Karriere erhalten habe. Mehr als das Talent zählt nämlich der Fleiß. Ohne harte Arbeit erreicht man nichts.

Wenn Sie heute an den Spieler Zidane denken, was gefällt Ihnen am besten und was am wenigsten?
Als Spieler hatte ich meiner Ansicht nach einen guten Einfluss auf jedes Team. Ich habe mich immer angepasst und dafür gesorgt, dass die anderen glänzen konnten. Es durfte sich also niemand beschweren. Es hat mich begeistert, wenn ich meinen Mitspielern zu Toren verhelfen konnte. Das hat auch meinen Trainern sehr gefallen. Was ich zu kritisieren hätte? (denkt nach) Es ist schwer, das zu sagen. Natürlich hatte ich auch Fehler, aber da sollte man eher die anderen fragen (lacht).