TAGESRÜCKBLICK – Iran hat Geschichte geschrieben, für Spanien hat sie sich wiederholt und auch Portugal scheint fest entschlossen, sich einen Platz in der Historie zu machen. FIFA.com fasst das Geschehen der drei Achtelfinalpartien vom 21. September zusammen.

Die Hoffnungen sind immer gleich, wenn man gegen Brasilien spielt. Das Ende der Geschichte meistens auch. Dem iranischen Team aber ist nach einem geradezu unwirklichen Spielverlauf gegen das Futsal-Monument das Unmögliche gelungen. Die Seleçao übernahm zu Beginn die Kontrolle über die Partie und ging dank eines Doppelpacks von Falcao in Führung. Bis dahin nichts Ungewöhnliches. Doch der Asienmeister konterte und glich die Begegnung aus. Es blieb bis zum Ende der regulären Spielzeit beim Unentschieden, so dass die Entscheidung im Sechsmeterschießen fallen musste. Es folgten ein Erdbeben in der Futsalwelt und das Ende einer Herrschaft. Brasilien stand in sechs der sieben Auflagen des Turniers jeweils im Finale, nur 2004 wurde der Rekordweltmeister Dritter.

Spanien wiederum konnte sich darüber freuen, dass sich die Geschichte bisweilen wiederholt. Einmal mehr stand La Roja in der ersten K.-o.-Runde mit dem Rücken zur Wand, hatte gegen Kasachstan aber wie immer das letzte Wort. Die Spanier mussten indes ihre ganzes technisches Können und Nervenstärke aufbieten, um das bis zum Schluss kämpfende kasachische Team in seine Schranken zu weisen. 

Ricardinho allein hatte vor dem Achtelfinalduell gegen Los Ticos mehr Tore erzielt als das gesamte Team Costa Ricas. Vierzig Minuten später hatte die Tormaschine mit zwei weiteren Treffern und einigen Kabinettstückchen, die ein wahrer Augenschmaus waren, erneut bewiesen, dass er der große Star Portugals ist. Aber seine Teamkameraden zeigten, dass auch mit ihnen zu rechnen ist. Die Portugiesen haben der Konkurrenz eine eindeutige Botschaft geschickt: Um sie aus dem Gleichgewicht zu bringen, muss man ein großes Spiel machen.

Die Ergebnisse
Portugal - Costa Rica 4:0
Spanien - Kasachstan 5:2
Brasilien - Iran 4:4: (i.E. 2:3)

Die besonderen Momente
Der Geist hinter der Geste: Der Handschlag für den Frieden gehört zum Protokoll vor den Spielen aller FIFA-Turniere. Seit dem Beginn von Kolumbien 2016 haben alle Akteure auch im Sinne dieser Geste gehandelt. Anlässlich des Weltfriedenstags am 21. September trugen auch die Zuschauer ihren Anteil bei und bedachten die sportlichen Leistungen auf dem Platz oder verletzte Spieler mit aufmunterndem Applaus. Sie wurden zudem Zeugen eines fairen Handschlags zwischen Kasachen und Spaniern nach einem engagiert geführten Spiel, des Verhaltens eines guten Verlierers nach der Niederlage Brasiliens und von 40 Minuten Fairplay zwischen Portugal und Costa Rica.

Respekt für den Meister: Das Bild war symbolisch und surreal zugleich. Falcao hätte sich keine schönere Art vorstellen können, um bei seiner letzten Weltmeisterschaft - der fünften des 39-Jährigen - im Kampf zu fallen. Wenige Minuten, nachdem die Iraner die Arme in die Höhe gerissen hatten, um ihren Triumph über Brasilien zu bejubeln, ließen sie den erfolgreichsten Torschützen der WM-Geschichte hochleben.

Brasilianisch inspiriert: Die Brasilianer haben durchaus kein Monopol auf technische Raffinesse. Dies wollte Hossein Tayebi den Ballkünstlern persönlich beweisen. Inspiriert von der Truppe um Falcao versetzte der Iraner das Publikum in Bucaramanga ein ums andere Mal in Begeisterung. Mit Applaus goutierte es etwa seinen Treffer nach einem Übersteiger oder den versuchten Heber von der Mittellinie.

Das Glück lacht nicht immer den Mutigen: Kasachstan hatte in den ersten drei Begegnungen in Kolumbien 2016 insgesamt nur zwei Gegentreffer kassiert. Gegen Spanien mussten die Kasachen fünf Mal den Ball aus dem eigenen Netz holen. Ist Spanien offensiv einfach so stark? Sicherlich ein Teil der Erklärung. Ein weiterer Grund liegt aber in dem hohen Risiko, das der Achtelfinalneuling eingegangen ist. Schon sieben Minuten vor dem Schlusspfiff setzten die Kasachen alles auf eine Karte und agierten mit fliegendem Torwart.

Die Zahl des Tages
28 –
Brasilien verabschiedet sich mit einer laufenden Serie von 28 Spielen ohne Niederlage aus Kolumbien 2016, wenn man die Entscheidungen nach Sechsmeterschießen außen vor lässt. Die letzte Niederlage in der regulären Spielzeit kassierten die Brasilianer in Guatemala 2000 im Finale gegen Spanien (3:4).

Die Zitate
"Ich bin immer noch ganz aufgeregt. Ich bewundere Spanien und ihre taktische Arbeit. Wir haben unser Bestes gegeben, ich bin sehr zufrieden, aber auch sehr müde. Ich kann erhobenen Hauptes nach Hause fahren." Ricardo Sobral (Trainer, Kasachstan)

"Ich hatte angekündigt, dass wir Brasilien bis zum Schluss ärgern würden, und wir können sagen, dass wir auf dem Platz unser Wort gehalten haben." Seyed Nazemalsharieh (Trainer, Iran)

"Das Mentale, ihre Abschlussstärke und die Erfahrung haben den Unterschied gemacht. Es ist auf diesem Niveau sehr wichtig, kaltblütig zu bleiben. Ich bin stolz auf meine Spieler und ihre menschlichen Qualitäten." Diego Solis (Trainer, Costa Rica)

So geht es weiter
Achtelfinale, 22. September

Thailand - Aserbaidschan (17:30 Uhr, Medellín)
Argentinien - Ukraine (17:30 Uhr, Bucaramanga)
Italien - Ägypten (20:00 Uhr, Cali)

(Alle Angaben in Ortszeit)