Brasiliens Hallenzauberer triumphieren erneut
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Es war laut, bunt, emotional und dramatisch. Das Finale der FIFA Futsal-Weltmeisterschaft 2012, die vom 1. bis 18. November in Thailand stattfand, hatte alles, was ein würdiges Endspiel eines FIFA-Turniers benötigt und war der Höhepunkt des weltweiten Kräftemessens in Bangkok und Nakhon Ratchasima.

Brasilien krönte sich in diesem außergewöhnlichen Rahmen im Indoor Stadium Huamark von Bangkok zum fünften Mal zum Champion in der Halle und bezwang in einem wahren Krimi den ewigen Rivalen Spanien mit 3:2 nach Verlängerung.

In der Neuauflage des Finales von 2008, das die Südamerikaner ebenfalls für sich entschieden, zeigten beide Mannschaften eine herausragende Leistung, und erst der Treffer von Neto, der im Anschluss mit dem Goldenen Ball von adidas für den besten Spieler des Turniers geehrt wurde, brachte kurz vor Ende der Verlängerung die Entscheidung zugunsten der Seleção.

Sorato: "Es war ein Traum-Finale"
"Es war ein Traum-Finale, und es hat gezeigt, dass man im Futsal bis zuletzt an sich glauben muss", erklärte Brasiliens Trainer Marcos Sorato im Anschluss an den siebten Sieg im siebten Spiel beim weltweiten Kräftemessen in Asien. Nachdem die Auriverdes in der Gruppenphase Erfolge gegen Japan, Portugal und Libyen einfuhren, feierten sie einen Kantersieg gegen Panama im Achtelfinale sowie einen knappen Erfolg gegen Argentinien im Viertelfinale. In der Vorschlussrunde bezwang man den südamerikanischen Konkurrenten Kolumbien.

Spanien hatte hingegen den weitaus komplizierteren Weg in das Finale. Bereits in der Auftaktpartie bekam es die Furia Roja mit Asiens Schwergewicht Iran zu tun und kam nicht über ein Remis hinaus. Doch die Südeuropäer steigerten sich von Spiel zu Spiel und siegten in ihren nächsten Begegnungen gegen Panama, Marokko und den Gastgeber klar, ehe es zum Duell mit Russland kam, in dem sie eindrucksvoll unter Beweis stellten, dass sie die absolute Nummer eins in Europa sind.

Nach dem Halbfinal-Erfolg gegen Italien und der bitteren Niederlage gegen Brasilien muss sich der zweimalige Weltmeister nun nach 1996 und 2008 zum dritten Mal mit Silber zufrieden geben. Coach Venancio Lopez' erste Reaktion fiel dementsprechend nüchtern aus. "Ein besseres Resultat wäre drin gewesen, aber so ist Sport. Meine Spieler haben alles gegeben, und dafür bin ich dankbar", erklärte er nach dem Abpfiff.

Italien komplettiert das Podium
Italien komplettierte durch den dritten Platz das Wiedersehen alter Bekannter auf dem Podium und durfte sich über den Gewinn der Bronzemedaille freuen. Die Squadra Azzurra bezwang im Spiel um Platz drei das Überraschungsteam aus Kolumbien und erreichte somit zum dritten Mal in Folge das Podium.

Italien machte vom Turnierbeginn an klar, dass man sich hohe Ziele gesteckt hatte. Gegen Australien feierte man zum Start einen klaren Sieg und sicherte sich dann einen knappen Erfolg gegen Argentinien, das nach dem Triumph bei der Südamerika-Qualifikation mindestens genauso stark eingeschätzt wurde wie die Nazionale. Durch den abschließenden Erfolg gegen Mexiko beendete man als eine von nur drei Mannschaften die Gruppenphase mit einer weißen Weste.

Nach Siegen gegen Ägypten (Achtelfinale) und Portugal (Viertelfinale), das man nach einem Drei-Tore-Rückstand zur Halbzeit nach Verlängerung niederrang, kam es in der Vorschlussrunde zum Duell gegen Spanien, gegen die man wie schon vor vier Jahren und bei der EM im Februar 2012 das Nachsehen hatte. Einen erfolgreichen Abschluss durfte das Team von Torhüter Stefano Mammarella, der zum besten Torwart des weltweiten Kräftemessens gekürt wurde, trotzdem feiern, als man sich den dritten Rang in einem spannenden Duell gegen Kolumbien sicherte.

Kolumbien sorgt für die Überraschung des Turniers
Die Cafeteros waren obgleich der abschließenden Niederlage gegen die Azzurri die größte Überraschung in Thailand. Wohl niemand hatte damit gerechnet, dass die Südamerikaner als WM-Neuling unter die besten Vier vorstoßen würden, doch die Mannschaft von Trainer Arney Fonnegra steigerte sich von Spiel zu Spiel, nachdem das Turnier denkbar ungünstig mit einer Niederlage gegen Guatemala begonnen hatte. Nach dem Sieg gegen die Salomon-Inseln stellte Kolumbien sein Spielsystem um und konzentrierte sich fortan auf eine starke Defensive.

Im Achtelfinale schaltete man den Iran, immerhin zehnmaliger AFC Futsal-Meister, aus und ließ in der Runde der letzten Acht die Ukraine hinter sich, was dem WM-Debütanten ein Duell im Halbfinale gegen Brasilien sicherte. In der Vorschlussrunde bot man den Auriverdes einen harten Kampf, musste sich am Ende jedoch mit dem kleinen Finale zufrieden geben, was allerdings als großer Erfolg zu werten ist.

WM-Neulinge mit unterschiedlichen Ergebnissen
Für die anderen fünf Debütanten hätte die Auflage der Futsal-WM 2012 kaum unterschiedlicher verlaufen können. Marokko musste ebenso wie Mexiko nach der Gruppenphase die Heimreise antreten. Die Konkurrenz in den Gruppen B (Spanien, Iran und Panama) bzw. in der Staffel D (Italien, Argentinien und Australien) war zu groß. Auch Kuwait überstand die Gruppenphase nicht. Ein einziger Sieg gegen Ägypten war am Ende zu wenig, doch der Erfolg gegen das afrikanische Schwergewicht, macht den Asiaten für die Zukunft Hoffnung.

Panama und Serbien hingegen beeindruckten bei ihrem ersten Auftritt auf der Weltbühne. Während die Mittelamerikaner als einer der besten Dritten in das Achtelfinale vorstießen, wo man letztendlich Brasilien unterlegen war, sorgte Serbien in der Gruppenphase für Furore.

Die Europäer gewannen ihre Staffel und ließen solch namhafte Nationen wie die Tschechische Republik und Ägypten hinter sich. In der Runde der letzten 16 fehlte es dem Team von Trainer Aca Kovacevic dann jedoch an der nötigen Erfahrung, als man gegen Argentinien den Kürzeren zog.

Begeisterung und Fortschritte
Ein anderes Team sorgte ebenfalls für große Begeisterung bei seinen Fans. Gastgeber Thailand spielte erfrischend offensiv und erreichte auch mit Hilfe des enthusiastischen Publikums nach einem Sieg gegen Costa Rica und Niederlagen gegen die Ukraine sowie Paraguay das Achtelfinale, wo man gegen Spanien den Kürzeren zog.

Ebenfalls positiv zu erwähnen ist Ozeanien-Meister Salomon-Inseln. Nachdem man bei der WM 2008 noch sang- und klanglos die Heimreise antreten musste, sorgten die Insulaner in Thailand für die wohl größte Sensation, als sie sich im letzten Gruppenspiel gegen Guatemala durchsetzten und die Achtelfinal-Träume des mittelamerikanischen Schwergewichts beendeten.

Auch Australien kam im Rahmen der Futsal-WM zu einem seltenen Erfolgserlebnis. Die Futsalroos behielten gegen Neuling Mexiko die Oberhand und feierten damit den erst dritten Erfolg im Rahmen ihrer sechsten WM-Teilnahme.

Enttäuschungen trotz Ambitionen
Größere Hoffnungen als das Erreichen des Achtelfinales hatte sich hingegen Iran gemacht. Die Asiaten erwischten gegen Spanien zwar einen guten Start in das Turnier, doch schon bei den knappen Erfolgen über Marokko und Panama wurde deutlich, dass es bei dem Titel-Mitfavoriten nicht rund läuft. Das Aus gegen Kolumbien in der ersten K.o.-Runde war die Folge.

Asienmeister Japan musste sich ebenfalls früh aus dem Turnier verabschieden, nachdem man im Achtelfinale der Ukraine unterlag. Auch Russland hatte sich mit Sicherheit mehr ausgerechnet und die Podiumsplätze im Visier, doch im Viertelfinale musste man sich dem europäischen Rivalen Spanien geschlagen geben. Mit Portugal strich ein weiteres Top-Team in der Runde der letzten Acht die Segel.

In vier Jahren treffen sich die 24 besten Futsal-Nationen erneut, wenn die achte FIFA Futsal-Weltmeisterschaft stattfindet. Sechs Länder (Frankreich, Iran, Kolumbien, Puerto Rico, Spanien und die Tschechische Republik) haben ihr Interesse an der Ausrichtung der Endrunde bereits bekundet. Im März 2013 wird die FIFA darüber entscheiden, wer den Zuschlag erhält.

2016 werden somit alle Gewinner und Verlierer der Futsal-WM 2012 wieder versuchen, für Begeisterung auf den Rängen zu sorgen und ihre Träume beim weltweiten Kräftemessen wahr werden zu lassen. Eines ist jetzt schon sicher: FIFA.com wird auch dann hautnah für Sie dabei sein.

Teilnehmer:
Ägypten, Argentinien, Australien, Brasilien, Costa Rica, Guatemala, Italien, Iran, Japan, Kolumbien, Kuwait, Libyen, Marokko, Mexiko, Panama, Paraguay, Portugal, Russland, Salomon-Inseln, Serbien, Spanien, Thailand, Tschechische Republik, Ukraine

Die Abschlusstabelle:
1. Brasilien (Gold)
2. Spanien (Silber)
3. Italien (Bronze)
4. Kolumbien

Offizielle Auszeichnungen:
adidas Goldener Ball – Neto (BRA)
adidas Silberner Ball – Kike (ESP)
adidas Bronzener Ball – Ricardinho (POR)
adidas Goldener Schuh – Eder Lima (RUS)
adidas Silbener Schuh – Rodolfo Fortino (ITA)
adidas Bronzener Schuh – Fernandinho (BRA)
adidas Goldener Handschuh – Stefano Mammarella (ITA)

Fairplay-Auszeichnung: Argentinien

Stadien und Spielorte:
Indoor Stadium Huamark, Nimibutr Stadium (beide Bangkok), Korat Chatchai (Nakhon Ratchasima)

Tore insgesamt: 349 (Durchschnitt pro Spiel: 6,71 )

Gesamtzuschauerzahl: 160.932
Durchschnittliche Zuschauerzahl: 3.094