Einst verlief die berühmte Seidenstraße von Asien nach Europa durch Kirgisistan und der malerische See Yssykköl war ein wahres Juwel an diesem alten Handelsweg. Fussballerisch indes hat das gebirgige Land seit seiner Unabhängigkeit 1991 keine wichtige Rolle gespielt.

Gegen die regionalen Konkurrenten Usbekistan und Turkmenistan zog man immer wieder den Kürzeren. Gegen Tadschikistan gab es in den sieben bisherigen Partien nur einen einzigen knappen Sieg. Mit dieser Bilanz ging das Team im März in die Qualifikation für den AFC Challenge Cup 2014.

Bei der ersten Auflage dieses asiatischen Turniers im Jahr 2006 holte Kirgisistan immerhin die Bronzemedaille, doch das blieb bislang der einzige nennenswerte Erfolg auf internationaler Ebene. 2010 konnte sich die ehemalige Sowjetrepublik zwar erneut für die Endrunde qualifizieren, schied jedoch nach Niederlagen gegen die DVR Korea und Turkmenistan sang- und klanglos aus.

Ein Geschenk an die Fans und das Land
Nachdem Kirgisistan im vergangenen Jahr in Nepal nicht dabei war, schöpfte das Team nun in der Qualifikation für den nächsten AFC Challenge Cup im kommenden März auf den Malediven wieder neue Hoffnung. Vor seinen treuen Fans startete das Team mit zwei 1:0-Siegen gegen Macau und Pakistan ins Turnier und konnte sich dann auch gegen den alten Rivalen Tadschikistan mit dem gleichen Ergebnis durchsetzen. Damit war die dritte Endrundenteilnahme unter Dach und Fach.

Als Konsequenz dieses Erfolges machte Kirgisistan in der aktuellen Auflage der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste einen gewaltigen Sprung von 59 Plätzen. Damit verzeichnete das Land die größte Verbesserung aller Teams rund um die Welt. In der Weltrangliste von März hatte Kirgisistan noch auf Platz 201 gelegen, so weit hinten wie nie zuvor. Der jetzige Rang 142 bedeutet die beste Platzierung seit Oktober 2009, als man es bis auf Rang 137 geschafft hatte.

"Dieser Erfolg ist ein Geschenk für unsere Fans und für das ganze Land", so Semetey Sultanov, der Präsident des Fussballverbandes von Kirgisistan, gegenüber FIFA.com. "Drei Spiele – drei Siege! Die Mannschaft hat ihre Aufgabe erfüllt und gezeigt, dass sie konkurrenzfähig ist."

Der Erfolg verdeutlicht die Fortschritte, die unter dem neuen russischen Trainer Sergey Dvoryankov gemacht wurden. "Sergey macht seine Sache sehr gut", so Sultanov weiter. "Unter seiner Leitung hat die Mannschaft neues Selbstvertrauen gefunden. Der gesamte Trainerstab macht einen guten Job und der Fussballverband trägt mit guter Organisationsarbeit ebenfalls zum Erfolg bei."

Der Verbandspräsident sprach auch der FIFA seinen Dank aus, die durch ihr Goal-Programm bereits seit einem Jahrzehnt wichtige Unterstützung leistet. Er sagte: "Viele Jahre lang war die finanzielle Unterstützung der FIFA die einzige Geldquelle für uns. Sicher reicht das nicht aus, um alle Ziele zu erreichen, doch diese Hilfe hat Kirgisistan ermöglicht, sich seinen Platz auf der Fussball-Weltkarte zu bewahren."

Tetteh mit Traumdebüt
Der Erfolg auf dem Platz wurde indes erst durch die herausragende Leistung eines Neulings in der Nationalmannschaft möglich. David Tetteh, ein 27-jähriger Stürmer, hätte sich keinen besseren Start für seine internationale Karriere wünschen können. Er erzielte alle drei Tore seines Teams in den drei Spielen.

Tetteh hatte sich auf nationaler Ebene in Kirgisistan bereits einen guten Ruf als Torjäger erarbeitet und bei seinem Klub Dordoi Bishkek zu fünf der bisherigen sieben Meistertitel beigetragen. In den Partien gegen Macau und Pakistan war er nicht zu bremsen und erzielte jeweils den Siegtreffer. Und auch im entscheidenden Spiel gegen das hoch favorisierte Team von Tadschikistan bewahrte er einen kühlen Kopf und erzielte das Tor, das dem Team den Sieg und die Qualifikation bescherte.

"Ich bin zum ersten Mal für mein Land angetreten", so der beliebte Torjäger gegenüber FIFA.com. "Aber die Leute kannten mich ja schon gut. Entsprechend haben sie jeden meiner Treffer bejubelt. Ich habe auf dem Platz mein Bestes gegeben und bei allen Pässen meiner Mitspieler versucht, den Ball im Tor unterzubringen. Ich hoffe, dass ich beim Challenge Cup im März erneut in so guter Form bin und mein Team dort weitere Spiele gewinnt."

Für Verbandspräsident Sultanov bedeutet das Turnier 2014 auf den Malediven eine seltene Gelegenheit, ein wichtiges Ziel zu erreichen. "Seit meiner Wahl zum Präsidenten habe ich das Ziel ausgegeben, beim Asien-Pokal 2015 dabei zu sein. Viele bezweifeln, dass wir die Chance haben, dies (durch den Titelgewinn beim AFC Challenge Cup) zu erreichen. Doch ich habe Vertrauen in unsere Mannschaft. Wir werden hart arbeiten und uns optimal auf das Turnier vorbereiten.

"Wir haben unsere Strategie seit 2012 geändert und konzentrieren uns jetzt auf den Aufbau von starken Nachwuchsteams, die in ihren jeweiligen Altersklassen die Asienmeisterschaften erreichen können. Mit ambitionierten, jungen Talenten werden wir eine erfolgreiche Zukunft haben und können es sogar schaffen, uns für die Weltmeisterschaft qualifizieren."