Wo findet der älteste Fussballwettbewerb der Welt außerhalb Großbritanniens statt?

Falls Sie zur Masse derer gehören, die die Antwort nicht kennen, machen Sie sich auf eine Überraschung gefasst. Es handelt sich nämlich nicht um die Copa del Rey oder das Campeonato Paulista - das sind lediglich die ältesten noch bestehenden Wettbewerbe auf dem europäischen Festland bzw. in Südamerika -, sondern um den Durand Cup, der an einem Ort ausgetragen wird, den man auf der Fussballweltkarte lange suchen muss: Indien.

Das mag sich zunächst wie ein absolutes Kuriosum anhören, wird Indien doch in der Regel nur mit zwei Sportarten in Verbindung gebracht: Im Feldhockey haben die Männer doppelt so viele Olympische Goldmedaillen gewonnen wie jedes andere Land, und die 20 Titel im Cricket suchen auch ihresgleichen. Doch wer tiefer blickt, findet auch so manche erstaunliche Eigenheit.

So nutzte etwa Mahatma Gandhi, der Indien mit gewaltlosem Widerstand in die Unabhängigkeit führte, Fussball zum Einreißen ethnischer Schranken in Südafrika und sozialer Schranken in seiner Heimat. Mut und technisches Geschick der barfüßigen indischen Fussballer bei den Olympischen Spielen 1948 machten Prinzessin Margaret, die jüngere Schwester der noch heute regierenden Königin Elizabeth II., zum Edelfan.

Salien Manna ist der einzige Asiate, der es je als einer der zehn besten Spielführer ins prestigeträchtige Jahrbuch des englischen Fussballverbandes FA geschafft hat. Indien war in den Anfangstagen des internationalen Fussballs die dominierende Mannschaft Asiens. Zu einem Spiel zwischen East Bengal und Mohun Bagan kam einst die Rekordzahl von 130.000 Zuschauern, und auch sonst liegt die Zahl der Zuschauer regelmäßig zwischen 80.000 und 105.000.

Bescheidene Anfänge
Die Briten machten Fussball im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in zahlreichen Ländern bekannt. In Indien jedoch führten sie das schönste aller Spiele viel früher ein als anderswo. Ende der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts begannen britische Soldaten damit, mit Einheimischen Fussball zu spielen. Das erste aufgezeichnete Spiel war 1854 die Partie zwischen dem Calcutta Club of Civilians und den Gentlemen of Barrackpore.

Den Durand Cup wiederum gibt es seit 1888. Er ist damit der viertälteste noch bestehende Fussballwettbewerb der Welt - nach dem FA Cup in England sowie den schottischen und walisischen Pokalwettbewerben. Im darauffolgenden Jahrzehnt wurden in Indien noch weitere Wettbewerbe geschaffen. Sie wurden allerdings samt und sonders von britischen Vereinen beherrscht. Erst 1913 sorgte Mohun Bagan mit einem 2:1 im Endspiel um den IFA Shield gegen das East Yorkshire Regiment für eine Sensation. 

Auf und nieder, immer wieder
International erstmals vertreten war Indien beim Olympischen Fussballturnier der Männer 1948. Gegen Frankreich ging es um den Einzug in die zweite Runde. Und falls es im Vorfeld jemanden gegeben hatte, der den Indern eine Außenseiterchance einräumte, so änderte sich dessen Meinung sicherlich, als die Mannschaft vom Subkontinent barfuß auflief. Tatsächlich ging Frankreich auch wie erwartet in Führung. Das Publikum aber war so begeistert von den ohne Schuhe spielenden Indern, dass es den Außenseiter zum Ausgleich trieb. Danach belagerte Indien zwar das gegnerische Tor, vergab jedoch gleich zwei Elfmeter, so dass René Persillon letztlich in der Schlussphase doch noch der Siegtreffer für Frankreich gelang.

"Prinzessin Margaret zeigte sich anschließend beeindruckt davon, wie gut wir auch ohne Fussballschuhe gespielt hatten", erinnerte sich Indiens Kapitän Talimeran Ao später. Diese Worte aus dem Mund der Tochter Georgs VI. - des letzten Kaisers von Indien - waren nicht alles, was die Spieler von ihrer Europareise mitbrachten. Es gab auch einen handfesten Erfolg gegen den niederländischen Renommierklub Ajax Amsterdam in einem Freundschaftsspiel.

In den darauffolgenden 15 Jahren stellte Indien mit Stars wie PK Banjeree und Neville D’Souza die beste Mannschaft Asiens. Indien gewann die ersten Asienspiele 1951, kam fünf Jahre später sensationell ins Halbfinale der Olympischen Spiele, besiegte die Republik Korea im Entscheidungsspiel der vierten Asienspiele 1962 und wurde zwei Jahre darauf Zweiter beim AFC Asien-Pokal.

Doch mit dem Aufstieg von Iran, Japan, der Republik Korea und Saudiarabien ging in der Folge auch der Abstieg Indiens einher. Erst in jüngster Zeit wendet sich das Blatt wieder