Normalerweise findet man die Stars der Nationalmannschaften überwiegend im Erstliga-Fussball rund um den Globus. Aber auch Nationalspieler mit Zweitliga-Erfahrung sind mitunter keine Seltenheit. Doch kennen Sie einen Spieler, der die Farben seines Landes trägt und dabei in der fünften Liga kickt? Nein? Dann dürfte die Geschichte von Mustafa Hadid von besonderem Interesse sein.

Der Afghane schnürt nämlich für den Oberligisten Altona 93, einem Stadtteilklub von Hamburg, in Deutschland die Fussballschuhe.1996 kam er gemeinsam mit seiner Familie in die Hansestadt, um den Kriegswirren in seinem Heimatland zu entkommen. "Seitdem war ich nicht mehr in Afghanistan", gesteht Hadid im exklusiven Interview mit FIFA.com.

"Meine Eltern erzählen mir aber noch viel über Afghanistan. Die Fussballbegeisterung dort ist sehr groß, und es ist die Sportart Nummer eins. Alle lieben den Fussball. Es gibt viele Straßenfussballer, schließlich ist es eine einfache Sportart, die nicht viel kostet. In den Dritte-Welt-Ländern ist das so. Ein Ball ist nicht schwer zu finden und dann kann man auch schon loslegen. Ich habe aber sonst keinen Kontakt dorthin, außer natürlich zu den Nationalspielern."

Ein Stürmer auf Abwegen
Während der 23-Jährige in Deutschland bisher lediglich im Amateurbereich Fuß fassen konnte, stand er für die Nationalmannschaft bereits in mehr als 15 Länderspielen auf dem Platz. An seine erste Partie im Dress der Nationalelf kann er sich noch gut erinnern. "2008 bei der Südasien-Meisterschaft ging es in Colombo gegen Sri Lanka, und ich habe gleich mein erstes Tor erzielt (Endstand: 2:2)."

Inzwischen sind vier weitere Treffer hinzugekommen. Obwohl der gelernte Stürmer zwischenzeitlich eher für das Verhindern von Toren zuständig war. "Die letzten Spiele habe ich als rechter Verteidiger ausgeholfen, weil wir viele Verletzte hatten", verrät er lachend. Dies sei aber kein Problem, schließlich habe er diese Rolle bereits auch in Deutschland mehrmals erfolgreich ausgefüllt.

Ohnehin ist die Geschichte des Mustafa Hadid nichts Alltägliches - vor allem nicht für seine Gegenspieler in der fünften Liga. Schließlich kommt man nur selten bis gar nicht in den Genuss, gegen einen aktuellen Nationalspieler antreten zu dürfen. "In Hamburg dürfte inzwischen bekannt sein, dass ich für die afghanische Nationalmannschaft spiele. Aber ich werde nicht härter rangenommen als andere." Dabei ist er nicht der einzige afghanische Nationalspieler in der Hansestadt im Norden Deutschlands. Ata Yamrali oder Obaidulla Karimi sind ebenfalls im Amateurfussball aktiv. Deren letztes Länderspiel liegt allerdings - anders als bei Hadid - bereits einige Jahre zurück.

Ein Unentschieden als Erfolg
Den Traum einer großen Fussballerkarriere hat Hadid schon so gut wie aufgegeben, wenn auch noch nicht ganz. "Jeder Fussballer hat den Traum, Profi zu werden. Für mich ist das mit 23 Jahren eigentlich schon zu spät. Die Hoffnung ist aber noch da." Zur Zeit arbeitet er in einem Kindergarten und wartet auf seinen Studienplatz für Umwelttechnik. 

Student, daneben Fussballer und dazu der Traum, doch noch einmal auf der ganz großen Bühne zu stehen. Ein wenig "Höhenluft" durfte Hadid bereits vor einigen Monaten schnuppern, als er mit Afghanistan in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ antrat. Das Hinspiel gegen Palästina fand in Tadschikistan statt und ging mit 0:2 verloren, im Rückspiel trotzte man den Gastgebern ein 1:1-Unentschieden ab. "Natürlich waren wir über das Ausscheiden enttäuscht, aber letztendlich können wir mit dem Remis in Palästina sehr zufrieden sein." 

Jetzt gelte die ganze Konzentration der Asien-Meisterschaft. "Da ist das erste Ziel, uns gegen die asiatischen Mannschaften durchzusetzen. Dafür arbeiten wir." 2015 steigt das nächste kontinentale Gipfeltreffen der AFC in Australien. Genug Zeit, um Grundlegendes auf den Weg zu bringen. Dabei fehle es vor allem an Geld für Trainingslager, um sich besser kennenzulernen, so Hadid. "Wir werden zu den Spielen eingeladen, reisen drei, vier Tage vorher an und können daher nur zwei oder dreimal gemeinsam trainieren. Das ist schwierig."

Freude und Hoffnung für Afghanistan
Dies solle aber keineswegs als Kritik zu verstehen sein, betonte Hadid gegenüber FIFA.com. "Die Spieler aus Afghanistan haben ein ganz anderes Verhältnis zur Situation. Wir in Deutschland haben es gut, die haben ganz andere Probleme. Es ist für die Nationalspieler immer schön, zusammenzukommen."

Und so wird der sympathische Stürmer auch künftig ab und an seine Koffer packen, um in Hamburg die Amateurplätze hinter sich zu lassen, um im Nationaltrikot nicht nur sich selbst, sondern einer ganzen krisengeschütelten Nation Freude und Hoffnung zu geben.