Viel mehr hätten die Argentinier in ihrem Achtelfinalspiel gegen die Ukraine kaum für den Sieg tun können. Die Abwehrreihen der beiden Teams erwiesen sich als grundsolide und undurchdringlich. Im Verlauf des Spiels erkämpften sich die Argentinier eine immer größere Übermacht und setzten die Ukrainer immer stärker unter Druck.

Immer wieder scheiterten sie am herausragenden ukrainischen Torhüter Ievgen Ivanyak, der sage und schreibe 21 Torschüsse in Folge abwehren konnte. Doch 90 Sekunden vor dem Ende der Verlängerung bekamen die Argentinier nach einem kumulierten sechsten Foul die Möglichkeit zu einem 22. Torschuss. Leandro Cuzzolino übernahm die Verantwortung.

"Mein Kopf war völlig klar", sagte er gegenüber FIFA.com über den Moment, in dem er dem scheinbar unüberwindlichen Schlussmann in zehn Metern Entfernung gegenüberstand. Offenbar flüsterten ihm seine Mitspieler die richtigen Worte ein, so dass er tatsächlich Erfolg hatte.

"Mir war klar, dass ich einfach für meine Teamkameraden treffen musste", so der 29-Jährige. "Sie haben mir das nötige Selbstvertrauen vermittelt. Ich durfte diese Chance einfach nicht vergeben." Und dann schoss er den Ball flach und perfekt am rechten Pfosten platziert vorbei an Torhüter Ivanyak in die Maschen.

"Ich muss dem Torhüter ein riesiges Kompliment machen", so Cuzzolino nach dem Schlusspfiff bewundernd. "Er war der mit Abstand beste Spieler auf dem Feld. Er hat einfach unglaublich gut gehalten. Wir müssen den Fussballgöttern danken, dass uns dieses Tor gelungen ist. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen."

Nachdem die Albiceleste 48 Minuten und 30 Sekunden lang fruchtlos gerackert, geschwitzt und aus allen Positionen geschossen hatten, war die Erleichterung um so größer, als der Ball endlich im Netz zappelte. "Die Emotionen haben mich regelrecht übermannt, als ich den Ball im Netz sah. Als er über die Linie flog, wurde eine schwere Last von unseren Schultern genommen."

Argentinien hat bei der FIFA Futsal-WM in Kolumbien schon einige Strauchler hinter sich. Gegen die Salomon-Inseln und gegen Costa Rica konnte insbesondere die sonst so solide Hintermannschaft nicht überzeugen. Der Angreifer von Pescara ist allerdings überzeugt, dass der Erfolg gegen die Ukraine nach diesem harten Kampf dem Team nun einen psychologischen Schub gibt.

"Es ist schon erstaunlich, dass wir das Spiel nicht früher gewonnen haben, denn wir haben sehr gut gespielt", meinte er. Mit dem Einzug ins Viertelfinale ist Argentinien bereits so weit gekommen, wie 2012 in Thailand, wo Cuzzolino drei WM-Tore erzielt hatte. "Wir hätten eigentlich mindestens drei oder vier Tore schießen müssen.

Doch dieser Sieg wird unser Selbstvertrauen stärken. Wir mussten wissen, wo wir stehen. Durch diesen Sieg sind wir gestärkt und werden künftig Bestleistungen bringen. Ich bin sicher, wir werden im Viertelfinale den nächsten Schritt machen."

Gegner der Argentinier ist Ägypten, das sich ebenfalls erst kurz vor Ende der Verlängerung gegen Italien durchsetzte. Die beiden Kontrahenten sind schon bei zwei früheren WM-Endrunden aufeinander getroffen, nämlich 2000 in Guatemala und 2008 in Brasilien. Beide Male setzte sich Argentinien durch. In Medellín wird man nun sehen, welches der beiden Teams durch den dramatischen Achtelfinalsieg einen stärkeren Schub erhalten hat.