Ein Elfmeter ist ein Duell zwischen einem Schützen und einem Torhüter – jedenfalls meistens! Doch manchmal sieht sich der Mann zwischen den Pfosten auch zwei Spielern gegenüber!

Ein Beispiel hierfür gab es im Dezember 1982 in den Niederlanden. Ajax Amsterdam lag mit 1:0 gegen Helmond Sport in Führung, als Johan Cruyff einen Elfmeter bekam. Der Ausnahmespieler trat selbst zur Ausführung an, doch statt den Ball direkt aufs Tor zu schießen, legte er ihn nur kurz quer in den Laufweg seines Teamkameraden Jesper Olsen. Olsen zog Helmonds Torhüter Otto Versfeld auf sich und spielte dann zurück zu Cruyff, der den Ball bloß noch ins leere Tor zu schieben brauchte.

"Ich war völlig verblüfft", sagte Versfeld später. "Irgendwie hatte ich gar nicht richtig mitbekommen, was da abgelaufen war!" Cruyff sagte: "Es war kurz vor Weihnachten und wir wollten unseren Fans ein unvergessliches Geschenk machen!"

In den Schlagzeilen rund um die Welt hieß es damals, in Amsterdam sei der Zwei-Mann-Elfmeter erfunden worden. Doch eigentlich war diese Variante schon ein Vierteljahrhundert zuvor entstanden – nämlich heute vor genau 55 Jahren – auf der anderen Seite der Grenze in Brüssel.

Es geschah in einem Qualifikationsspiel für die FIFA Fussball-WM Schweden 1958 zwischen Belgien und Island. Gegen Ende der ersten Halbzeit führten die Roten Teufel bereits klar mit 6:1. Da bekam Rik Coppens die Gelegenheit, die Führung per Strafstoß noch weiter auszubauen. Statt den Ball direkt aufs Tor zu jagen, spielte der 27-jährige Stürmer zu Andre Piters, der den isländischen Torhüter Bjorgvin Hermannson von der Linie lockte und dann zurück zu Coppers spielte, der nur noch einschieben musste.

"Er war auf dem Platz sehr extrovertiert", sagte Theo van Rooy, ein früherer Teamkamerad von Coppens. "Er machte einfach gerne Sachen, bei denen die Leute nur überwältigt "Wow!" riefen, und an diesem Tag hat das ganze Stadion "Wow!" gerufen. Gut nur, dass es auch geklappt hat. Man stelle sich vor, was die Leute gesagt hätten, wenn es schief gegangen wäre…"

Was die Leute dann sagen würden, erfuhren viele Jahre später Robert Pires und Thierry Henry. In einem Premier-League-Spiel gegen Manchester City traf Pires den Ball nicht richtig, den er eigentlich in den Lauf von Henry spielen wollte, und die Chance war vertan. Die beiden Franzosen waren Coppens und Piters für deren Erfindung daher ganz bestimmt nicht dankbar!