Bruno Coelho gehört zu den letzten portugiesischen Spielern, die nach der 2:5-Halbfinalniederlage gegen Argentinien bei der FIFA Futsal-Weltmeisterschaft Kolumbien 2016 die Kabine verlassen. Auf seinem Gesicht zeichnet sich eher Resignation als Trauer ab, als hätte er den Ausrutscher schon teilweise verarbeitet.

Das mag vielleicht daran liegen, dass er immer gern einen Moment allein ist, um das Geschehene zu verarbeiten und seine eigenen Fehler zu analysieren und sie im nächsten Spiel möglichst korrigieren zu können, wie er im Gespräch mit FIFA.com erklärt.  

Wir wollen wissen, was denn nun schief gegangen ist. "Wir hätten stärker dagegenhalten müssen, vor allem in der ersten Halbzeit. Sie haben sehr schnell auf 4:1 erhöht, und anschließend war es schwer, noch einmal heranzukommen", so der 29-jährige Flügelspieler mit Bezug auf den Zeitraum von einer Minute und 38 Sekunden, in dem der Gegner drei Tore erzielte und sich damit den entscheidenden Vorsprung verschaffte.

"Und es ist ja nicht so, dass wir keine Chancen herausgespielt hätten", fährt der Mann mit der Rückennummer drei fort. Mit sechs Assists in den letzten fünf Partien ist er der beste Vorlagengeber seines Teams. "Das Problem war, dass wir sie nicht genutzt haben. Mit der Zeit sind wir dann immer nervöser geworden, was auch nicht gerade hilfreich war."

Bruno Coelho räumt ein, dass er das "Halbfinale am liebsten sofort noch einmal spielen würde", doch er will sich nicht dazu äußern, ob nun eher ein Team die Partie gewonnen oder das andere sie verloren hat. "Es stimmt schon, dass wir Fehler gemacht haben, und wir haben sie teuer bezahlt. Doch ich möchte auch Argentinien das Verdienst nicht absprechen. Die Argentinier stehen im Finale, weil sie es verdient haben. Sie haben darauf hingearbeitet, und ich gratuliere ihnen zu diesem Erfolg."

Das Treppchen im Blick
Und wie geht es jetzt weiter? "Jetzt müssen wir nach vorn schauen, denn wir haben ein wichtiges und schwieriges Duell um den dritten Platz vor uns", so Coelho, der in den letzten beiden Jahren mit Benfica Lissabon vier Titel gewonnen hat. "Es ist natürlich ein Unterschied, ob man Dritter oder Vierter wird. Es ist etwas anderes, ob du mit einer Medaille nach Hause kommst oder dich nur damit rühmen kannst, eine WM gespielt zu haben."

Was ihn persönlich angeht, so wird Bruno Coelho versuchen, bei Telefongesprächen mit seiner Frau und beim Anschauen der jüngsten Aufnahmen seines 14 Monate alten Sohnes auf dem Handybildschirm seine Akkus wieder aufzuladen. Sein Sprössling hüpft nach Angaben des Spielers im Augenblick lieber herum, als gegen den Ball zu treten.

Was die Mannschaft angeht, so räumt er ein, dass es nicht einfach werden dürfte, die Stimmung wieder zu heben. Doch Ausreden lässt er nicht gelten. "Wir sind erwachsene Menschen, Profis und wir wissen, was wir nach dieser Niederlage gegen Argentinien wollen. Der einzige noch verfügbare Platz auf dem Treppchen ist jetzt der dritte. Daher werden wir alles in unserer Macht stehende tun, um ihn zu erreichen", meint der 1,72 Meter große Flügelspieler, der seit seinem Debüt im Jahr 2010 bereits 72 Spiele für die Nationalmannschaft bestritten hat.

Die endgültige Turnierbilanz hängt laut Bruno Coelho vom Ausgang der kniffligen Partie gegen Iran ab. Immerhin haben die Iraner Brasilien aus dem Turnier geworfen und den Russen im zweiten Halbfinale alles abverlangt. Dennoch hat sein Team mit dem bisherigen Auftritt bei der WM 2016 in Kolumbien seiner Meinung nach bereits ein positives Ergebnis erzielt.

"Es gibt nicht nur in sportlicher Hinsicht positive Aspekte, sondern wir sind auch als Team gewachsen. Im Augenblick bedaure ich nur, dass wir nun erst in vier Jahren wieder zu diesem Wettbewerb antreten können."