Schon allein wegen seines leuchtenden Trikots ragt Gustavo aus dem russische Ensemble hervor. Ein besonderer Blickfang bei der FIFA Futsal-Weltmeisterschaft Kolumbien 2016 ist er aber aufgrund seiner zahlreichen Paraden – und natürlich auch wegen seines Kopfschutzes.

Russlands Schlussmann trägt in jedem Spiel und Training eine Art Sicherheitshelm. Dies dient dem 37-Jährigen zur Vorsicht, denn in seiner Karriere hatte er schon zwei Mal mit schweren Kopfverletzungen zu tun. "Die erste Verletzung war vor ungefähr vier Jahren. Ich habe ein Knie gegen den Kopf bekommen und mir den Schädel gebrochen", erklärt Russlands Nummer 12 und zeigt mit dem Finger an die Augenbraue, die Stelle, an der der Bruch passierte.

"Ich war einen Monat im Krankenhaus", fügt Gustavo an. De Ärzte rieten ihm, die kommenden sechs Monate mit einer Kopfbedeckung zu spielen. Nach Ablauf des halben Jahres, verzichtete der 1,79 Meter große Schlussmann wieder auf den Helm. "Es hat dann ungefähr einen Monat gedauert, da schlug ich mit dem Kopf auf den Boden und verletzte mich erneut."

Seitdem lässt der Vater zweier Söhne das Hilfsgerät  nie wieder zuhause. Der Grund dafür ist jedoch nicht, dass ihm die Ärzte das empfohlen hätten. "Kurz nach der zweiten Verletzung hatten wir ein Familientreffen und alle, also vor allem Mama und Papa, haben mich gebeten, den Helm ab jetzt immer zu tragen." Und was Mama sagt, das ist Gesetz. Da hilft es auch nicht, wenn man Nationalspieler ist und zu den besten Futsal-Torhütern dieses Planeten zählt.

Spanien, immer wieder Spanien
Bedenkt man all diese Fakten, gibt es eine gewisse Analogie zu Petr Cech, der ebenfalls mit einen Helm spielt und zu den besten Torhütern der Welt zählt. "Den Vergleich mag ich. Ich hoffe aber, er kommt nicht nur wegen des Helms, sondern auch wegen des Talents", grinst Gustavo und kann beruhigt sein, da definitiv auch seine Fähigkeiten damit zu tun haben. Bei seinem ersten WM-Auftritt, vor vier Jahren in Thailand, musste er lediglich drei Gegentreffer hinnehmen und organisierte damit die beste Defensive des Turniers. In Kolumbien waren es bisher sechs Gegentreffer in vier Spielen. Somit hat Gustavo großen Anteil daran, dass die Osteuropäer im Viertelfinale stehen.

Dort geht es, wie schon vor vier Jahren, gegen Spanien, das Team, dass den in Porto Alegre aufgewachsenen Keeper in Thailand als einziges überwinden konnte. Nun müssen die Iberer jedoch auf ihren Topstürmer Lozano verzichten, der sich im Achtelfinale das Kreuzband gerissen hat und bereits zur Behandlung in der Heimat ist. Russland kann dahingegen aus dem Vollen schöpfen und ist gut drauf. Übermäßige Zuversicht oder Kampfansagen will Gustavo dennoch nicht heraus posaunen.

"Vor vier Jahren in Thailand war ich richtig zuversichtlich. In vier Spielen haben wir kein Tor kassiert, dann im Viertelfinale 3:2 gegen Spanien verloren und wir mussten die Heimreise antreten", meint er zerknirscht. Zu schlecht sind die Erinnerungen an Spanien. Erst im Februar hat er gegen La Roja im Finale der UEFA Futsal EURO 2016 verloren.

Wenn man die Russen aber während ihres Aufenthalts in Kolumbien beobachtet, so könnte es dieses Mal anders enden. Das Team wirkt extrem fokussiert und hat nur eines im Sinn: "Wir wollen den Titel. Es ist mein großer Traum, mein letztes großes Ziel. Das ist wahrscheinlich meine letzte Chance, da es meine letzte WM ist."

Also wird Gustavo alles für den Sieg im Viertelfinale geben und die Fans können sich drauf freuen, den Torhüter mit seinem leuchtenden Trikot und dem Sicherheitshelm durch den Strafraum fliegen zu sehen.