Ein Zuckerhut-Duo genießt den Triumph
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Musik dröhnte durch die Kabine und die Spieler tanzten ausgelassen. Der Pokal wurde herumgereicht und für einige Mitglieder des Trainerstabes gab es eine unfreiwillige Dusche. Inmitten dieser Jubelszenen in der Kabine des frisch gekrönten Futsal-Weltmeisters Brasilien nahmen sich die Endspieltorschützen des Teams kurz Zeit, um ihre Emotionen mit FIFA.com zu teilen.

Neto, der Gewinner des Goldenen Balles von adidas und Schütze des späten Siegtores der Seleção, äußerte sich gemeinsam mit dem charismatischen Falcão über den fünften Weltmeistertitel für Brasilien, ihre eigenen Rollen beim Triumph und die Zukunft des Teams.

Neto, zu Beginn eine ganz einfache Frage: Ist das der schönste Tag Ihres Lebens?
Neto: Ja, so würde ich das sagen! Schon seit 2004 habe ich von diesem Titel geträumt. Als ich 2008 wegen einer Verletzung nicht dabei sein konnte, dachte ich schon, der Traum würde vielleicht niemals wahr werden. Meine Familie und alle mir nahestehenden Freunde werden wissen, wie wichtig dieser Tag für mich ist. Für diesen Erfolg habe ich gekämpft.

Falcão, Sie hatten in Ihrer Karriere schon enorm viel erreicht. Welchen Stellenwert hat dieser Titel für Sie?
Falcão: Dieser Weltmeistertitel hat für mich einen besonders hohen Stellenwert, in erster Linie wegen meiner eigenen Geschichte bei dieser Weltmeisterschaft und, weil ich [nach der Verletzung im ersten Spiel, Red.] wirklich schon gedacht habe, für mich wäre alles vorbei. Dass ich mich von der Verletzung erholen und etwas zum Erfolg beitragen konnte, auch wenn es nicht allzu viele Minuten waren, macht diesen Triumph zu etwas ganz Besonderem. Das war meine letzte Weltmeisterschaft und entsprechend groß war mein Wille, diesen Titel zu holen.

Ist das endgültig? Gibt es keine Chance dass Sie 2016 noch spielen?
Falcão: So wie ich das jetzt sehe, war das meine letzte WM. Ich würde darüber nachdenken, 2016 zu spielen, wenn das Gefühl stimmt. Im Futsal kann man ja problemlos ins Spiel kommen und wieder hinausgehen. Daher ist es leichter als im Fussball, noch in höherem Alter zu spielen. Aber natürlich wäre es schwierig. Daher sieht meine Planung derzeit nicht vor, dass ich 2016 noch einmal dabei bin. Aber wer weiß...

Neto, erzählen Sie uns etwas über Ihr Siegtor. Was ging Ihnen in diesem Moment durch den Kopf? Und woher haben Sie 19 Sekunden vor Schluss noch die Energie nehmen können?
Neto: Ehrlich gesagt war das wirklich das letzte bisschen Energie, das ich noch in mir hatte! Ich denke, dass sich beide Teams mental schon auf das Sechsmeterschießen eingestellt hatten. Aber ich dachte mir 'Warum soll ich es nicht noch ein letztes Mal versuchen?' Gott sein Dank hat es funktioniert. Als der Ball im Netz zappelte, war ich mental völlig überwältigt aber auch völlig erschöpft. Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte. Dann aber habe ich im Publikum meine Frau gesehen und in dem Moment wollte ich nur noch mit ihr jubeln.

Und Falcão, was sagen Sie zu Ihrem Tor?
Falcão: In dieser Phase sah es für uns gar nicht gut aus. Wir lagen zurück und es war nicht mehr allzu lang zu spielen. Aber dann war es, als käme ein Stern vom Himmel, und ich griff nach oben, um ihn zu ergreifen. Auch das war ein sehr wichtiges Tor, denn damit hatten wir für den Rest des Spieles wieder mehr Selbstvertrauen.

Das Finale war beste Werbung für den Futsal. Man konnte den gegenseitigen Respekt der Teams sofort erkennen.
Neto: Ja, auf jeden Fall. Ich habe großen Respekt vor Spanien, wir alle. Wir wussten, dass das Spiel möglicherweise durch ein kleines Detail entschieden würde. Fest steht, dass unsere beiden Teams die stärksten Futsal-Nationen sind. Ich denke, dass die Rivalität und der gegenseitige Respekt stets weiter bestehen werden.

Falcão: Es ist immer so, wenn wir gegen Spanien spielen. Wenn ich an die letzten zehn oder zwölf Spiele zurückdenke, die wir gegen Spanien bestritten haben, dann kann ich mich nicht erinnern, dass eine der Mannschaften je mit mehr als einem Tor Unterschied gewonnen hätte. Die Spiele zwischen uns werden stets auf höchstem Niveau bestritten.

Wenn man an Futsal und an Brasilien denkt, dann denkt man automatisch an Falcão. Aber wie sieht die Zukunft für das Team aus? Gibt es einen neuen Falcão, oder sogar mehrere, die die Lücke schließen können?
Neto: Wir hoffen es sehr. Aber im Moment denke ich nicht, dass wir einen technisch ähnlich starken Spieler wie Falcão haben. Doch Brasilien ist ein großes Land, und zahlreiche starke junge Spieler drängen ins Nationalteam. Die Zukunft sieht also hoffentlich gut aus.

Falcão: Wir haben auf jeden Fall eine ganze Reihe guter junger Spieler. Aber auch ich sehe im Moment niemanden, der sofort bereit ist, das neue große Idol Brasiliens zu werden. Aber wie Neto schon gesagt hat, ist Brasilien ein sehr großes Land und es ist durchaus möglich, dass wir in den nächsten Jahren einen neuen Falcão erleben werden.