Atlético Nacional aus Kolumbien krönte sich nach einem spannenden Finale gegen das ecuadorianische Überraschungsteam Independiente del Valle zum zweiten Mal in seiner Geschichte zum Sieger der Copa Libertadores. Mit seinem Treffer des Tages im Estadio Atanasio Girardot von Medellín schwang sich Miguel Ángel Borja zum Helden des entscheidenden Duells auf. 

Dieses Finale war in doppelter Hinsicht eine Premiere: Zum ersten Mal trafen zwei Teams von der südamerikanischen Pazifikküste aufeinander, und erstmals seit 25 Jahren war weder eine Mannschaft aus Argentinien noch aus Brasilien vertreten. Den Kolumbianern, die den Wettbewerb bereits 1989 gewinnen konnten, bescherte dieser Triumph das Ticket zur FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2016. Sie gesellen sich damit zu den bereits qualifizierten Teams Real Madrid, Auckland City und Club América aus Mexiko.

Der Siegeszug von El Verdolaga hinterließ zudem einige Daten für die Geschichte. Der erst ab dem Halbfinale zum Team gestoßene Torjäger Borja erzielte fünf Treffer, die ihn auf Anhieb zum erfolgreichsten Schützen seines Teams machten. Gleichzeitig avancierte er zum ersten Fussballer, der die zwei prestigeträchtigsten Vereinswettbewerbe des Kontinents mit kolumbianischen Vereinen gewann. 2015 war er mit Independiente Santa Fe bei der Copa Sudamericana erfolgreich, 2016 nun mit Atlético Nacional in der Libertadores.

Des Weiteren ist Alejandro El Lobito Guerra nun der erste venezolanische Fussballer, der den ältesten südamerikanischen Klubwettbewerb gewonnen hat.

Der Champion
Atlético Nacional war das beste Team des Wettbewerbs, das die meisten Punkte holte, die meisten Tore erzielte und am wenigsten Gegentreffer kassierte. Nach der ersten Runde standen gegen Huracán, Sporting Cristal und Peñarol fünf Siege und ein Unentschieden zu Buche. Im Achtelfinale trafen die Kolumbianer erneut auf Huracán und setzten sich mit einem Gesamtergebnis von 4:2 durch.

Im Viertelfinale traf Atlético auf den nach Meinung von Trainer Reinaldo Rueda härtesten Gegner des Turniers, Rosario Central. Los Canallas waren die einzigen, denen gegen den späteren Champion ein Sieg gelang. Aber nach dem 1:0 in ihrer Heimstätte Gigante de Arroyito unterlagen die Argentinier 1:3 im Estadio Atanasio Girardot. Dabei hatten die Gastgeber anfangs im Rückstand gelegen, doch es gelang ihnen, nach einer dramatischen Aufholjagd das Ergebnis zu drehen. Im Halbfinale wurde São Paulo mit einem 2:0-Erfolg in der Fremde und einem 2:1-Heimsieg bezwungen. Im entscheidenden Duell behielten die Kolumbianer gegen Independiente del Valle nach einem 1:1 in Quito und dem abschließenden 1:0-Erfolg in Medellín die Oberhand.

Die Erfolgsfaktoren
Der argentinische Torwart von Atlético, Franco Armani, gehörte zu den wichtigsten Stützen der Kolumbianer bei ihrem Titelgewinn. Mit seiner ruhigen Ausstrahlung und spektakulären Paraden hielt der Torhüter in der Gruppenphase seinen Kasten sauber und kassierte im Verlauf des gesamten Wettbewerbs nur sechs Tore.

Das Team von Rueda stellte auch den treffsichersten Angriff. Die 25 Tore der Kolumbianer verteilen sich auf viele Spieler: Miguel Ángel Borja (5), Orlando Berrío (4), Jonathan Copete (3), Marlos Moreno (3), Alejandro Guerra (3), Daniel Bocanegra (2), Víctor Ibarbo (2), Luis Carlos Ruiz (1), Macnelly Torres (1) und Dávinson Sánchez (1).

Independiente del Valle wiederum krönte bei der dritten Teilnahme an der Copa Libertadores eine denkwürdige Turnierleistung mit dem Finaleinzug. Die Mannschaft aus Ecuador warf River Plate, Pumas und Boca Juniors aus dem Wettbewerb. Auch sie konnte sich auf die Sicherheit ihres Schlussmanns Librado Azcona verlassen, darüber hinaus auf die Zuverlässigkeit von Arturo Mina, das Talent von Junior Sornoza und die Tore von José Angulo. Die Ecuadorianer waren zudem Champions der Solidarität: Ab dem Achtelfinale spendeten sie die Einnahmen aus den Heimspielen den Opfern des Erdbebens vom vergangenen 16. April.

Die Statistik
78,5 - Die Erfolgsquote der Formation aus Medellín. Sie holte 33 von 42 möglichen Punkten und entthronte Boca Juniors. Die Argentinier waren 2003 mit 32 Zählern Sieger geworden und hielten die bisherige Bestmarke in der Geschichte des Turniers. Atlético gewann zehn Begegnungen bei drei Unentschieden und nur einer Niederlage.

Hätten Sie's gewusst?
Der Kapitän von Atlético Nacional, Alexis Henríquez, avancierte zum ersten Kolumbianer, der die Copa Libertadores mit zwei verschiedenen Klubs seines Landes gewonnen hat. 2004 krönte er sich nach dem Finalsieg gegen Boca Juniors mit Once Caldas zum Champion.

Die Zitate
"Das ist ein Traum! Es war ein gutes Tor. Es hängt nicht vom Vereinswappen ab, ob ich treffe, sondern nur von der Gnade Gottes."
Miguel Angel Borja, Schütze des entscheidenden Tores im Finale

"Es ist ein gerechtes Ergebnis. Sie hatten sehr starke erste 20 Minuten und waren sehr überlegen. Ich bin ruhig und stolz auf die Spieler. Wir müssen das Erreichte würdigen. Es ist eine sehr junge Mannschaft, wenn wir den Altersschnitt betrachten. Ich glaube, wir sind das jüngste Team der Copa mit Spielern, die im Laufe des Turniers gereift und gewachsen sind."
Pablo Repetto (Trainer, Independiente del Valle) im Anschluss an das Finale