Ausreden sind etwas für Verlierer

Paco Sedano

Dieser Ausspruch von Paco Sedano hängt im Coliseo el Pueblo in Cali noch eine Weile in der Luft. Spanien ist gerade im Viertelfinale der FIFA Futsal-Weltmeisterschaft Kolumbien 2016 gegen Russland ausgeschieden. Die Enttäuschung darüber steht dem Torhüter, dem einzigen Spieler der spanischen Auswahl, der bereits einen Weltmeistertitel in der Tasche hat, ins Gesicht geschrieben.

Trotz seines Erfolges im Jahr 2004 in Chinese Taipei und des großen Erfahrungsschatzes des 36-Jährigen, kann er seinen Gemütszustand nicht kaschieren. "In der Kabine waren alle sehr traurig, aber so ist das nun einmal im Sport", meint Sedano im Gespräch mit FIFA.com. "Wir haben davon geträumt, die WM zu gewinnen, und jetzt müssen wir die Heimreise antreten. Davon stirbt man nicht, und wir müssen erhobenen Hauptes nach vorn schauen. Das Leben geht weiter."

Seine erste Analyse der 2:6-Niederlage gegen Russland fällt kurz und prägnant aus. "Sie waren besser als wir." Anschließend geht er doch noch etwas ins Detail. "Wir haben nicht unser bestes Spiel gemacht. Wir haben alles versucht, aber es gibt Tage, an denen klappt einfach nichts. Vor allem waren wir in Ballbesitz nicht spritzig genug."

Gegen die Russen fehlten Sergio Lozano, Aicardo und Jose Ruiz verletzungsbedingt. Gemeinsam haben sie sechs der insgesamt 18 Treffer auf dem Konto, mit denen Spanien ins Viertelfinale einzog. Als wir ihn darauf ansprechen, fällt Sedanos Antwort deutlich aus: "Ich sage es noch einmal: Ausreden sind etwas für Verlierer. Die letzte Europameisterschaft haben wir gewonnen, obwohl mehrere Spieler ausgefallen sind. Daran kann man es also nicht festmachen. Sie haben besser gespielt, und damit basta."

Der richtige Kontext
Spanien hatte den Halbfinaleinzug seit der ersten Turnierauflage der WM 1989 in den Niederlanden nicht mehr verpasst. Stattdessen stand das Team zuletzt fünf Mal in Folge im Finale und krönte seinen Auftritt zwei Mal mit dem Titel.

Daher möchte die Nummer eins die Niederlage in den richtigen Zusammenhang setzen. "Diese Mannschaft war in der Vergangenheit sehr erfolgreich. Man kann wegen eines schlechten Tages nicht alles in Frage stellen", meint er bestimmt. "Ein Rückschlag kann die Entwicklung nicht aufhalten."

Tatsächlich blickt der Torwart mit Optimismus in die Zukunft. "Die Mannschaft hat Zukunft. Wir haben junge Spieler, und darüber hinaus ist die Situation des Hallenfussballs in Spanien gut. Deshalb sage ich, dass die Nationalmannschaft auch in Zukunft um Titel kämpfen wird. Da bin ich ganz sicher."

Sedano ist allerdings sehr wohl bewusst, dass es immer schwieriger werden wird. Nach dem Ausscheiden Brasiliens und Spaniens wird bei der WM 2016 in Kolumbien auf jeden Fall eine Mannschaft den Titel erringen, die noch nie zuvor Weltmeister war. "Vorher sind wir immer ins Finale eingezogen, aber das bedeutet ja nicht, dass wir leichtes Spiel hatten. Es gab auch zuvor schon gute Mannschaften, und wir mussten uns ins Zeug legen."

Gibt es eine neue Rangordnung im Weltfutsal? "Ich weiß nicht, ob es eine neue Rangordnung ist. Aber fest steht, dass es im Hallenfussball ein Wachstum zu verzeichnen gibt. Für den Sport ist es gut, wenn nicht immer dieselben gewinnen."

Bevor er sich in die Mixed Zone begibt, wo die Pressevertreter schon warten, reagiert der Torhüter des FC Barcelona erneut resolut auf die Frage nach seiner Zukunft. "Darüber kann ich jetzt nicht sprechen. Im Moment geht es um die Mannschaft, nicht um mich persönlich. Erst einmal will ich nur zurückkehren, um mit meinem Klub zu trainieren. Danach sehen wir weiter."