Auch in dieser Saison bestätigt der FC Brügge bislang seinen seit dem Sommer 2007 anhaltenden Aufwärtstrend. Kernstück der Mannschaft des flämischen Traditionsklubs, die sich erneut an der Tabellenspitze der belgischen Jupiler League etabliert hat, bildet ein offensives Dreigestirn von beachtlicher Durchschlagskraft. Während Joseph Akpala, dessen Verpflichtung den schmerzlichen Verlust von François Sterchele wettmachen sollte, die in ihn gesetzten Erwartungen nach wie vor erfüllt, erlebt Wesley Sonck derzeit eine Art zweiten Frühling und macht zudem mit herausragenden Leistungen in Belgiens Nationalmannschaft auf sich aufmerksam. Und der Dritte im Bunde, Nabil Dirar, hat seinen Wechsel aus der dritten Liga zu einem großen Verein geradezu glänzend gemeistert. FIFA.com stellt die drei Profis näher vor, die im Venedig des Nordens, wie Brügge wegen seiner zahlreichen Kanäle und Brücken oft genannt wird, inzwischen zu wichtigen Schlüsselspielern avancierten.

Brügges aktueller Klubtrainer Jacky Mathijssen ist dafür bekannt, dass er sich in bestimmten Situationen voll hinter seine Spieler stellt. Gleichzeitig sagt man ihm aber auch einen autoritären und unberechenbaren Führungsstil nach. Der Ex-Coach von Sporting Charleroi, der als bekennender Anhänger des Rotationsprinzips gilt, wurde im Sommer 2007 nach Brügge geholt, um den angeschlagenen Traditionsklub wieder aus der Krise zu führen, was ihm auch nachhaltig gelang. Zu seinen ersten Maßnahmen zählte die Verpflichtung von Sonck, Akpala und Dirar, aus denen Mathijssen ein starkes Offensiv-Trio formte und so seine ersten Pluspunkte verbuchte. Im Gegensatz zum venezolanischen Jungstar Ronald Vargas, dem belgischen Nationalspieler Karel Geraerts, dem Nachwuchstalent Jonathan Blondel oder dem Spielmacher Ivan Leko aus Kroatien haben die drei Angreifer bisher kaum einmal auf der Ersatzbank Platz nehmen müssen.

Akpala: Der torhungrige Nigerianer
Dem nigerianischen Jungnationalspieler Joseph Akpala, der in der vergangenen Saison noch für Sporting Charleroi spielte und mit 31 Treffern Torschützenkönig der Jupiler League wurde, hatte man bei seinem neuen Klub eine äußerst schwere Aufgabe zugedacht: Er sollte den Verlust des bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommenen François Sterchele kompensieren. Und tatsächlich: In den drei Monaten, die seit seinem Vereinswechsel vergangen sind, ist es Akpala trotz eines kleinen konditionellen Durchhängers bereits gelungen, seine Verpflichtung auf eindrucksvolle Weise zu rechtfertigen. Denn mittlerweile ist der Nigerianer aus dem Offensivsystem des FC Brügge nicht mehr wegzudenken, und wenn er mal nicht spielt, dann leidet nicht nur sein Sturmpartner Sonck darunter, sondern auch der Spielfluss der gesamten Mannschaft gerät ins Stocken. Im Übrigen führt Akpala mit bislang sieben Saisontreffern auch die interne Torschützenliste im Verein an.

"Für mich ist es keine Überraschung zu sehen, dass er sich zu dem Topspieler entwickelt hat, der er heute ist. Deshalb kann er die Torschützenkrone auch locker zum zweiten Mal in Folge holen", sagte unlängst sein früherer Mitspieler von Sporting Charleroi, Badou Kere. "Joseph hat noch ein riesiges Potenzial, um sich weiter zu verbessern, und er ist nie mit sich selbst zufrieden. In Charleroi hat er häufig noch allein weiter trainiert, wenn alle anderen längst unter der Dusche standen. Oft komplimentierte ihn gar die Putzfrau hinaus mit den Worten: "Hast Du denn gar kein Zuhause?" Der Perfektionist Akpala ist ein Freund großer Auftritte. Trainer Mathijssen schonte ihn in dieser Woche und gönnte ihm anlässlich eines Pokalspiels eine Ruhepause. Umso mehr wird der Löwe Joseph in der nächsten Partie seine Krallen zeigen.

Routine und jugendlicher Elan bringen kompletten Erfolg
Was den Routinier Wesley Sonck anbetrifft, so ist dieser bereits an den hohen Druck in entscheidenden Spielen gewöhnt. Inzwischen hat der frühere Star des KRC Genk zu seiner Bestform zurückgefunden, was er mit seiner Leistung im jüngsten Qualifikationsspiel zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ gegen Spanien nachhaltig untermauerte. Seit der Rückkehr in seine belgische Heimat - zuletzt hatte er mit nur mäßigem Erfolg bei Borussia Mönchengladbach gespielt - zählt Sonck neben Nationaltorhüter Stijn Stijnen zu den wichtigsten Stützen des FC Brügge und sorgt sowohl in der Nationalmannschaft als auch im UEFA-Pokal für Furore. Da er sich in den Meisterschaftsspielen einer konsequenten Manndeckung seitens der gegnerischen Abwehrspieler ausgesetzt sieht, fällt seine Trefferquote mit fünf Toren aus elf Spielen etwas weniger üppig aus. Aufgrund seiner natürlichen Autorität ist Sonck indes auch als Führungspersönlichkeit für die Mannschaft unverzichtbar. Kein Wunder also, dass er unter Trainer Mathijssen bereits 946 Minuten lang auf dem Platz stand. Obwohl er im Sommer dieses Jahres 30 Jahre alt wurde, wirkt Wesley Sonck immer noch frisch und hat sich überdies seinen Torinstinkt erhalten.

Das dritte Mitglied des erfolgreichen Dreigestirns ist der marokkanische Junioren-Nationalspieler Nabil Dirar, der von sich selbst und nicht ohne Stolz sagt, dass er seine heutige Karriere seiner Zeit als Straßenfussballer verdankt. "Auf der Straße habe ich das Fussballspielen gelernt. Selbst in der Zeit, als ich noch in der dritten Liga in Diegem gespielt habe, war ich ständig beim Fussball auf der Straße oder in einer Halle anzutreffen, die ich eigens mit meinen Kumpels angemietet hatte. Dabei habe ich immer versucht, neue technische Finten und Tricks auszuprobieren. Am Anfang fand ich das außerordentlich wichtig. Ich war regelrecht ballverliebt und hatte eine Riesenfreude daran, in der gegnerischen Spielfeldhälfte für Gefahr zu sorgen", so der Flügelstürmer, der sich auf der linken Seite am wohlsten fühlt, obgleich er von Trainer Mathijssen mitunter auch auf dem rechten Flügel eingesetzt wird.

Mittlerweile hat sich Dirar, der im Juni dieses Jahres von KVC Westerlo als hoffnungsträchtiges Nachwuchstalent nach Brügge wechselte, bereits in seinem neuen Umfeld eingelebt. "Hier herrscht viel mehr Druck, da darf man sich keine Fehler leisten." Derzeit spielt der antrittsschnelle Stürmer, der durch exzellente Dribblings, flüssige Kombinationen und großes Durchsetzungsvermögen besticht, manchmal noch etwas zu eigensinnig, "obwohl ich vom Kopf her ein Kollektivmensch bin." Das führte bereits dazu, dass Ivan Leko gegenüber Dirar die scherzende Bemerkung machte, er solle doch mal den Schiedsrichter fragen, ob man nicht mit zwei Bällen spielen könne. Nachdem sein Einsatz für das kommende Wochenende lange Zeit als fraglich galt, steht Dirar seiner Mannschaft im wichtigen Punktspiel gegen RSC Anderlecht nun doch zur Verfügung. Der Gegner ist also gewarnt, denn damit ist das torgefährliche Trio des FC Brügge wieder komplett!